Zimmer frei in Schermbeck

Joachim Becker, Sohn Julius Becker und Paul Schnitzler zeigen, wo der neue Fledermauskasten am Haus angebracht werden soll.
Joachim Becker, Sohn Julius Becker und Paul Schnitzler zeigen, wo der neue Fledermauskasten am Haus angebracht werden soll.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Der Nabu zeichnet Menschen aus, die Fledermäusen ein Obdach bieten. Jutta Becker-Ufermann darf ihr Haus jetzt mit einer Plakette schmücken

Schermbeck..  Wer seit mehr als einem Jahrzehnt Auto fährt, dem müsste es eigentlich längst aufgefallen sein. Früher war die Windschutzscheibe im Sommer oft voller Insekten. Das ist nicht mehr so – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Artenvielfalt abgenommen hat, weil der natürliche Lebensraum der Tiere immer kleiner wird.

Dass es auch immer weniger Fledermäuse gibt, fällt weniger Menschen auf. Schließlich sind die scheuen Flugtiere nur im Dunkeln unterwegs. Im Kreis Wesel rückt der Nabu die Not der Fledermäuse seit einiger Zeit ins Licht der Öffentlichkeit. Mit der Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ sollen Nachahmer gefunden werden, die den Fledermäusen ein Quartier bieten.

Die Schermbecker Kräuterfachfrau Jutta Becker-Ufermann durfte die Plakette jetzt an ihrem Haus an der Dämmerwalder Straße 44 anbringen. „Wir haben schon ewig Fledermäuse. Hier im Hof kann man die abends sehr gut sehen.“ Kein Wunder, schließlich ist das Gehöft, auf dem die Familie auch Feriengäste beherbergt, ein Paradies für die Tiere: Naturbelassene Streuobstwiesen, Feuchtbiotope, spezielle Pflanzen, die nachts ihre Blüten öffnen und Insekten anlocken – eine wunderbare Adresse für Fledermäuse.

Deshalb hat sich Jutta Becker-Ufermann für die Auszeichnung beworben. Mit dem neuen Holzkasten, den Fledermausexperte Paul Schnitzler zusammen mit Urkunde und Plakette mitbrachte, will die Familie auch ihren Gästen zeigen, wie einfach man Fledermäusen einen Unterschlupf bieten kann. Eine Bauanleitung für solche Flachkästen hat übrigens der Nabu. Und auch wer mitten in der Stadt wohnt, kann damit viel für den Artenschutz tun.

Paul Schnitzler hat eine schwierigere Aufgabe als einen Fledermauskasten zu zimmern. Der Mitarbeiter der Biologischen Station muss seit Jahren dicke Bretter bohren, um den Ruf seiner Schützlinge zu verbessern. Hartnäckig hält sich das Image vom gruseligen Blutsauger. Oder aber die Leute rufen bei Schnitzler an mit dem Satz „Wir haben ein Fledermausproblem“. In vielen, vielen Gesprächen hat der Mitarbeiter der Biologischen Station schon Überzeugungsarbeit geleistet und erklärt, warum Fledermäuse in Rollladenkästen, Mauerritzen, Kellern oder auf Dachböden kein Problem, sondern ein Beitrag zum Naturschutz sind. Seine Hoffnung: Dass die Aktion Fledermausfreundliches Haus so viel Werbung macht, dass die Tiere bald bei noch mehr Menschen gern gesehene Gäste sind. Vielleicht trägt ja auch diese Liebeserklärung von Paul Schnitzler zum besseren Image bei: „Ich in in die Viecher verknallt ohne Ende.“