Zeit für Überraschungen

Hünxe..  Der Crazy Circus ist zurück. Zehn neue Nummern im silbernen Rund laden zum Hören, Grooven und zum Staunen ein. Schließlich ist Peter „Havey“ Havermann der einzige weit und breit in der Region, der die Gitarren, auf denen er spielt, selbst baut. Und gleichzeitig nicht einmal ein Verfechter des „puren“, handgemachten Sounds ist. Mit Jörg Bäumken (Keyboards und Organ) mixt er im Hünxer Kellerstudio Synthetische Sounds und den warmen Klang seiner handgefertigten E-Gitarren zu – ja was eigentlich?

Musikalische Freiheiten

Crazy Circus, so viel Verrücktheit muss sein, lässt sich nicht auf einen Stil festlegen. Jazz-Lounge, Funk, Rock, Vintage Pop – alles geht, alles bringen die beiden musikalischen „Zirkusdirektoren“ unter einen Hut.

Musikalische Freiheiten für „freie Menschen“. Denn nichts anderes bedeutet „Inuits“, so der Name der neuen CD im Eigenvertrieb.

Das Album beginnt mit elektronischen Beats. Etwas Jazz-Lounge, etwas Funk, just „Check it out“. Der Titelsong „Inuits“ selbst ist eine sphärisch-atmosphärische Ballade mit singender, gedoppelter Gitarre. Sollte das Vorgängeralbum „Dream-ship“ noch so laut gespielt werden, dass es „Grüße ins All“ sendet, gilt diese Empfehlung für „Inuits“ „nur“ bis zum Nordpol. Was auch daran liegen mag, dass die Songs geerdeter klingen.

„In a tube“ beginnt als knarrender Blues, kombiniert mit Hammond und Rockorgel . Die Leichtigkeit des Gesangs hier und in „Fade to grey“ erinnert an die Eagles, der alten gemeinsame Lieblingsband von Havermann und Bäumken. Aber Vorsicht, gerade wähnt man sich in analogen Rock-und-Pop-Gefilden, wird man von einer funky Bass-line und Bläsersätzen überrascht. Die Orgel jazzt, die Gitarren tüfteln knifflige, kleinteilige Gegenrhythmen aus, Havermann verfällt in Sprechgesang.

Gut und gereift

Die Bläser setzen weiterhin ihre Akzente, nun über das Rock-Solo einer angenehm dreckig verzerrten E-Gitarre. Wer jetzt an die Stones erinnert wird, wähnt sich mit dem nächsten Song „Finding refuge“ in einem Raum mit einem Schallplattenspieler, auf dem sich eine John Lennon-Platte der frühen 1970er Jahre dreht. Und wer nach den ersten Takten glaubt, das Album ende mit „survive“ tanzbar, wird mit dem Einsetzen des Gesangs mit einer Rock-Ballade überrascht.

„Crazy“? Sicherlich. Aber Havermann und Bäumken nehmen sich die Freiheit, nur das zu machen, was sie gut finden – und was sich in den letzten musikalischen Jahrzehnten auch als zeitlos gut erwiesen hat. Vintage, gut und gereift.

So wie der Sound der „Havey“-Gitarren, der wieder einmal einfach nur bestechend ist.