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Zäher Kampf um die Königswürde

13.07.2009 | 19:00 Uhr

Schermbeck stand ganz im Zeichen der Schützenfeste. Tasso Stiebels und Christopher Timmermann sind die neuen Regenten.

Das doppelte Schützenfest der Kilian-Gilden in Schermbeck hat seit gestern Nachmittag neue Regenten. Aus der „Schüppenkompanie” der Schermbecker Gilde kommt Tasso Stiebels. Der 39-Jährige entschied das Duell mit Thomas Messner für sich. In Altschermbeck regiert der 23-jährige Christopher Timmermann.

Tasso Stiebels' Blick ging immer wieder ungläubig nach oben. Der 39-Jährige brauchte kurz nach 15 Uhr einige Minuten, um zu realisieren, was der 133. Schuss an diesem sonnigen Nachmittag am Schießstand der Kilianer in Schermbeck tatsächlich bedeutete. Jener Treffer machte ihn nämlich zum neuen König. Stiebels, der der „Schüppenkompanie” angehört, hatte sich in der Endphase ein spannendes Duell mit Thomas Messner geliefert. Der Ehemann der aktuellen Schermbecker Silberkönigin schoss große Teile des Vogels herunter, musste sich letztlich aber doch geschlagen geben. Dieses Schicksal kennt der neue Regent nur zu gut: Tasso Stiebels gab in den Vorjahren bereits zweimal den vorletzten Schuss ab.

Hausfrau und Königin

Diesmal drehte der Kraftfahrer, der am Vorabend für seine 17-jährige Offizierslaufbahn von seinen Schützenkollegen geehrt worden war, den Spieß jedoch um und wählte Sabine Schidelko (44) zu seiner Königin. Die Hausfrau und dreifache Mutter steigt mit auf den Thron. Dort sitzen darüber hinaus Tina Lange undMichael Matuczak, Nicole Heuser undLutz Schidelko sowie Uwe Kai und Zeynep Ormann.

Bernd Holtmann war aber nicht nur mit dem spannenden Königsschießen zufrieden. „Dank unseres Sonnenpräsidenten Günther Beck sind wir auch nur bei Sonnenschein umgezogen”, lachte der Kassierer der Kilian-Schützen, der als Moderator fungierte.

Die Preise holten sich Joschi Jenko (Kopf), Dominik Woeste (Krone), Christian Hötting (Zepter), Andre Anschütz (Reichsapfel), Marius Braun (linker Flügel) und Lauritz Holtmann (rechter Flügel).

Und auch der Nachwuchs war an der Vogelroute aktiv. Am treffsichersten war dabei Alexander Nuyken, der neuer Kilian-Jungschützenkönig ist. Tobias Hartmann (Zepter), Mal Heuser (Reichsapfel), Max Grothoff (linker Flügel) und Lauritz Holtmann (rechter Flügel) machten die anderen Preise unter sich aus.

Das Fest klingt heute mit dem Bataillonsnachmittag im Festzelt aus.

Junges Paar

In Altschermbeck erwies sich der große Holzvogel als sehr zäh, aber dann ging alles recht fix: Um 15.38 Uhr holte Christopher Timmermann die Reste von der Vogelstange im schattigen Eichenwäldchen bei Große-Ruiken. Der 23-jährige Kaufmann wählte Nina Große-Ruiken (20) zur Königin. Der noch amtierende König Manfred Nondorf, Präsident Andreas Hülsdünker und Pastor Klaus Honermann eröffneten das Schießen um 11 Uhr auf den von Werner Steinkamp gebauten Vogel. „Er macht das schon seit vielen Jahren”, sagte Gregor Zens, Schriftführer des Vereins, zur Routine des Vogelbauers.

Nach und nach rupften die Schützen das Tier. Bereits mit dem 27. Schuss sicherte sich Frank Köther die Krone, den Reichsapfel und das Zepter holte sich Ralf Buschmann. Der linke Flügel ging an Gregor Zens und der rechte an Tim Große-Ruiken. „Da tut sich noch gar nichts”, fachsimpelten Beobachter wenig später, die den Zustand des Vogel mit Ferngläsern ganz genau verfolgten. Fair und korrekt geleitet wurde das Schießen wie in den Vorjahren von Benno Triptrap und Klaus Niermann, beide passionierte und erfahrene Jäger.

Schwere Munition

Gegen 15 Uhr drängte sich immer mehr Schützenvolk zur Vogelstange, denn so langsam wurde es richtig spannend, zumal sich die Königsanwärter meldeten. Neben Timmermann, der mit dem 656. Schuss den entscheidenden Treffer landete, wetteiferten Markus Fasselt, Werner Schäfer und Thomas Bienbeck um die Königswürde der Altschermbecker. Letzterer läutetete die entscheidende Runde des Schießens ein, als er mit einem Volltreffer die Holzmasse an der Stange glatt halbierte.

Alle Kandidaten hatten bei den Zuschauern ihre Unterstützer, die sie lautstark bejubelten. Insgesamt verfeuerten die Altschermbecker Kilianer 446 Schuss leichte und 210 schwere Munition. Den vorletzten Treffer hatte Rainer Steinkamp. Christopher Timmermann gehörte bereits im Vorjahr zum Kreis der ernstzunehmenden Kandidaten, Königsanwärter war er aber nicht.

Auf die Zahl seiner Schützen kann der Verein stolz sein: 1154 trugen sich in die Listen ein - „sehr viele”, bewertete Zens diese Zahl. Ans Gewehr darf nur, wer in Schermbeck wohnt und sich fünf Jahre lang eingetragen hat.

Glückwunsch vom Papa

Zu den ersten Gratulanten gehörte neben dem scheidenden Königspaar und Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter auch Ehrenpräsident Hubert Timmermann, Vater des neuen und überglücklichen Königs. Im nächsten Jahr hat die Familie einen weiteren Grund zum Feiern: Mutter Christel Timmermann ist 2010 Silberkönigin.

Beim Krönungsball feierten die Kilianer ihre neuen Majestäten bis in den frühen Morgen.

Als Ehrendamen amtieren im nächsten Jahr Melanie Vennemann (24) und Sandra Rother (20) sowie als Ehrenherren Tim Große-Ruiken (23) und Sven Felisiak (21).



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