Wut im Bauch will gelernt sein

Comedian Gernot Hassknecht – bürgerlich Hans-Joachim Heist.
Comedian Gernot Hassknecht – bürgerlich Hans-Joachim Heist.
Foto: WAZ FotoPool
In zwölf Schritten zum Choleriker – Comedian Gernot Hassknecht weiß, wie es geht. Nun trat er im Weseler Bühnenhaus auf.

Wesel..  Wenn man sich auf Hans-Joachim Heist alias „Gernot Hassknecht“ einlässt, wird der Abend alles andere als besonnen. Denn Hassknecht, der in der „heute-show“ an der Seite von Oliver Welke den cholerischen und politisch alles andere als korrekten Nachrichtensprecher mimt, fällt gerne mal aus der Rolle. Das mussten die rund 350 Zuschauer im Weseler Bühnenhaus gleich zu Beginn erfahren. „Hier sitzen Frauen im Publikum, die würde Rainer Brüderle nicht mal nach dem Genuss von drei Flaschen Riesling anbaggern“, ereiferte sich der Schauspieler im Halbdunkel „vor dem Beginn“ der Aufführung. Im grellen Scheinwerferlicht zeigte er sich dann jedoch von der Anmut der Weseler Damen entzückt.

„Das Hassknecht-Prinzip – in zwölf Schritten zum Choleriker“ lautet der Titel seines ersten Bühnenprogramms. Frei nach dem Motto: Jeder Tag ohne einen cholerischen Anfall ist ein verlorener Tag versprach er den Besuchern, sie binnen kürzester Zeit vom normal aufgeregten Bürger in einen Choleriker zu verwandeln: „Zeigen Sie der Welt, dass die Welt Sie am A… lecken kann. Ich nenne das autoaggressives Training“.

Dass es genügend Gründe gibt, sich so richtig aufzuregen, machte der Grimme-Preisträger an zahlreichen Beispielen aus Wirtschaft und Politik deutlich. „Die Leute kritisieren, dass wir Waffen in Krisengebiete liefern. Ja wohin denn sonst? Etwa nach Dänemark?“ Ein guter Nährboden für den werdenden Choleriker sind laut Hassknecht Beschwerden über alles und jeden, denn Beschwerden seien der Motor des Fortschritts. „Viele Berufe wie Immobilienmakler oder Investmentbanker gibt es doch nur, weil sich niemand beschwert“, argumentiert Hassknecht, der sein Programm immer wieder mit Einspielern aus der „heute-show“ unterbricht. Grundvoraussetzung dafür, ein passabler Choleriker zu werden, ist eine Ernährung, die Magen und Darm ausreichend reizt. Wie die aussehen kann, beschreibt der Entertainer in seinem Kochbuch mit dem Titel: „Säurebetontes Essen für jeden Tag“. Oberste Prämisse ist dabei der möglichst vollständige Verzicht auf Gemüse und Salate. „Ihre Nahrung sollte früher mal ein Gesicht gehabt haben“, rät Hassknecht und präsentiert dazu auf der Leinwand zufrieden grinsende Kühe und Schweine. Selbstverständlich ist zum Erhalt eines gesunden Bluthochdrucks auch jede Art von Sport zu vermeiden.

Körperlich bestens vorbereitet empfiehlt der Seminarleiter, die heimische Komfortzone zu verlassen und sich auf die Suche nach Aufregern zu machen: „Bahnfahren hat sich dafür als probates Mittel erwiesen.“

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