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Lebensart

Wundersame Vermehrung

11.07.2010 | 19:25 Uhr
Wundersame Vermehrung
Am Freitag, 09.07.2010 gab es ein Quadrat Essen im Garten des Mehrgenerationenhauses in Wesel - Schepersfeld. 184 Menschen saßen an 46 Tischen. Jeder Tisch kochte für sich daheim. Gegessen wurde dann gemeinsam im Freien. Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPool.

Wesel.Sie kennen die Gourmettempel der Umgebung, haben sich von Griechen, Italienern und Chinesen zur Genüge verwöhnen lassen? Wie wäre es dann zur Abwechslung mit „Quadratessen“, einem Vergnügen der besonderen Art?

Für diesen Anlass pilgern die Freunde des leckeren Mahls mit wachsender Begeisterung zum Mehrgenerationenhaus am Birkenfeld in Wesel, und dies ist durchaus wörtlich zu nehmen, weiß Geschäftsführerin Anne Oberdorfer.

„Alles begann am 22. Januar mit einem gemütlichen Abendessen zu viert. Für die zweite Auflage lud jeder Teilnehmer einen Gast ein, dieser dann für die dritte Runde wieder und so weiter.“ Am vergangenen Freitag fand die letzte Runde statt. Mit dabei waren rund 250 Teilnehmer an 64 quadratischen Tischen, die der Veranstaltung den Namen geben. Die Regeln sind ebenso simpel wie genial, die Aufgabenstellung ist klar gegliedert. Ein Teilnehmer sorgt für das Hauptgericht, einer für die Nachspeise, die beiden anderen bringen Getränke und Geschirr mit. Das Ergebnis war nichts für Hartgesottene Kalorienzähler.

pasta und Schweinefleisch

Der kulinarische Horizont reichte von deutschen Spezialitäten über italienische Pastaträume, Schweinefleisch taiwanisch bis hin zu mexikanischen Tapas und ließ die Herzen der Feinschmecker höher schlagen. Für ein ausgeglichenes Niveau sorgt dabei eine Bedingung, erklärt Elisabeth Schnieders, Vorsitzende des Mehrgenerationenhauses: „Bei den Gerichten gibt es ein Kostenlimit von 4,20 Euro pro Person. Wir möchten nicht, dass die Teilnehmer sich gegenseitig überbieten.“ Ohnehin macht das gemeinsame Speisen nur einen Teil der Faszination aus. Der Reiz liegt im Unbekannten, denn die Tischnachbarn wurden per Computer willkürlich zugeteilt. „Die Menschen kommen als Fremde, essen gemeinsam und diskutieren bis in die Abendstunden über Gott und die Welt“, berichtet Anne Oberdorfer. Und dies nicht nur am eigenen Quadrat, erzählt die Weselerin Annette Pieczyk: „Man geht irgendwann von Tisch zu Tisch, kommt mit netten Menschen in Kontakt und tauscht sich aus.“ Zum Beispiel über Rezepte. Damit alle was davon haben, können sie dem Mehrgenerationenhaus geschickt werden und auf der Homepage www.mgh-skfwesel.de zum Nachkochen abgerufen werden. „Vielleicht erscheint auf diese Weise irgendwann mal ein quadratisches Kochbuch“, sagt Anne Oberdorfer. Bleibt die Frage nach einer Neuauflage der Aktion. „Vielleicht, wir sind jedenfalls sozialkreativ flexibel“, erklärt Elisabeth Schnieders.

Erwin Kohl

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