Soziales
Wunderbar und erschreckend
12.01.2010 | 17:16 Uhr 2010-01-12T17:16:00+0100Wesel. Es sind die unterschiedlichsten Gefühle, die in diesen Monaten immer wieder in Samantha Neu aufleben. Die 19-jährige Weselerin ist seit September in Cagayan de Oro auf der philippinischen Insel Mindanao und engagiert sich dort für ein Straßenkinderprojekt (die NRZ berichtete).
Doch für die Abiturientin, die im nächsten Jahr ihr Kunsttherapie-Studium beginnen möchte, ist ihre Zeit auf den Philippinen nicht „nur” ein soziales Jahr, bei dem sie viel Leid, aber auch Freude erfährt. Es ist gleichzeitig eine Reise in ihre ganz persönliche Vergangenheit, denn Samantha Neu ist mit ihren Eltern Marie-Paule und Dr. Rainer Neu sowie der älteren Schwester Malaika auf den Philippinen aufgewachsen.
„Ich bin wieder zu Hause”. Das habe sie direkt gemerkt, als sie vor einigen Monaten in Manila gelandet ist, schreibt Samantha in einem Brief. Vor allem der typische Geruch – „ähnlich wie Pfefferminze und doch anders” – habe sie an ihre Kindheit erinnert. Samanthas Eltern arbeiteten als Entwicklungshelfer auf den Philippinen, als die junge Frau geboren wurde. Seit 1996 lebt Samantha in Wesel, damals kehrte die Familie wieder nach Deutschland zurück.
Für neun Monate wohnt Samantha nun wieder auf den Philippinen. „Und mein Leben hier ist fantastisch”, schreibt sie. Sie habe viele wunderbare Menschen kennengelernt und erfreue sich an zahlreichen kleinen Dinge, die den Alltag ausmachen. Das was Samantha aber am meisten Freude macht, sind die Straßenkinder, mit denen die 19-Jährige zusammenarbeitet. Sie seien so arm, aber trotzdem so unglaublich fröhlich und herzlich. „Aus ihnen schöpfe ich immer viel Kraft, die ich auch brauche”, schreibt Samantha. „Denn trotz meiner schönen Erfahrungen kann das Leben hier auch enttäuschend und erschreckend sein.”
Samantha arbeitet in einem Tagescenter, in dem Mädchen und Jungen nach der Schule oder an den Wochenenden betreut werden. Der Weselerin macht es viel Spaß, den Kindern Freude zu bereiten. Sie arbeitet vor allem kreativ mit ihnen, gemeinsames Malen oder das Einstudieren eines Tanzes standen schon auf dem Programm. Es gebe jedoch auch Momente, in denen ihr die ärmlichen Verhältnisse, in denen die Kleinen aufwachsen, sehr zu denken geben, schreibt die 19-Jährige. Es berührt sie vor allem, dass sie nicht viel für die Familien der Kinder tun kann oder die Mädchen und Jungen, die keinen Rückhalt von ihren Eltern bekommen, nicht intensiver begleiten kann.
Über die Feiertage hat sich Samantha gemeinsam mit anderen Deutschen, die ebenfalls ein freiwilliges soziales Jahr ableisten, einen Urlaub am Strand gegönnt. Nun geht die 19-Jährige wieder an ihre Arbeit, bevor sie Ende April zurück nach Wesel kommt.
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