Das aktuelle Wetter Wesel 14°C
Verkehr

Wesels Brückenbauer dürfen am Montag feiern

29.11.2009 | 09:23 Uhr

Wesel. Am Montag wird die neue Weseler Rheinbrücke für den Verkehr freigegeben - mit hochrangigen Gäste von Rüttgers bis Ramsauer. Die Menschen, die hinter dem Bauprojekt stecken, gehen nach der Feier direkt wieder an die Arbeit. Für sie bleibt noch viel zu tun.

Großer Bahnhof für die neue Rheinbrücke: Zahlreiche Gäste werden Montag zum Festakt erwartet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sind dabei, wenn das neue Weseler Wahrzeichen für den Verkehr freigegeben wird. Der Zeitplan der Politiker ist straff, eine Fahrt mit dem Bus über das Bauwerk, Reden im Wasser- und Schifffahrtsamt. Danach düsen die Politiker weiter zum nächsten Termin.

Eine kleine Gruppe macht sich danach zu Fuß auf den Weg, nimmt wieder Platz an den Schreibtischen: Das Team um Projektleiter Hans Löckmann hat auch nach der Freigabe noch viel zu tun. Seit Mai 2006 haben die Mitarbeiter ihre Büros in Containern. Von hier aus lief die Betreuung des Brückenbaus, und die Diplom-Ingenieure und Techniker werden von hier aus auch an den beiden Umgehungs-straßen arbeiten. Letzteres gilt für einige Jahre.

Das Team vom Landesbetrieb Straßenbau. Foto : Markus Weißenfels

Von Anfang an dabei sind Hans Löckmann (63) und Christian Spilka (51). Ende 1998 haben sie bereits mit den Planungen angefangen, ein Jahr später war die Linienführung der Brücke rechtlich in trockenen Tüchern. Die Genehmigung wurde allerdings erst 2005 erteilt. Die Ausschreibung erfolgte im März 2005. Das Verfahren lief glatt, so dass im September 2005 der Auftrag vergeben werden konnte.

An den Einzug in die Container auf der Baustelle im Mai 2006 kann sich Löckmann gut erinnern: „Da bin ich 60 Jahre alt geworden”, sagt er. Seitdem ist die Gruppe vor Ort. Eine kritische Situation musste gemeistert werden. Die Insolvenz der Firma Donges, die für den Stahlbau verantwortlich war. Das sei noch gut gelaufen, meint Löckmann. Recht schnell war ein Käufer für die Darmstädter Firma gefunden und es gab keine längere Verzögerung auf der Baustelle.

Christian Spilka ist ein bisschen stolz, dass er an der neuen Rheinbrücke mitarbeiten konnte. Für Wesel bringt sie eine bessere Verkehrssituation. Häufig teilte er sein Leid mit vielen anderen Autofahrern und stand auf der alten Brücke im Stau. Spilka ist Diplom-Ingenieur und hat die Ausführungsplanung berechnet und gezeichnet. Ein wichtiger Bereich auf einer solch großen Baustelle ist die Bauüberwachung.

Sprengung ist nicht möglich

Hierfür war Franz-Josef Scheuer (55) mit verantwortlich. Aber auch für die Koordination von begleitenden Maßnahmen. Im Vorfeld der Freigabe waren noch einige Umleitungen einzuführen, die Absprachen mit anderen Behörden hat er getätigt. „Es gibt viele Dinge zu beachten”, sagt er. Bauabläufe müssen koordiniert werden, und auch der Abbruch der alten Rheinbrücke muss vorbereitet werden. Viele Rheinbrücken seien schon abgerissen worden, aber sie hat man einfach in den Fluss fallen lassen, blickt Scheuer auf die Sprengung von Brücken am Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. Ein solches Vorgehen ist bei der Weseler Brücke nicht möglich.

Das Besondere an der Weseler Baustelle sei es, dass fast drei Generationen zusammengearbeitet haben. „Es ist selten, dass man jungen Kollegen seine Erfahrungen weitergeben kann. Das finde ich sehr schön. Und das werde ich immer mit der Brücke verbinden”, so Scheuer.

Davon hat Berthold Dünk (31) profitiert. Der Bautechiker berichtet, dass er „super angelernt” worden sei. Es sei sehr interessant gewesen, die Brücke wachsen zu sehen. Auch er ist in der Bauüberwachung eingesetzt worden, hat überprüft, ob die vereinbarte Qualität von den Baufirmen geliefert wurde. „Wir haben geschaut, dass so gebaut wird, wie wir es vertraglich festgelegt haben”, umschreibt er seine Tätigkeit in den vergangenen Jahren.

Mit Frank Meier ist ein gebürtiger Weseler an dem Jahrhundertbauwerk beteiligt, für ihn persönlich also etwas ganz Besonderes. Als er 2005 zur Projektgruppe kam, hatte er die Zeichnungen auf seinem Brett. Dann erlebte er Schritt für Schritt, wie die Pläne umgesetzt wurden. Wie seine Kollegen war er auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Die Baustelle zieht immer noch Zaungäste an. Einige von ihnen wollten näher ran, und so hat das Team Rheinbrücke knapp 16 000 Besucher auf der Baustelle begrüßt.

Büros bleiben bis 2012

Bauüberwachung und Vertragsmanagement umschreibt Helmut Reinsch (43) seine Aufgaben auf der Baustelle. Wenn etwas, das sich die Ingenieure auf dem Reißbrett überlegt haben, nicht funktioniert, muss überlegt werden, wie das Problem gelöst wird. Intensiv wurden auch Betonlieferungen kontrolliert. „Eine Betonlieferung sollte zwischen 14 und 18 Uhr abgewickelt werden, morgens um drei Uhr kam der letzte Wagen”, berichtet Reinsch. Die Lieferanten seien überrascht gewesen, wie akribisch kontrolliert wurde. Für ihn ist der Bau der neuen Rheinbrücke eine wunderbare Sache gewesen, ein spannendes Projekt. Und es sei schön, dass sich die Leute für die Baustelle interessieren.

Bis Ende 2012 läuft der Mietvertrag für die Büros, sagt Löckmann. Er wird allerdings schon ein Jahr zuvor seinen Arbeitsplatz räumen: 2011 geht der Projektleiter in Rente.

Michael Turek

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2174513/create

Aktuelle Fotos und Videos
Eselrock
Bildgalerie
Festival
KuBa Festival
Bildgalerie
Kulturbahnhof
Drachenbootregatta
Bildgalerie
Drachebootrennen
Frühlingstreff
Bildgalerie
Dingden
Aus dem Ressort
Wölli und die Band des Jahres
Konzert
Der ehemalige Hosen-Schlagzeuger ist der Headliner des 10. Rock & Bike Festivals in Hünxe.
Pfingstrosen zum Fest
Im Grünen Bereich
Familie Strutmann aus Büderich baut sie an. Beliebt ist vor allem die alte Sorte Sarah Bernhardt.
Foto