Weseler sorgen für Abkühlung

Kaum wie ein Turm, eher wie eine Box mit kleinen Türmchen sehen die Anlagen der M-CTI aus, wie Peter Mumme hier anhand einer Darstellung zeigt.
Kaum wie ein Turm, eher wie eine Box mit kleinen Türmchen sehen die Anlagen der M-CTI aus, wie Peter Mumme hier anhand einer Darstellung zeigt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Peter und Dirk Mummes Unternehmen M-CTI plant und errichtet Kühltürme. Die sehen nicht unbedingt so aus wie die, die man kennt.

Wesel..  Ein Eierbecher, aus dem weißer Dampf steigt. So ähnlich sehen sie aus, die Kühltürme mit ihrer markanten Doppeltrichter-Form. Peter und Dirk Mumme und ihre rund 50 Mitarbeiter an der Rudolf-Diesel-Straße planen und bauen mit der M-CTI, der Mumme-Coo­ling Tower International, Kühltürme in vielen europäischen Ländern.

Der Anti-Atomkraft-Bewegung galt der Kühlturm neben der Reaktor-Kuppel als Symbol für die Kerntechnologie. Technische Anlagen zum Kühlen werden indes in vielen verschiedenen Produktionssparten gebraucht, und so ist Peter Mumme froh, dass es angesichts des rückläufigen Kraftwerksbaus andere Märkte gibt, auf denen die M-CTI aktiv sein kann.

Angefangen hat das vor 25 Jahren. Damals hat die Zeitarbeitsfirma Mumme Kühlturm-Erbauern europaweit Personal vermittelt. Verbunden mit Einblicken in die Materie. „Was die können, können wir auch“, haben der 53-jährige Kaufmann und sein drei Jahre jüngerer Bruder, gelernter Gas- und Wasser-Techniker, gemeint. Sie haben Ingenieure und Zeichner eingestellt und weitere Mitarbeiter für die praktischen Arbeiten vor Ort. So entstand das zweite unternehmerische Standbein der Mummes.

Eher ein Kasten als ein Turm

Es gibt, auch bei der Firma Mumme, verschiedene Arten von Kühltürmen - bis hin zu Sonderlösungen. Bei den angebotenen Serienmodellen bestätigt sich das klassische Kühlturm-Bild mit der doppelten Trapez-Form, das man meist vor Augen hat, nicht. Statt eines in die Höhe ragenden Turms sieht man einen Kasten, auf dem von dem bekannten Dampf speienden Hohlzylinder nur die obere Hälfte als großer „Kaminkragen“ übrig geblieben ist. Der Ventilator daneben dient dazu, Kaltluft aufsteigen zu lassen, durch die Wasser gekühlt wird - häufig von 50 oder 60 auf 25, 30 oder 40 Grad. „Das ist die einzige Energie, die wir brauchen“, sagt Peter Mumme über den Ventilator auf dem Dach des Bauwerkes in 20 Metern Höhe.

Düsen, so genannte Sprayer, verteilen das Wasser über die Kühleinbau-Pakete, durch die es wie durch Waben langsam nach unten rinnt, wo es in einem Becken aufgefangen und in den Kühlkreislauf gepumpt wird - immer wieder neu. Nur ein Teil des Wassers wird zu Wasserdampf.

30 000 Kubikmeter pro Stunde

Zehn bis 15 Meter breit ist ein Kühlturm-Modul, das je nach Leistung vervielfacht werden kann. Zwölf davon werden bei BASF in Ludwigshafen aneinandergereiht, um 30 000 Kubikmeter Wasser pro Stunde zu kühlen. Die M-CTI beliefert neben der Chemie-Industrie Stahlwerke, die Kunststoff-Branche oder auch Raffinerien. Planung und Vormontage-Arbeiten erfolgen in Wesel, ansonsten sind Mumme-Mitarbeiter auf Baustellen im Einsatz, wo sie mit Stahl oder Glasfaser zu tun haben. Bauteile kommen aus aller Welt, unter anderem aus China. Fertige Anlagen warten die Weseler.

In Duisburg, Krefeld, Köln stehen Mumme-Kühltürme, in den Benelux-Ländern und in Frankreich, aber auch in Skandinavien, wo schon mal das klimatische Problem extremer Minusgrade zu lösen ist. In Osteuropa sei man nicht bereit, den Preis für die angebotene hohe Qualität zu zahlen, sagt Peter Mumme. Und zu Russland: „Dieses Abenteuer müssen wir nicht haben.“