Weseler Gesamtschüler gestalten Holocaust-Gedenken im Dom

Der Willibrordi-Dom wird für die Gedenkfeiern immer besonders stilvoll geschmückt.
Der Willibrordi-Dom wird für die Gedenkfeiern immer besonders stilvoll geschmückt.
Foto: WAZ FotoPool

Wesel.. Es ist nur ein Zaun, der zwei neunjährige Jungen voneinander trennt, und doch leben die beiden in völlig verschiedenen Welten. Auf der einen Seite des Zauns sitzt Schmuel, ein jüdischer Junge, der ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde.

Auf der anderen Seite Bruno, der deutsche Sohn des Lagerleiters, der keine Ahnung hat, was jenseits des Zauns vor sich geht. Es ist dieses Bild aus dem Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“, das am Montag, 27. Januar, um 13 Uhr bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Willibrordi-Dom im Mittelpunkt steht. Zum dritten Mal übernehmen Kinder und Jugendliche der Gesamtschule Am Lauerhaas die Gestaltung des Programms.

„Du bist auf der falschen Seite des Zauns“, sagt Bruno im Roman zu Bruno. Und genau dort setzten Achtklässler der Gesamtschule an. Sie spielen nicht nur die Szene am Zaun nach, sondern spinnen auch den Gedanken weiter. Welche Seite ist die richtige eines Zauns und welche die falsche? Und wer legt das fest?

Zitate zusammengetragen

Oberstufenschüler befassten sich auf andere, aber nicht weniger bewegende Art mit dem Schicksal der Menschen in Auschwitz. „Wir wollten nicht nur Fakten wiedergeben, die die meisten längst kennen“, erklärt Alexander Metner. „Wir wollten untersuchen, wie die Menschen im Lager sich gefühlt haben.“ Die künftigen Abiturienten recherchierten dafür in zahlreichen Büchern und anderen Quellen und trugen Zitate zusammen, die es in der Gedenkfeier ebenfalls zu hören geben wird. Musikalisch wird die rund einstündige Gedenkveranstaltung ebenfalls von Gesamtschülern gestaltet, die Moderation übernimmt Pfarrerin Eva Holthuis. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp spricht ein Grußwort. Zum Abschluss wird am Mahnmal vor dem Dom ein Kranz niedergelegt.

Seit 2007 gibt es in Wesel jedes Jahr zum 27. Januar eine Gedenkfeier, zu der die Stadt gemeinsam mit dem Jüdisch-Christlichen Freundeskreis einlädt. Zum fünften Mal gestalten Schüler das Programm. „Es ist sehr wichtig, dass sich junge Menschen auf ihre Art mit dem Thema auseinandersetzen“, findet Wolfgang Jung vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis. Es gebe immer weniger Zeitzeugen, die „Verpflichtung zur Erinnerung“ werde somit an die jüngeren Generationen weitergegeben.

Durch die Gestaltung der Feier beschäftigen sich die Jugendlichen im Unterricht intensiv mit dem Holocaust. Die Ergebnisse der Schülerarbeiten seien toll, lobt Ulrike Westkamp. „Die Feiern sind immer wieder sehr bewegend.“

161 Bürger jüdischen Glaubens gab es im Jahr 1933 in Wesel. Nur zehn Jahre später war es kein einziger mehr

Viele jüdische Weseler erkannten die Situation frühzeitig und flohen, darunter auch Ernest Kolman, der nach England ging, die Hansestadt aber nach wie vor regelmäßig besucht.

Bei seinem jüngsten Besuch in Wesel im November sagte Kolmann: „Der Preis der Freiheit ist die ewige Aufmerksamkeit“. Diesen Ausspruch haben die Gesamtschüler zu ihrem Leitsatz bei der Gestaltung der Gedenkfeier gemacht.

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