Weseler genossen den Lichter-Abend

Markenzeichen gezwirbelter Bart: Horst Lichter beeindruckte sein Weseler Publikum durch seine Vielseitigkeit.
Markenzeichen gezwirbelter Bart: Horst Lichter beeindruckte sein Weseler Publikum durch seine Vielseitigkeit.
Foto: Markus Joosten
Was wir bereits wissen
Fernsehkoch und Entertainer: Horst Lichter zeigte, dass er ein glänzender Unterhalter ist, der Persönliches mit Aktion zu verbinden weiß.

Wesel..  Ein voller Saal, ein gut gelaunter Fernsehkoch und eine einsatzfähige Bühnenküche - nach diesem Rezept funktioniert Comedy bei Horst Lichter, der am Freitagabend mit seinem aktuellen Programm „Herzenssache“ in der Niederrheinhalle gastierte. Neben meist lustigen und manchmal auch traurigen Geschichten aus seinem Leben begeisterte der Kölner mit dem markanten Moustache das Weseler Publikum mit einem Menü aus seinem ehemaligen Restaurant „Oldiethek“.

„Herzenssache“, das wurde schnell klar, ist für Horst Lichter vor allem dieser Betrieb gewesen, den er viele Jahre führte. Zwar durften auch lustige Anekdoten aus Kindertagen nicht fehlen, doch den größten Teil des Programms widmete er seinem Werdegang als Koch. Dabei überraschte er vor allem mit großer Offenheit und intimen Einblicken in sein Leben, von dem er nicht nur die guten, sondern auch die traurigen Tage offenbarte, wie die Beerdigung seiner Mutter, den Tod seines ersten Kindes oder seine zwei Schlaganfälle mit Mitte 20.

Rund um die Oldiethek

Zumeist war es jedoch eine viel Spaß bereitende Reise durch die Zeit, mit vielen lustigen Geschichten über die Entstehung der „Oldie­thek“. Als Missverständnis hatte dieses Kapitel in seinem Leben angefangen, und es wurde zur Erfolgsgeschichte. Besonders amüsant darin waren die immer wiederkehrenden Personen, wie der besorgte Freund, der Bänker, oder der Stammgast „Kamel“.

Ebenfalls für viele Lacher sorgten Lichters Erfahrungen mit den Behörden, angefangen bei der Konzession, die er nicht bekam, so dass er stattdessen pro forma einen Antiquitätenhandel eröffnete, später gar einen Verein gründete, um sein Essen servieren zu dürfen.

Gewürzt wurde die Erzählung mit Videobeiträgen, etwa einem früheren Fernsehbeitrag über die „Oldiethek“ oder seinem ersten Auftritt als Fernsehkoch.

Koch aus dem Publikum

Höhepunkt des Abends war jedoch, als Kabarett und Küche quasi miteinander verschmolzen. Für acht freiwillige Testesser aus dem Publikum kochte Horst Lichter Vorspeise und Hauptgang und gab nebenbei, ganz wie in der Koch-Show, die Rezepte preis. Dank Kameramann Michael wurden die Geschehnisse am Herd auf die Videoleinwand übertragen, so dass auch die hinteren Reihen sehen konnten, was sich in den Töpfen abspielte.

Nichts für Figurbewusste, stellte sich bald heraus: Für die Tomatensuppe erst mal Speck anbraten, dann zwei Drittel Sahne, ein Drittel Tomate und einen ziemlich großen Schluck Sherry.

Das Dessert vom Meister

Nicht nur, dass die acht Freiwilligen gleich auf der Bühne schmausen durften: Kandidat Norbert durfte sogar selbst an den Herd und zu Lichters Anweisungen den Hauptgang zubereiten: Filetsteaks mit Sahnegemüse und „Lichters Echten“. Auch das sorgte wieder für große Heiterkeit im Publikum, da Norbert unter einem Spritzer Sahne eben nicht das ganze Paket verstand und unter einer Messerspitze Butter auch nicht den halben Block. Das gleichzeitige Schwenken, Anbraten und Wenden mit zwei Töpfen und einer Pfanne auf dem Herd, meisterte Hilfskoch Norbert bravourös.

Am Ende schwang sich der Fernsehkoch dann noch einmal selbst hinter den Herd und zauberte das typische „Oldiethek“-Dessert: die Orient-Platte. „Da ist nix drin vom Orient, aber ich bin sicher, damit kriegste ihn satt“, kommentierte er für alle Hausfrauen. Den Traum aus frischen Früchten in Karamell mit Pfannkuchen auf einer Platte in Wagenrad-Größe durfte das Publikum nach der Show probieren.