Weseler Eltern wehren sich gegen Schulschließung

Rund 70 Eltern kamen zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Stadtelternrates.
Rund 70 Eltern kamen zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Stadtelternrates.
Foto: Foto: Johann Ridder / FUNKE Foto
Die Diskussion um Martini- und Realschule nimmt kein Ende: Der Stadtelternrat pocht auf einen Aufschub und eine Elternbefragung. SPD,Grüne,Linke und WWW-Piraten sehen dafür jedoch keine Chance.

Wesel..  Für die einen steht fest: Die Schullandschaft erfährt einen Wechsel – die Hauptschule Martini und die Realschule Mitte schließen, die Gesamtschule Am Lauerhaas erhält einen Dependance-Standort in der Stadtmitte. Im Schul- und Sportausschuss wurde dies mit einer knappen Mehrheit beschlossen. Doch der Stadtelternrat fühlt sich hintergangen und will sich bei der Ratssitzung am 23. Juni gegen den Beschlussvorschlag wehren.

„Wir sind zutiefst fassungslos“, beschreibt Ulrike Freund, Vorsitzende des Stadtelternrates, die Stimmung bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, an der gut 70 Eltern teilnahmen. Fassungslos einerseits, dass ein Beschluss gefasst wurde, ohne ein entsprechendes Raumkonzept. „Da wird der zweite Schritt vor dem ersten unternommen“ – andererseits verärgert darüber, dass ohne eine Befragung der Eltern über die Zukunft ihrer Kinder entschieden wurde.

Unterstützung von CDU und FDP

Für die kommende Ratssitzung fordert der Stadtelternrat deshalb nun Rederecht ein. Bestenfalls will er einen Aufschub des endgültigen Beschlusses erwirken, damit Eltern umfassend informiert werden können. Eine Elternbefragung solle folgen. „Wir bleiben am Ball und geben nicht auf.“

Unterstützung erhalten sie von CDU und FDP. Es sei richtig, sich aktiv einzumischen, sagt etwa FDP-Spitzenkandidat Bernd Reuther. „So geht man nicht mit Bürgern um“, meint auch Jürgen Linz. Der CDU-Fraktionschef kritisiert vor allem, dass Eltern nicht befragt wurden, obwohl Grüne, Linke und WWW-Piraten noch vor wenigen Monaten auf eine Befragung gepocht hätten. „Sie haben dann gemerkt, dass die politische Mehrheit auf ihrer Seite und eine Elternbefragung damit unnötig geworden ist“, so sein Vorwurf.

Entscheidung ist gefallen

Grünen-Fraktionssprecher Ulrich Gorris hält dagegen. Eine Befragung würden nun diejenigen fordern, die in der Vergangenheit strikt dagegen waren. „Sie wollen entweder, dass ihr Vorschlag umgesetzt oder der Status Quo beibehalten wird. Aber für eine Minderheit kann man keine Hauptschule halten.“

Dass der Beschluss am 23. Juni aufgeschoben werden könnte, glauben auch SPD, Linke und WWW-Piraten nicht. „Die Entscheidung ist gefallen“, sagt etwa Hilmar Schulz (WWW-Piraten). „Wir werden uns die Meinung der Eltern anhören, aber argumentativ hat sich da noch nicht viel ergeben.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest will ebenfalls einen Schlussstrich unter die Diskussion ziehen: „Wir haben zwei Jahre diskutiert, die Entscheidung bedarf keinen Aufschub mehr.“ Nach intensiven Untersuchungen habe man den besten Weg ermittelt: einen Kompromiss. Und solche müsse man Norbert Segerath (Linke) zufolge eben manchmal machen.

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