Weseler Arzt als Helfer in Nepal

Von den Häusern ist nur Schutt übrig geblieben.
Von den Häusern ist nur Schutt übrig geblieben.
Foto: Malteser
Was wir bereits wissen
Dr. Frank Marx war für Malteser International im Erdbebengebiet. Die Lage der Menschen ist verzweifelt. Sie haben kein Dach über dem Kopf, und der Monsun rückt näher

Wesel..  Zeit zum Ausruhen hat er nicht: Der Weseler Arzt Dr. Frank Marx, Leiter des Duisburger Rettungsdienstes, ist frisch aus Nepal zurück. Und er hat Nachrichten von den Kollegen vor Ort. Die gesamte Mannschaft von Malteser International hat das zweite Beben gesund überstanden. „Jetzt plant man, die Hilfsmannschaft weiter in die entlegenen Berggebiete zu entsenden“, erläutert Marx. Als einer der ersten deutschen Helfer war er am 25. April nach Nepal gereist, um für Malteser International die Lage zu erkunden, später eintreffende Helfer einzuweisen, erste Kontakte zu knüpfen und mit den Hilfsmaßnahmen zu beginnen.

Furchtbare Erlebnisse

„Neben den Erkundungsaufgaben in den ländlichen Gebieten kümmerte ich mich um viele Reisende aus allen möglichen Ländern, die aus den Bergregionen nach Kathmandu zurückkehrten und nirgendwo unterkommen konnten“, berichtet Marx. Psychisch und körperlich betroffene Menschen, die er zusammen mit THW-Kräften auf dem Botschaftsgelände unterbrachte. „Ich habe viele Gespräche geführt und von schrecklichen Erlebnissen gehört. Menschen haben nach dem Erdbeben ihre Freunde und Weggefährten durch Lawinen verloren. Andere mussten tagelang in der Kälte im Freien ausharren, bevor es gelang, sie mit Hubschraubern zu befreien.“

Marx versorgte als Arzt auch Patienten, die zum Flughafen nach Kathmandu kamen. Einige Reisende hatten Verletzungen, bei anderen saß der Schock des Erlebten tief, so dass es durch Gespräche zu einer ersten Entlastung der Seele kam. „Ich bin fest davon überzeugt, dass einige der Menschen, die ich in Nepal betreute, zuhause eine fachliche Behandlung benötigen.“ Die Erlebnisse haben sie krank gemacht.

Neben der Arbeit in der Botschaft und am Flughafen sei es darum gegangen, die Hilfe der Malteser schnell und effektiv zu organisieren. Das Krankenhaus in der Stadt Dhulikel, etwa 60 Kilometer von Kathmandu entfernt, erwies sich mit seinen acht Außenstationen im ländlichen Bereich als besonders geeignet. Allerdings sind auch Wochen nach dem Erdbeben nicht alle ländlichen Regionen zugänglich, erläutert Marx. Medikamente, Verbandstoffe, Zelte und Planen müssen mit Geländewagen oder per Hubschrauber transportiert werden. Und es gibt zu wenig Hubschrauber, um Verletzte und im Hochgebirge Eingeschlossene zu retten.

Wasser besonders wichtig

Viele Häuser in den ländlichen Regionen sind zerstört. Es wird Jahre dauern, bis sie wieder errichtet sind. Während die Malteser sich in den kommenden Wochen der Gesundheitssicherstellung widmen und nun wie viele andere Organisationen auch tonnenweise Hilfsgüter bereitstellen, kümmert sich das Technische Hilfswerk in Kathmandu um die Bereitstellung sauberen Wassers. „Sauberes Wasser ist mit das Wichtigste, was Menschen in dieser Notsituation brauchen, um Infektionserkrankungen mit ihren Folgeproblemen zu vermeiden“, urteilt Marx, der bereits mehrfach für die Malteser in Krisengebieten tätig war.

Dr. Marx merkt nachdenklich an, dass es auch beim jüngsten schweren Nachbeben schwierig sein wird, die Aufmerksamkeit der deutschen Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Die Zeit drängt: In wenigen Wochen beginnt in Nepal die Zeit des Monsuns. Bis dahin müsse es den Hilfsorganisationen gelingen, ausreichend Zelte, Planen und Küchengerät bereitzustellen.

Die Malteser wollen sich auch in Zukunft für die Menschen in Nepal engagieren. Marx wirbt darum, zu spenden. „Schon mit wenig Geld können Spender helfen, dass Familien ein provisorisches Dach über dem Kopf haben und für die nächste Saison Reissamen aussäen können.“ Diese Arbeit sei zwar weniger spektakulär. Aber für die Menschen in Nepal sei eine kontinuierliche Hilfe existenziell wichtig.

Jetzt hat der Alltag Frank Marx als Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes in Duisburg wieder. Hier sind in den zwei Nepal-Wochen viele Aufgaben liegengeblieben.

War es ein nützlicher Einsatz für ihn? „Auf jeden Fall“, stellt Dr. Marx fest. „Ich kann als einzelner Mensch natürlich nicht die Welt retten, das wäre vermessen. Aber durch meinen Einsatz konnte ich ganz praktisch für viele Menschen da sein und mithelfen, die künftige Hilfe zu strukturieren. Und ich habe erfahren, wie toll die vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer aller Organisationen arbeiten, die vor Ort waren und immer noch sind. Das erhält mir den Glauben an die Menschheit.“ Marx lebt das Motto der Malteser: „... weil Nähe zählt“.