Wertvoller Lebensraum See

Thema Kiesabbau. Kies wird immer gebraucht werden. Deshalb werden Kiesgruben entstehen. Eine Wiederauffüllung ist nicht immer möglich. Nach Gebrauch und Recycling ist nicht alles rückholbar.

Kiesgruben sind Feuchtgebiete. Feuchtgebiete sind die pflanzen- und tierartenreichsten Lebensräume überhaupt, vor allem derjenigen hochgefährdeten Arten. Sind Kiesgruben artenschutzgerecht renaturiert, gehören sie zu solchen Lebensräumen. Die Gewässer stellen keine Landschaftszerstörungen dar, sondern die Schaffung wertvollster Biotope anstelle bäuerlicher Landschaften, die aufgrund moderner Produktionsmethoden rasant an Artenvielfalt verlieren. Aus Sicht des Artenschutzes sind damit die Fragen von Sinn und Unsinn von Kiesgruben beantwortet.

Es stellt sich sodann die Frage, ob renaturierte Kiesgruben hässlicher sind als industrialisierte bäuerliche Landschaft. Die Frage lässt sich objektiv nicht beantworten. Sie unterliegt dem Geschmack jedes einzelnen, die Beantwortung sollten wir künftigen Generationen überlassen. Für diese „lächelt der See er ladet zum Bade“, wie schon Goethe empfand. Für uns gilt jedoch, dass wir bereits an Beispielen sehen können, wie sich Landschaft mit Kiesseen von Landschaft unterscheidet, die mit industriellen Mitteln landwirtschaftlich gestaltet wird. Es gibt kaum einen, der artenschutzgerecht renaturierte Seen hässlich findet. Die Flächen, die moderner landwirtschaftlicher Produktion unterliegen, sind aber in der Regel von einer Unansehnlichkeit, die kaum mehr diskutiert wird.

Trotzdem: Es bleiben die Interessen der Landwirtschaft, die ernst zu nehmen sind. Die Interessen der Landwirte, unter deren Flächen Kies liegt, werden jedoch nicht berührt. Wenn sie verkaufen, erhalten sie den Marktpreis. Der Landwirtschaft insgesamt schadet der Verlust dieser Flächen in einer so minimalen Größenordnung, dass sie vernachlässigbar ist.

Was bei der Kiesgewinnung stört, ist die Entstehung der Kiesgrube. Sie dauert meist mehrere Jahrzehnte und stellt in dieser Zeit eine Industrieanlage der Natur dar. Die Menschen sehen jedoch diese vorübergehende Notwendigkeit und diskutieren sie nicht mehr.

Es bleibt das Ärgernis vieler Zeitgenossen, dass eine Landschaft gegen eine andere ausgetauscht wird. Es entsteht ein Schmerz des Verlustes. Im Alltagsleben wird dieser Schmerz über die Freude am Neugekauften gemildert, oft mehr als ausgeglichen. Beim Kiesabbau geht das nicht so prompt. Da bleibt nur der Wille, mit Blick auf zukünftige Generationen den Schmerz herunterzuschlucken. Es macht ja auch Freude, den Kindern etwas zu schenken. Wer hätte das Recht, ihnen die Freude Goethes am lächelnden See zu nehmen?