Wenn’s mit dem Espresso kalter Kaffee ist

Der Kaffeemaschinenmeister und seine Frau: Heinz und Lydia van Holt reparieren Kaffeemaschinen
Der Kaffeemaschinenmeister und seine Frau: Heinz und Lydia van Holt reparieren Kaffeemaschinen
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Heinz und Lydia van Holt reparieren die Automaten, die immer weiter verbreitet sind, manchmal aber keinen Tropfen mehr von sich geben.

Wesel..  Manche haben schon bald den Kaffee auf. Da haben sie vor nicht langer Zeit ziemlich viel Geld ausgegeben, um sich auch mal so eine schicke Maschine zu leisten, aus der je nach Wunsch auch Espresso oder Cappuccino kommt, und schon röchelt sie und will nicht mehr. Ein Fall für Heinz van Holt. Der 58-jährige Weseler hat sich darauf spezialisiert, in solchen Fällen weiter für frischen Kaffee zu sorgen.

Er und seine Frau Lydia sind Kaffeetrinker - leidenschaftliche, wie sie sagen. Vor Jahren waren sie selbst betroffen. Als ihr Kaffeevollautomat nicht mehr wollte und sie ihn über einen Händler zur Reparatur schickten, waren sie zwangsweise drei Monate auf Kaffee-Entzug. Heinz van Holt, gelernter Fernsehtechniker, sah eine Marktlücke und legte selbst Hand an: Er zerlegte Kaffeemaschinen, studierte ihre Konstruktion und Funktionsweise - Schwachstellen für Abnutzung oder Verstopfung inklusive. Vor etwa sechs Jahren wurde er zum „Kaffeemaschinenmeister“ an der Schermbecker Landstraße.

Kalk, Öle und falsche Handhabung

Irgendwann, als alle fast alles hatten, kam er auf den Kaffee-Automaten-Boom. Von 300 oder 400 Euro bis unendlich reicht die Preisspanne der ziemlich gewaltigen Maschinen, die eine neue Kaffee-Ära mit italienischem Flair verhießen. Für manche wurde schon die Handhabung zum Problem. Nicht nur darunter, sondern auf Dauer unter dem Kalk im Wasser und den Ölen im Kaffee litten und leiden die Apparate. Oder aber die Verbindungen zwischen ihren Schläuchen und Röhrchen mit nur anderthalb Millimeter Innendurchmesser werden porös, wenn eine Pumpe heißes Wasser mit 15 Bar durch das zusammengepresste Kaffeepulver drückt.

„Die meisten kommen, wenn nichts mehr geht“, sagt Lydia van Holt, die dann mit ihrem Mann reinigt (teils auch mit Ultraschall) und repariert. Die über 50 Maschinen um sie herum, meist so um die 800 bis 1000 Euro teuer, müssen durchschnittlich ein oder zwei Wochen in der Werkstatt bleiben, bevor sie als geheilt entlassen werden. Im Schnitt koste das vielleicht um die 160 Euro. Die Kunden kommen aus Wesel und Umgebung, bis hin nach Rheinberg, Duisburg oder Borken. Hin und wieder lassen Gastronomen ihre Siebträger-Maschine vor Ort reparieren.

Für die Kaffee-Automaten gelte nicht je teurer desto besser, aber es gebe schon qualitative Unterschiede, sagen die van Holts. Man solle sich das zulegen, was man benötige, keinen nicht verwendeten „Schnickschnack“, so Heinz van Holt. Und eine gewisse Pflege und die Auswahl eines geeigneten Entkalkers seien auch nicht verkehrt. Besonders schwer haben es die Kaffee spendenden Maschinen in Büros, wo sie von vielen intensiv genutzt werden, sich aber ansonsten keiner zuständig fühlt. Aber dafür gibt es ihn halt - den „Kaffeemaschinenmeister“.

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