„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

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Hamminkeln..  Es sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt in ihrem Leben, Karnevalsprinzessin von Brünen zu sein, sagt Ruth Belting und ergänzt: „Wenn nicht jetzt, wann dann? Jetzt ist meine Zeit!“ Sie genießt bereits seit November jeden einzelnen Termin, bei dem sie als Ruth I. im Mittelpunkt steht und das Sagen über die Narrenschar des Ortes hat. „Hat dein Seelenleben einen Knautsch, brauchst du keine Behandlung auf der Couch“, verkündete die 51-Jährige bei ihrer Proklamation, als sie im November erstmal feierlich mit Zepter, Krone und Umhang auftrat. Es sei ein „Highlight“ gewesen, sich ins Goldene Buch der Stadt Hamminkeln eintragen zu dürfen, berichtet sie stolz.

Nachdem vor zwei Jahren ein rein männliches Dreigestirn die Narren in Brünen regiert hatte und im Vorjahr mit der inzwischen in ihre bayerische Heimat zurückgekehrten Prinzessin Vreni I. erstmals eine Frau allein das karnevalistische Zepter schwang, hat nun erneut eine Prinzessin das Sagen über die Brüner Narren, denen die Prinzen auszugehen scheinen.

Über ihre Reha-Sportgruppe ist Ruth Belting, die dort eine der jüngsten Teilnehmerinnen ist, zu der ehrenvollen Aufgabe gekommen, Prinzessin zu werden. Diethelm Eichelberg ist nicht nur Leiter der Gruppe sondern auch Vorsitzender der Brüner Karnevalsgesellschaft sowie Sitzungspräsident. Als er Ruth Belting gefragt hatte, ob sie nicht Prinzessin werden wolle, überlegte sie kurz und sagte in der folgenden Sportstunde direkt zu. „Manche haben mich zwar angeguckt wie ein Auto“, sagt die 51-Jährige über die Reaktionen nach ihrer Entscheidung. Und ihre Mutter habe sie sogar gefragt: „Bist du verrückt?“ Doch vor allem ihre beiden Enkel seien hellauf begeistert gewesen und mächtig stolz, nun eine Prinzessin als Oma zu haben.

Die Wallfahrt der Karnevalisten nach Kevelaer, der Kasernensturm in Wesel oder Empfänge in Südlohn und Reken zählten neben dem Gala-Abend in Havelich zu den bisherigen Höhepunkten der Session für die gelernte Lebensmittelverkäuferin, die den Karneval als „eine Art Medizin“ betrachtet. Mit ihren Hofdamen Christel Clarendahl und Michaela Zabel-Beverungen sowie Hofmarschall Wilhelm Clarendahl blickt sie ist sie voller Erwartung den vielen weiteren Terminen entgegen. Was ihr besonders gefällt: „Wir Karnevalisten sind wie eine große Familie.“