Wasser marsch!

Idyllisch, aber gerade jetzt im Sommer ein bisschen langweilig. Der Spielplatz an der Gahlener Paßstraße.
Idyllisch, aber gerade jetzt im Sommer ein bisschen langweilig. Der Spielplatz an der Gahlener Paßstraße.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Der Heimatverein Gahlen will den Spielplatz Paßstraße mit einer Wasserspielanlage ausstatten und hofft auf Fördermittel. Dafür kann votiert werden.

Schermbeck..  Selten wirkte eine Idee so gut wie diese. Wobei das natürlich auch an den gestrigen Temperaturen lag. 35 Grad im Schatten, da käme eine Abkühlung genau richtig. Jürgen Höchst nickt. Eben! Und das empfinden nicht nur große Menschen so. Schauplatz ist der Spielplatz an der Gahlener Paßstraße, eigentlich ein idyllisches Fleckchen. Hier gibt es jede Menge Platz zum Spielen. Von den Kindern jedoch fehlt jede Spur. Das könnte die Idee des rührigen Heimatvereins Gahlen ruckzuck ändern. Eine sommerliche Wasserspielanlage wollen Höchst und seine Mitstreiter aufbauen. Die Pläne liegen fertig vor, heute rücken Bauarbeiter für den erste Spatenstich an. Sie verlegen den Schacht für einen Wasseranschluss bis zum Spielplatz. Fortsetzung folgt. Doch alle müssen mithelfen.

Kanalverbindung wird gesponsert

Dichte Bäume spenden jede Menge Schatten, überall wächst Gras, so dass man herrlich herumtoben kann. Und schöne Spielgeräte gibt es auch. Schaukeln, eine Rutsche, einen Sandkasten mit Wipp-Pferdchen, ein Klettergerüst. Bloß das Wichtigste fehlt: die Kinder.

Jürgen Höchst führt aus. Die Paßstraße ist Gahlens Sorgenkind. Dabei finden kleine Menschen bis zehn Jahren hier optimale Bedingungen: Das Gelände ist eingezäunt, und mitgebrachte Eltern können sich beim Aufpassen in den Schatten setzen. Oder Tischtennis spielen - also wenn es denn nicht so heiß ist wie gestern.

Grund genug, den Spielplatz attraktiver zu machen. Für seine Wasserspielanlage hat der Heimatverein schon ordentlich die Werbetrommel gerührt. Mit mehr als 600 Mitgliedern und einer Vielzahl gelungener Projekte hat er sich einen guten Ruf erarbeitet. Und so fand er mit dem Wasserversorger RWW auch schnell einen kundigen Verbündeten: Die Verbindung zum Gemeindekanal wird gesponsert, sicher ein Beitrag im fünfstelligen Euro-Bereich. Außerdem half die Firma bei der Auswahl einer geeigneten Wasserspielanlage.

Höchst zeigt die Zeichnung: Sechs lilafarbene Becken arbeiten nach dem Staudamm-Prinzip. Das Wasser fließt von einem Bassin ins nächste, integriert sind ein Matschtisch, Wasserrad und Wasserrinne. Ideal zum Planschen, Spritzen, Abkühlen. Sieben mal sechs Meter misst das Gerät. Kein Problem, der Spielplatz bietet genug Fläche.

Auch die Gemeinde hilft dem Projekt trotz leerer Kassen. Sie stellt das Wasser aus ihrem Versorgungsnetz gratis zur Verfügung. Aus Schermbecks viel diskutiertem Spielplatzkonzept ist Gahlen seinerzeit herausgefallen, erinnert Jürgen Höchst. Als die Verwaltung plante, einen der beiden Spielplätze zu schließen, wehrte der Heimatverein ab.

Der Spielplatz an der Birkenstraße eignet sich für ältere Kinder. Außerdem liegt er auf einem Privatgelände, genießt also keinerlei Bestandschutz. Wenn der Besitzer irgendwann andere Pläne hat, steht Gahlen ohne Spielplatz da. Die Gemeinde ruderte zurück. Im Gegenzug versprach der Heimatverein, sich selbst um die Spielplätze zu kümmern.

Jede Stimme zählt

Auf dem Gelände an der Birkenstraße wurde mit seiner Hilfe bereits ein Gerät repariert - als der TÜV den Bodenbelag unter der Seilbahn beanstandete, kümmerten sich die Gahlener auch darum und sorgten dafür, dass ein neuer weicher Untergrund verlegt wird. Jetzt läuft die Bahn wie geschmiert. Auch an der Paßstraße wollen die Gahlener mit anpacken. Und trotzdem: Etwa 10 000 Euro betragen die Gesamtkosten, schätzt Höchst. Die Kanalarbeiten sind durch den RWW-Beitrag gedeckt. Bleiben: 6000 bis 7000 Euro - mindestens. Eine Menge Geld, aber nicht utopisch. Und gut angelegt. Höchst: „Ohne Kinder, die sich hier wohlfühlen, hat Gahlen keine Zukunft.“

Für ihr Ziel arbeiten die Heimatfreunde mit doppeltem Einsatz. Zum einen versucht Höchst, Sponsoren zu gewinnen. Einige, freut er sich, signalisierten bereits Unterstützung. Außerdem aber hofft er auf die diesjährige Fanta Spielplatz-Initiative: 350 Spielplätze bewerben sich 2015 um eine Förderung - bis Ende Juli wird im Internet abgestimmt, wer seine Pläne realisieren darf. Die Sieger erhalten dafür 20 000 Euro, die Plätze 2 und 3 jeweils 10 000 Euro, die Plätze 4 bis 15 bekommen 5000 Euro - die Plätze 16 bis 100 können sich über eine Finanzspritze von je 1000 Euro freuen. Aktuell, weiß Höchst, steht Gahlen auf Platz 116. Es gibt also noch viel zu tun. Die Vögel zwitschern aufmunternd: Jede Stimme zählt. Achtung, fertig, los ...