Was will man mehr?

Jutta Radtke sucht sich auf dem Wochenmarkt frische Kräuter aus.
Jutta Radtke sucht sich auf dem Wochenmarkt frische Kräuter aus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Flürener sind fast alle durchweg zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. Ein Drogeriemarkt wäre aber dennoch schön, heißt es.

Wesel..  Eines schon mal vorweg: In Flüren lebt es sich richtig gut. Das zumindest ist der Eindruck, den wir bei unserer Runde über den Wochenmarkt gewinnen. Freundliche Menschen treffen wir dort – und vor allem zufriedene. Zufrieden mit dem Angebot, dem Miteinander und Wohnen, den Einkaufsmöglichkeiten – kurzum: dem Leben in ihrem Stadtteil.

Den Menschen in Flüren ist bewusst, dass sie es in Sachen Nahversorgung besser haben als so manch anderer Stadtteil und manches Dorf. „Schauen Sie doch nur mal nach Bislich“, sagt etwa Helene Müller, als sie unterwegs ist, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen.

„Da gibt es zwar noch Bäcker, sonst aber an Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr allzu viel.“ Zwar sei auch in Flüren das Angebot über die Jahre geschrumpft: „Wir hatten früher sechs Lebensmittelmärkte, jetzt nur noch einen.“ Trotzdem bekomme man im Ort noch fast alles für das alltägliche Leben, sagt Helene Müller.

Den Lieferdienst, den die Rewe-Händler Katja und Gerhard Aufischer anbieten, nutzt die 86-Jährige selbst zwar nicht, hält sie aber auch für einen wichtigen Bestandteil der Nahversorgung.

Auch Dagmar Rosendahl ist zufrieden mit dem Angebot in Flüren. Mit ihrem Mann besucht sie regelmäßig den Wochenmarkt, um sich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. „Dort kaufen wir auch Fleisch, so dass man den Metzger eigentlich gar nicht vermisst.“ Seit gut einem Jahr ist das Metzgergeschäft Hornecker geschlossen – aus Altersgründen. Seitdem Schlecker nicht mehr da ist, hat Flüren auch keinen Drogeriemarkt mehr. „Das ist das Einzige, was mir ein wenig fehlt“, sagt Dagmar Rosendahl. „Wenn in Zukunft hier ein neuer Drogeriemarkt öffnen würde, das wäre schon klasse.“

Günstiger als in der Großstadt

Aus Diersfordt kommt Romy Tils regelmäßig zum Einkaufen nach Flüren. „Das Angebot ist gut, hier bekomme ich quasi alles“, findet die 78-Jährige. Und vor allem sei das Leben hier günstiger als in der Großstadt Köln, wo Romy Tils gebürtig herkommt und aufgewachsen ist. „Da nehme ich dann auch gern für in Kauf, dass der Bus vielleicht nur einmal in der Stunde fährt.“

„Man braucht hier eigentlich wirklich kein Auto“, sagt Jutta Radtke und beginnt aufzuzählen: „Supermarkt, Bäcker, Friseure, Apotheke, Ärzte, Eisdiele, Krankengymnastik und Massage, Markt zweimal in der Woche, drei Kindergärten, Restaurants wie das „Art“ oder den „Goldenen Pflug“, aber auch Pizzerien und eine Pommesbude. Was will man mehr? Wir haben doch hier wirklich alles.“

Gerade für ältere Menschen sei die Versorgung wirklich gut, findet auch Friseurin Edeltraud Hansen, die ihr Geschäft am Flürener Markt hat. „Wir sind allein schon vier Friseure hier“, sagt sie. „Das ist für einen Ort wie Flüren echt enorm.“

Ob es denn etwas gebe, das fehlt? Da muss Edeltraud Hansen erst einmal kurz überlegen. „Ein Bekleidungsgeschäft vielleicht“, sagt sie dann. „Oder eine kleine Boutique. Etwas, das auch die Jugend lockt und hält.“

Die jungen Leute im Ort werden immer weniger, das fällt auch Apothekerin Ilke Waldburger auf. „Hier gibt es seit Jahren keine Neubaugebiete mehr, so kommen auch kaum neue junge Familien in den Ort.

„Klar sieht man auch junge Mütter und Väter mit Kinderwagen, aber generell wird Flüren schon auffallend älter“, beobachtet die 50-Jährige. Mit Angeboten wie etwa dem Bringdienst, den neben Aufischer auch die Flora-Apotheke anbietet, versuchen die Händler der immer älter werdenden Bevölkerung gerecht zu werden.

Die Händler des Ortes haben viele Stammkunden – aus Flüren selbst, aber auch aus Bislich und Diersfordt, wie Ilke Waldburger sagt. „Und natürlich Camper der Grav-Insel, die auch dazu gehören.“

Lebensmittel bekommen Camper zwar auch im Inselshop des Campingplatzes. „Für beispielsweise Medikamente kommen sie aber ins Dorf“, weiß die Apothekerin. Auch Friseurin Edeltraud Hansen zählt viele Dauercamper zu ihren Stammkunden. Sie geht noch weiter: „Ohne die Grav-Insel gäbe es in Flüren wahrscheinlich nicht mehr so viele Angebote.“

Ein Flürener Angebot locke übrigens auch Besucher aus der Innenstadt, Hamminkeln oder Mehrhoog immer wieder an, verrät Ilke Waldburger: „Unsere Eisdiele ist wirklich sehr beliebt. Dafür kommen viele Leute hierher.“