Was Thomas Pelzer immer schonmal tun wollte

Drehort im „Hotel zur Aue“. Thomas Pelzer hat es sich am Kamin gemütlich gemacht und lässt sich von seinen Kameras filmen.
Drehort im „Hotel zur Aue“. Thomas Pelzer hat es sich am Kamin gemütlich gemacht und lässt sich von seinen Kameras filmen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der 43 Jahre alte Flürener nimmt mit einem selbst gedrehten Streifen am 99 Fire-Films Award teil. In 99 Stunden musste er einen 99 Sekunden-Epos drehen. Der Gewinner bekommt 9999 Euro

Wesel..  Drei Kameras vor dem Kamin im „Hotel zur Aue“, das gibt es auch nicht alle Tage. Am Wochenende nahm dort der Weseler Thomas Pelzer Platz - nicht etwa, um es sich bei dem bescheidenen Wetter ein bisschen gemütlich zu machen, sondern um etwas ganz Besonderes zu schaffen. Der 43-Jährige drehte einen Kurzfilm für den 99 Fire-Films Award. 99 Sekunden in 99 Stunden, um am Ende vielleicht den Hauptpreis von 9999 Euro in den Händen zu halten.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Den Preis wollen schließlich viele, weiß auch der Flürener, der einst bei der Telekom arbeitete und Industriemeister im Bereich Elektrotechnik ist. So mancher kennt ihn wahrscheinlich von der Weseler Formation „Johnny Cash Experience“. Dort spielt er Schlagzeug und Cajon. Doch mindestens genauso gern fotografiert und filmt er. In diesem Bereich ist er Autodidakt, hat aber schon vielfältige Erfahrung, wenn es um den richtigen Dreh geht. Bei Konzerten und Veranstaltungen blickt er oft durch die Kamera und fertigt zum Beispiel Clips für Musikgruppen.

Seit 2005 hat er dieses Metier bereits nebenberuflich für sich entdeckt, seit 2008 dann im Hauptberuf als Cutter und Grafikdesigner. Mit dem neuen Jahr ist Thomas Pelzer dann noch einen Schritt weiter gegangen: Er hat sich im Haus seiner Eltern am Flürener Weg selbstständig gemacht. Der Name der Firma: „EFip“, was für Event Film Pelzer steht.

Zweiter Versuch

Jetzt musste die übliche Arbeit für 99 Stunden ruhen, galt es doch zum zweiten Mal an dem Wettbewerb teilzunehmen. 2012 lautete das Thema „Put a smile on your face“ (Zaubere ein Lächeln auf dein Gesicht), was ihm thematisch wohl nicht so ganz gelang, weil in dem Streifen am Ende Tränen auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße flossen. Damals war sein Beitrag ohnehin von vornherein nicht in die Wertung gelangt. Der Grund: Den Film hatte er mit Musik von Johnny Cash unterlegt, gespielt von der Johnny Cash Experience zwar, aber gemafrei war die Sache nicht. Doch das ist ein absolutes Muss bei der Teilnahme.

Diesmal lautete die Aufgabe „Was ich immer schonmal tun wollte“. Und so erfand Thomas Pelzer die Geschichte von seiner Mutter, die seinen Vater nach einem Schlaganfall alleine pflegen musste, weil er nicht mithalf. In einer Doppelrolle spricht er vor dem Kamin quasi mit sich selbst, wobei ihm langsam klar wird, was er schon immer tun wollte... Mehr verraten möchte der Kurzfilmer an dieser Stelle nicht. Sonst wäre die Spannung ja schon raus, sollte der Streifen ab Donnerstag als einer von 99 ausgewählten tatsächlich im Internet zu sehen sein (siehe Box). Und damit die Jury auch weiß, dass der Beitrag extra für den Wettbewerb gedreht wurde, musste etwas Bestimmtes im Bild auftauchen, nämlich das Wort „HashTag“. Und so hat der Flürener eine Zeitung mit diesem Titel gebastelt, die er kurz als Beweis ins Bild hält.

Speisekarten und Faltblätter

Nach dem Dreh folgte noch eine Menge Arbeit, die er selbst als „strammes Programm“ bezeichnet. Die beiden Abschnitte mit den Ich-Rollen wurden übereinandergelegt und somit gibt es nun den doppelten Thomas Pelzer als Ergebnis der Nachbearbeitung bis tief in die Nacht.

Der Flürener dreht übrigens nicht nur Filme, wie etwa kürzlich über „Angie & Friends“ im Scala Kulturspielhaus und über die Formation „Crash down“ im Hamminkelner KuBa, er entwirft auch Faltblätter und sogar Speisekarten, unter anderem für Eisdielen.