Was macht der Mann denn da?

Wesel..  Eine beklemmende Szene: Wir sind auf einer Party. Menschen tanzen, davor ein Paar. Der Mann wendet sich dem Betrachter drohend zu - die Frau lächelt unsicher. Sie streckt die Hand aus, vielleicht um den Kerl festzuhalten. Was ist passiert? Was geschieht als nächstes ...? Fragen wie diese kennt der Kölner Maler Markus Fräger zur Genüge. „Ich habe keine Ahnung“, antwortet er auch dieses Mal verschmitzt.

Gestern war Fräger, 1959 geboren, auf Einladung des Niederrheinischen Kunstvereins in die Galerie im Centrum gekommen, um seine Ausstellung „Zeitsturz“ vorzustellen, die am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird. 28 Gemälde sind bis zum 15. März zu sehen, wunderschöne, üppige Ölbilder mit altmeisterlichen Licht- und Schattenwürfen, die an die Kunst des Barock erinnern, Stillleben und bürgerliches Leben inklusive. Inhaltlich aber haben die Werke das 19. Jahrhundert verlassen. Sie zeigen alltägliche Szenen aus dem Hier und Jetzt: Gesprächssituationen, Paare, weinselige Miteinander, die mitunter wie Standbilder aus Filmen wirken.

Als Vorlage wählt der Künstler reale Personen und Orte, außerdem Fotografien prominenter und unbekannter Menschen, die er überall aufspürt. Dies alles komponiert er neu zu dieser mysteriösen Fräger-Welt, die man als Beobachter stundenlang entschlüsseln möchte. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Spannend ist es immer.