Vor dem Fasten noch mal schlemmen
12.02.2010 | 20:30 Uhr 2010-02-12T20:30:00+0100
Wesel. Die süße Verlockung gibt's gleich hundertfach und in allen erdenklichen Varianten. Denn längst ist nicht nur der einfache Berliner zur Karnevalszeit gefragt, mittlerweile kann das Siedegebäck in vielen Ausführungen gekauft und genossen werden.
Wie wär's mit einem beschwipsten Berliner? Diese Form der Versuchung enthält nicht nur den locker geschlagenen Hefeteig mit viel Ei, wie Petra Rippin-Schorsch erklärt, sondern auch eine Gourmetcreme mit Eierlikör. Die Bäckermeisterin kennt die Vorlieben der jecken Weseler, denn sie steht Tag für Tag ab 3 Uhr morgens in der Backstube, damit die Leckereien in der Frühe frisch in der Auslage liegen. Glasiert oder mit Zucker, mit Gesicht oder Hut, gefüllt mit Marmelade, Pflaumenmus oder Whiskey-Cremelikör.
Vor allem gestern waren sie der große Renner. „Am Tag nach Altweiber sind Berliner besonders gefragt”, weiß die 38-Jährige. Dann wird nicht nur fürs nachmittägliche Kaffeekränzchen gekauft, dann gibt's auch Vorbestellungen von Schulen und Vereinen. Zwei-, dreihundert Exemplare auf einen Schlag sind nicht selten, wobei auch bei den Karnevalsklubs gern variiert wird. Denn Spritzringe, Krapfen, Muzen und Muzemandeln haben ebenfalls Hochkonjunktur. Egal ob Brandteig, lockerer Hefeteig oder einfach nur Puderzucker mit Weizenmehl – Hauptsache, es schmeckt.
Petra Rippin-Schorsch hat sich mit dem Duft des Erdnussfetts abgefunden, in dem das Gebäck gebräunt wird, wenngleich er ihr stets lange in der Nase bleibt. Kein Wunder, dass sie spätestens Rosenmontag mehr Appetit auf Herzhaftes als auf Süßes verspürt. Das wird ihrem Kollegen Wolfgang Laarmanns, der seit über 35 Jahren bei Schorsch in der Backstube arbeitet, und den drei Gesellen nicht anders gehen. Doch bis Montag müssen sie noch mal ran, sind die drei Berliner-Pfannen gut gefüllt.
Dass hier echte Bäckerqualität entsteht, beweist der weiße Rand in der Mitte des Berliners, sagt die Bäckermeisterin. Der Teig ist nämlich so beschaffen, dass er beim Wenden ein Stück nach oben zieht und die weiße Fläche entsteht. Typisch rheinisch sind übrigens die Muzen, die es genau wie die Berliner außer zum Karneval auch zu Silvester gibt.
Dass die süßen Gebäckstücke gerade jetzt auf den Tisch kommen, hat eine lange Tradition. Denn einst war es so, dass vor der Fastenzeit alle Vorräte aufgebraucht werden mussten, sprich: auch Eier und Schmalz. Am Donnerstag vor Aschermittwoch wurde deshalb kräftig gebacken. Und so wird der Altweibertag in einigen Regionen auch heute noch fetter oder schmutziger Donnerstag genannt.
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