Vor 50 Jahren kamen die ersten Soldaten

Feierlicher Appell am 25. September 2010: Wesel ist jetzt Nato-Standort.
Feierlicher Appell am 25. September 2010: Wesel ist jetzt Nato-Standort.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Schill-Kaserne an der Bocholter Straße in Wesel feiert das Jubiläum und fünf Jahre NATO-Battalion mit einem Tag der offenen Tür.

Wesel..  „Wie sind denn die Verbindungen zur Stadt?“ – eine der ersten Fragen, die 36 Soldaten umtreibt, als sie im Februar 1965 in der nagelneuen Schill-Kaserne ankommen. Eine Busverbindung ist geplant, die Männer sind jung und wollen abends nicht in der Stube hocken. Das war vor 50 Jahren - am Sonntag feiert die Kaserne dieses Jubiläum. Und ein weiteres, kleines: Immerhin fünf Jahre ist es her, dass das 1st NATO Signal Battalion einzog und die Bundeswehrwelt in den Kanonenbergen einen Hauch von großer weiter Welt bekam.

Freundschaften wachsen

Die NRZ berichtete 1965 von der Ankunft der 1. Batterie des Raketen-Artillerie-Battaillons 150, des Vorkommandos. Bislang hatten die Jungs in Warendorf in einer ehemaligen Reit- und Fahrschule gehaust, jeweils zu acht bis zehn auf einem Zimmer. „Hier werden nur sechs Betten aufgestellt“, erläuterte ihr Hauptmann Techer der NRZ erfreut. Heute haben Soldaten in der Regel Zweibettzimmer, doch in der Schill-Kaserne gibt es, 50 Jahre später, ohnehin keine Grundausbildung mehr. Die meisten Soldaten fahren abends heim zu ihren Familien.

37 Jahre blieb das Raketenartilleriebataillon 150 in Wesel zu Hause. Eine Zeit, in der Kaserne und Stadt einander näher gekommen sind, die Verbindungen zu den Schützen, Karnevalisten und anderen Vereinen entstanden. Am 14. Dezember 2002 dann wurde die Truppen-Fahne eingerollt, das Bataillon in Folge der Bundeswehrreform aufgelöst. Fernmelder aus Essen-Kray, deren Kaserne an einen Computerhersteller verkauft worden war, übernahmen die Kaserne 2003, und auch die guten Beziehungen zur Stadt. Die Fernmelder sind mit NATO-Technik ausgerüstet. Und sie sind weltweit im Einsatz, so taten in Wesel stationierte Soldaten beispielsweise in Afghanistan Dienst, gehören SFOR und KFOR an.

Im September 2010 wird Wesel gar NATO-Standort: Das Fernmeldebataillon geht im 1stNATO Signal Battalion auf, wird zu seinem deutschen Anteil. 150 Gäste sind dabei, die Schützenvereine schicken eine Abordnung – mit einem Schornsteinfeger als Glücksbringer. Patenschaften und gegenseitige Besuche haben das herzliche Verhältnis zur Bundeswehr vertieft. Und Vereine wie Verwaltung schließen auch die internationalen Soldaten sofort in diese gewachsene Freundschaft ein. Fortan gibt es beim Großen Zapfenstreich mitunter ungewohnte Uniformen zu sehen, werden zahlreiche Unterhaltungen in der Schill-Kaserne in Englisch geführt. Und erleben auswärtige NATO-Soldaten beim Kasernensturm, wie das ist, wenn in Wesel die Narren los sind.

Wenn am Sonntag das 50 plus 5 - Jubiläum gefeiert wird, öffnet die Kaserne ihre Tore. Dann können Interessierte sehen, wie die Truppe lebt, sie können Fahrzeuge gucken, den Traditionsraum besuchen, am Schießsimulator ihre Treffsicherheit testen und mehr (siehe Box). Die seinerzeit nagelneue Kaserne wird derzeit saniert.