Voneinander lernen
24.03.2008 | 16:08 Uhr 2008-03-24T16:08:26+0100MEHRGENERATIONENHAUS. Gute Erfahrungen mit den Angeboten für junge und alte Menschen am Birkenfeld.
WESEL. Senioren, die auf "die Jugend von heute" schimpfen? Auf der anderen Seite junge Menschen, die "keinen Bock" auf alte Leute haben? Von wegen - Anne Oberdorfer, Geschäftsführerin des Weseler Mehrgenerationenhauses St. Josef an der Straße Am Birkenfeld, kann diese Vorurteile keinesfalls bestätigen. "Beide Seiten sind durchaus offen füreinander und suchen den Kontakt zueinander", sagt sie. Das Problem, das dazu führe, dass sie doch oft nicht zueinander finden, sei nicht etwa fehlende Bereitschaft, sondern ein ganz anderes.
"Junge Menschen haben doch in dieser hektischen Welt gar keine Zeit mehr, sich für ihre Mitmenschen zu engagieren", ist Anne Oberdorfer überzeugt. "Ganztagsschule, anschließend vielleicht noch Musikunterricht oder Sportverein - Kinder und Jugendliche sind damit in jungen Jahren schon so ausgelastet, dass man kaum von ihnen verlangen kann, sich noch groß ehrenamtlich zu engagieren." Bereit dazu seien viele, beobachtet Oberdorfer, "Es fehlt ganz einfach die Zeit. Ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden, und junge Menschen müssen bei all ihren Belastungen auch noch eine halbe Stunde zum 'Chillen' auf dem Sofa haben."
Bei älteren Menschen beobachtet Oberdorfer eine große Bereitschaft, ehrenamtlich zu arbeiten. "Viele Rentner möchten nach dem Berufsleben weiter aktiv bleiben und finden in freiwilligem Engagement eine sinnvolle Aufgabe." Ein Großteil sei dabei auch gern bereit, etwas für Kinder und Jugendliche zu tun. Als Beispiel nannte die Geschäftsführerin eine Rentnerin, die Nachhilfeunterricht in der Martini-Schule gibt.
Die Geschäftsführerin des St. Josef-Hauses und ihre Mitarbeiter freuen über jeden, der sich in ihrer Einrichtung engagiert oder an Veranstaltungen teilnimmt. "Der Kontakt zwischen Generationen ist wichtig, denn beide können voneinander lernen." Es sei jedoch entscheidend, einen solchen Kontakt nicht aufzuzwingen. "Wenn jemand das Gefühl hat, er muss etwas tun, weil es von ihm verlangt wird, ist doch klar, dass das keine Freude macht." Entdecken, dass es Spaß machen kann, Zeit mit Leuten in einem anderen Alter zu verbringen - das ist nach Ansicht von Anne Oberdorfer das Erfolgsrezept für ein gutes Miteinander der unterschiedlichen Generationen.
Das Team des St. Josef-Hauses stellt eine ganze Menge auf die Beine, um Jung und Alt viel Spaß miteinander zu ermöglichen. Unter anderem gibt es Strickkurse, bei denen Menschen im Alter zwischen 25 und 70 Jahren mit dabei sind. Das Gleiche gilt für meditatives Bogenschießen und Türkisch-Kurse. Auch ein Großeltern-Projekt, bei dem Omas und Opas mit ihren Enkeln zusammen Theater gespielt haben, sei bestens angenommen worden.
Ein paar mehr junge Menschen wünscht sich Anne Oberdorfer hingegen bei regelmäßigen Sing-Nachmittagen, die jeden letzten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr im St. Josef-Haus angeboten werden. "Bei diesen Nachmittagen können Jugendliche sehen, wieviel Spaß man auch im Alter und mit älteren Menschen haben kann." Die Stimmung sei immer super, nur blieben die Senioren meist unter sich, obwohl die Sing-Nachmittage eigentlich als Begegnungspunkt gedacht seien. Am Mittwoch, 26. März, ab 16 Uhr lädt das Mehrgenerationenhaus St. Josef (neben der St. Franziskuskirche) wieder zusammen mit Johannes Fölting, Nobert Jöhren, Ferdi Obermann und Fritz Ridder zu einem gemütlichen Nachmittag mit Musik und Kaffee und Kuchen (zum Selbstkostenpreis) ein. Zu Gitarren- und Ziehharmonikabegleitung werden an diesem Nachmittag Volkslieder und Weseler Heimatlieder gesungen.
Auch der offene Mittagstisch, den das Team der Einrichtung anbietet, sei bisher nicht der erhoffte Treffpunkt für Alt und Jung geworden. "Aber wir arbeiten weiter daran", verspricht Anne Oberdorfer. "Wir sehen, dass junge und alte Menschen Zeit miteinander verbringen möchten. Und wir möchten ihnen das ermöglichen."Wie funktioniert es bei Ihnen mit den Generationen? Berichten Sie uns über Ihre Erfahrungen und zeigen uns Beispiele auf, wie die Gemeinsamkeiten von Jung und Alt im Alltag funktionieren. Wir nehmen Ihre Anregungen gerne entgegen. Per Telefon: Tel: 0281/33 87 430, E-Mail: lok.wesel@nrz.de oder Fax: Tel: 0281/33 87 455.
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Ob das mit den Sing-Nachmittagen, der große Bringer ist, darf angezweifelt werden. damit holt man sich sicher keine jungen Leute ins Haus, es sei denn Dieter Bohlen veranstaltet hier Deutschland sucht den Superstar.