Vollkommen emotionslos
08.02.2008 | 19:07 Uhr 2008-02-08T19:07:01+0100GERICHT. Im Prozess wegen sexuellen Missbrauchs sagte der ermittelnde Polizist aus.
DUISBURG/WESEL. So einen Fall habe er noch nicht erlebt, sagte der ermittelnde Polizeibeamte Stefan Jansen gestern in der Verhandlung gegen das Ehepaar M. (die NRZ berichtete) vor dem Landgericht aus. Schon die erste Begegnung mit dem Angeklagten und dessen absolut "coole Reaktion" auf die Vorwürfe blieb dem Polizisten im Gedächtnis haften. Völlig emotionslos habe der 58-Jährige alle Taten gestanden. Die Schuld sah Werner M. nicht bei sich selbst, schließlich habe er nichts gegen den Willen der Mädchen getan. Die Schwangerschaften seien zwar ärgerlich gewesen, aber dieses waren aus seiner Sicht Probleme, die er mit Hilfe seiner Frau hätte aus dem Weg schaffen können, sagte der Lkw-Fahrer bei der Polizei aus.
Während des dritten Verhandlungstages wurde erstmals deutlich, weshalb sich Ermittlungen und Beginn der Hauptverhandlung über zwei Jahre hingezogen haben. Obwohl die Taten seit Oktober 2005 bekannt waren, sind die drei jungen Frauen bis zum Sommer 2007 nur ansatzweise vernommen worden. Der Grund: Der zuständige Staatsanwalt war in den Ruhestand versetzt worden. Weitere Verzögerungen gab es, weil die Familie oft umgezogen war.
Aus Scham geschwiegen
Konzentrierten sich die Ermittlungen zunächst nur auf den Missbrauch der älteren Tochter Nina, wurde nach und nach das ganze Ausmaß deutlich. Auch Gabi, das jüngere Pflegekind, und die behinderte Janine, die bisher aus Scham geschwiegen hatten, erzählten in Vernehmungen von den sexuellen Übergriffen. "Da fiel es manchmal schwer, die Emotionen unter Kontrolle zu halten", so der Beamte. Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.
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