Vier Bauernhöfe in 15 Jahren

Hier wird Kies gewonnen: Die Abgrabung am Diersfordter Waldsee.
Hier wird Kies gewonnen: Die Abgrabung am Diersfordter Waldsee.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Grünen und der Verein Eden beklagen den großen Flächenverlust durch Auskiesung in Wesel.

Wesel..  Das Kiesforum, das die SPD kürzlich im Ratssaal veranstaltet hat, beschäftigt die Weseler Grünen und den Verein Eden (Erhaltet den einzigartigen Niederrhein) aus Rees nach wie vor. „Was will die Kiesindustrie in Wesel noch wegbaggern?“, fragt der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ulrich Gorris, und belegt die aktuelle Situation mit entsprechendem Kartenmaterial.

Was wird aus den Neubaugebieten?

Vor allem im Raum Bislich hat sich mit den Jahren eine Seenplatte entwickelt, die die Karte stark blau färbt. „20 Prozent von Wesel sind bereits ausgekiest oder zur Auskiesung vorgesehen“, sagt Gorris und verweist darauf, dass allein in den zurückliegenden 15 Jahren 240 Hektar landwirtschaftliche Fläche verschwunden seien, was vier kompletten Bauernhöfen entspreche. Diese wiederum könnten 500 Menschen ernähren. Schon jetzt sei man auf Lebensmittel aus Afrika und Südamerika angewiesen, sprich: man importiere Boden aus ärmeren Regionen. Immer mehr Böden werden gegen nutzlose Baggerlöcher ausgewechselt, findet auch der Verein Eden. Der von Politik und Verwaltung versprochene gesellschaftliche Mehrwert, wie eine touristische Nachfolgenutzung, sei nirgendwo verwirklicht worden. Als Beispiel nennt er den versprochenen Ferienpark „Bad Himmelblau“ in Rees. Und die Xantener Freizeitseen-Infrastruktur existiere nur, weil in mehrstelligen Millionenbeträgen öffentliche Gelder flössen. Allein in der Landwirtschaft würden mehr Arbeitsplätze abgebaut als die Kiesindustrie selber unterhalte, sagt Dr. Leo Rehm (Eden). Die Kiesindustrie habe es bisher verpasst, neue Wege zu gehen. Einen nennt er: Möglichkeiten auf dem Gebiet des Recyclings ausschöpfen.

Gorris stellt zudem die Frage, wer denn künftig in den ganzen Neubaugebieten wohnen soll. Angesichts der rückläufigen Bevölkerungszahlen müsse man auch bedenken, wer die Gebäude, Straßen und Kanäle in Zukunft unterhalten soll. Das Argument, die Bauindustrie benötige große Mengen Kies und Sand, lässt er nicht gelten. Der Grünen-Politiker fordert deshalb: Kein weiterer Verlust landwirtschaftlicher Böden. In Wesel seien in den letzten 15 Jahren 16 Hektar pro Jahr für die Auskiesung genutzt worden, dabei stehe der Stadt lediglich ein Kontingent von sechs Hektar zu, wenn man bedenke, dass sowohl der Bund als auch die Landesregierung Boden als schützenswertes Gut darstellten und entsprechende Einschränkungen machten.

Dr. Leo Rehm vom Verein Eden aus Rees wirft der SPD vor, den großen regionalen Kiesfirmen bereitwillig eine große Bühne für deren einseitige Selbstdarstellung gegeben zu haben. Beim sogenannten Kiesforum am 5. März in Wesel habe sich sogar Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD) in die Jubelgesänge eingereiht.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Meesters sei als Moderator konsequent auf Kieskurs gegangen. Kritische Anmerkungen und nicht genehme Beiträge aus den Zuschauerrängen hätten keine Chance gehabt.