Verbindender Wunsch nach Frieden

Wesel..  Wohl geplant war der Termin für das Domkonzert am Sonntag. Anfang Mai: Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Ein Jahr zuvor: Gedächtnis an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Und auch aktuell begleiten Kriege und menschliche Not unseren Alltag. Die Jahresgedenken holten die Kriegsrealitäten, die Grausamkeiten und Entbehrungen wieder in die kollektive Erinnerung der Menschen. Immer da: der Wunsch nach Frieden.

Gefühlvoll und leidend

In diesem Zusammenhang sprechen Historiker gerne von einem zweiten Dreißigjährigen Krieg. Dessen Ende 1648 hat viele Komponisten zu Werken des Lobes und Dankes an Gott inspiriert, die im Willibrordi-Dom unter dem Titel „Friedensseufftzer und Jubelgeschrey – Musik zum Westfälischen Frieden von 1648“ zur Aufführung kamen. Innig, gefühlvoll, leidend und trotzdem voller Hoffnung - so lassen sich die 14 Werke von Michael Jakobi, Hans Leo Hassler, Thomas Selle, Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz und anderen mehr beschreiben. Interpretiert wurden die Werke von den beiden Essener Ensembles „Vollklang“ und „Hora Decima“ - unter der Leitung von Kreiskantor Thomas Rudolph.

Die etwa 80 Zuhörer auf den Kirchenbänken lauschten gebannt und emotional gefangen den Motetten, mehr- und teils gar zehnstimmigen Chorälen sowie rein instrumentalen Werken. Eine Besonderheit war die historische Aufführungspraxis der Musik aus dem 17. Jahrhundert, bei der Zinken (ähnlich Oboe oder Klarinette) und (Barock-)Posaunen zum Einsatz kamen. Besonders ergreifend wirkten die Solo-Lieder „Nun schmeck ich erst die Bitterkeit“ (Michael Jacobi, 1640) und „Nun ist die längst verhoffte Zeit des Dankens einmal gekommen“ (Sigmund Theophil Staden, 1607 – 1655), bei denen die Sopran- und Altstimmen die tiefe Bedeutsamkeit der unbändigen Sehnsucht der Menschen nach Frieden besonders intensiv erlebbar machten.

Mitschnitt per Smartphone

Immer wenn der gesamte Chor die Stimmen erhob, verbreitete sich auch ein kleiner wohliger Schauer unter den Zuhörern, hervorgerufen von den reibenden Harmonien und den anspruchsvollen Vielstimmigkeiten. Klar und schön verbreitete sich der Klang von Instrumenten und Stimmen im Dom. Einige Gäste zückten sogar ihr Smartphone und schnitten einige Konzertteile zur persönlichen Erinnerung mit – quasi echte Kirchenmusikfans 2.0.

Die Absicht des Konzertes, die Friedenssehnsucht der Menschen im 17. und 20. Jahrhundert musikalisch in die Gegenwart zu transportieren, gelang, wie der minutenlange Applaus für die Akteure zeigte.