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Vater und Sohn sind sich grün

19.02.2010 | 18:54 Uhr

Hamminkeln. Dreckecken auf der Spur: 19 Jahre lang war Josef Hassel senior (80) als Landschaftswächter im Einsatz. Nun übergibt er sein Amt an Josef Hassel junior (44).

Josef Hassel (r.) mit seinem Vater Josef Hassel an seinem Grundstück in Hamminkeln - Mehrhoog. Foto : Markus Weißenfels / WAZ FotoPool

„Der lauert.” Das sagten früher die älteren Anwohner, wenn trotz großflächiger Schneeschmelze so mancher weiße Rest nicht verschwinden wollte. „Dann war immer noch mit dem Winter zu rechnen”, erzählt Maria Hassel. Rund um das Anwesen ihrer Familie am Kikenheck-weg in Mehrhoog war es gestern Vormittag so ähnlich. Ein paar hartnäckige Schneereste scheinen in Grasbüscheln festgewachsen zu sein.

Doch das macht nichts: In der Natur, mit unverbautem Blick ins Land liegt ein Hauch Frühling in der Luft, der die Sehnsucht nach ersten Schneeglöckchen Blüten treiben lässt. Und mittendrin Josef Hassel (80) und Josef Hassel (44), Vater und Sohn. Der Senior wohnt hier mit Frau Maria Hassel unter einem Dach mit dem Junior, verheiratet und Vater zweier Töchter. Was das Verhältnis von Josef & Josef besonders macht: Der Vater war 19 Jahre lang als Landschaftswächter im Einsatz, in diesem Frühjahr übergibt er das Ehrenamt an seinen Sohn. Die beiden sind sich grün.

Info
Landschaftswacht

Der Landschaftswacht im Kreis Wesel gehören derzeit 24 ehrenamtliche Landschaftswächter an, darunter vier aus Hamminkeln (hier übergab in Vorjahren noch ein zweiter Wächter sein Amt an seinen Sohn), drei in Wesel, zwei in Schermbeck, zwei in Hünxe. Neben Josef Hassel scheiden zwei weitere Landschaftswächter aus, deren Ämter neu bestellt werden. Die Vorschläge dazu sind Thema in der nächsten Sitzung des Beirates bei der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Wesel am 22. Februar.

Landschaftswächter? Bestellt von der unteren Landschaftsbehörde und geschult in Landschaftspflege, „fährt der mit dem Rad rum”, beschreibt es Josef Hassel senior salopp. Mit dem Auto ginge auch, ist aber nicht seine Sache. Auf seinen Touren durch ganz Hamminkeln – in der Regel „zweimal pro Woche einen halben Tag” – hat er vor allem ein Auge auf Müll und Unrat, den achtlose Zeitgenossen in der Natur abgeladen haben. Macht er eine Dreckecke ausfindig, informiert er das Ordnungsamt, das dann aktiv wird. Ist der Müll-Sünder bekannt, wird er zur Kasse gebeten, ansonsten wird auf Kosten der Kommune aufgeräumt.

Josef Hassel kennt die Gegend bestens, „schon als kleiner Junge bin ich mit meinem Vater, er war Briefträger, durch den Bislicher Wald bis Diersfordt geradelt”. Und es gibt nichts, was Josef Hassel, der den Beruf des Maurers erlernt hat und bis Anfang der 90er Jahre eine Landwirtschaft mit Milchvieh und Schweinezucht betrieb, noch nicht im Freien gefunden hat: Farbeimer, Teppichreste, Möbel, Mopeds. Ganz schlimm war's bei einem Anwohner, der einen Platz zumüllte. „Das waren bestimmt 30 mal 50 Meter Fläche, zugestellt mit Autos, Schrott, Möbeln, Waschmaschinen, Reifen” und, und, und..., weiß Josef Hassel junior. „Der konnte nichts wegwerfen, wie ein Messie.”

Einem Landschaftswächter, versehen mit Ausweis, muss der Zugang zum Grundstück erlaubt werden. Aber so förmlich ging es nie zu. Man kennt sich, hält auf der Tour auch mal an und macht übern Gartenzaun ein „Pröötchen”, ein Schwätzchen.

„...dass ich noch nicht draußen geschlafen habe...”

„Es gab nicht ein Mal Palaver in den ganzen Jahren”, sagt Josef Hassel senior. Und stutzt. Na ja, ein Mal flogen die Fetzen. Als der Landschaftsschützer einen Hausbesitzer aufforderte, einen großen Müll- und Bauschutthaufen zu beseitigen, „wurde der richtig giftig und plusterte sich auf”. Die Ehefrau des uneinsichtigen Mannes schaltete sich ein, „und alles lief gut ab”, erinnert sich Josef Hassel. „Mit Frauen bin ich immer besser klar gekommen”, sagt er mit Schalk im Nacken.

Das Ehrenamt des Seniors ist mit der Liebe zur Natur verwachsen. Anders ginge es gar nicht. „Ich bin ein Naturmensch. Dass ich noch nicht draußen geschlafen habe”, wundert Josef Hassel rückblickend selbst. Er beobachtet genau, wie, wann, was wächst und freut sich auf seine Lieblingsjahreszeit, den Frühling.

Aber nun, mit 80, wo sich der ansonsten rüstige Landschaftsschützer nicht mehr gut auf sein Gehör verlassen kann, ist Schluss mit dem Ehrenamt. „In dem Moment, in dem ich wusste, dass mein Sohn es übernimmt, fiel es mir nicht so schwer aufzuhören.”

Dabei ist der Junior zeitlich schon gut ausgelastet. Hauptberuflich verdient er sein Geld als Lagerleiter in einer Firma. Außerdem betreibt er in seiner Freizeit eine Charolais-Zucht (reinrassige schneeweiße Rindviecher) mit derzeit 18 Tieren.

Und nun noch der Landschaftswächter. „Wir sind ja auch noch da”, beruhigt der Vater. Und sein Sohn sagt: „Ich mache selbst gerne Radtouren, und ich hasse es selbst, wenn Müll in der Natur herumliegt.” Als Landschaftswächter könne er seinen eigenen Beitrag leisten, etwas dagegen zu tun. Mit einem väterlichen Ratgeber an seiner Seite, der unbezahlbar ist.

Susanne Storck

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