Unterkunft – Drevenacker fühlen sich hintergangen

Eines der zur Diskussion stehenden Grundstücke liegt am Hunsdorfer Weg. Es gehört laut Bebauungsplan zum Gewerbegebiet.
Eines der zur Diskussion stehenden Grundstücke liegt am Hunsdorfer Weg. Es gehört laut Bebauungsplan zum Gewerbegebiet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die geplante Flüchtlingsunterkunft weckt Ängste und Kritik. Anwohner meinen, die Politiker hätten sie früher informieren müssen – schließlich suchten sie im Wahlkampf ja auch den persönlichen Kontakt

Hünxe..  Von der Politik übergangen und von ihren gewählten Vertretern im Stich gelassen – so fühlen sich derzeit einige Drevenacker. Grund dafür ist die Planung von Unterkünften im Ortskern, die 24 Flüchtlinge aus Syrien oder Nordafrika beherbergen soll. Um bei der weiteren Planung berücksichtigt zu werden, baten zwei engagierte Anwohner, Politik, Verwaltung und weitere Bürger am Dienstagabend an einen Tisch. Es waren viele Fragen, die Bernhard Gackowski, einer der Initiatoren, an die Volksvertreter hatte: Wann wollte die Gemeinde die Anwohner über die Errichtung der „Container“ informieren? Wieso sollen hauptsächlich junge Männer dort leben, nicht Familien? Und weshalb muss die Gemeinde extra ein Grundstück kaufen und nimmt keines, das bereits ihr gehört, wo sie sich doch im Haushaltssicherungskonzept befindet?

Ordentlich informieren

„Klammheimlich“ und „hinter unserem Rücken“, habe die Gemeinde den Bau der Flüchtlingsunterbringungen geplant, so sehen es einige. Die Verwaltung hätte das Gespräch mit den Bürgern viel eher suchen und ordentlich über ihre Pläne informieren sollen, finden sie. Waldtraut Schilling (SPD) vom Rat, konterte, dass die Ratssitzungen, bei denen solche Dinge beschlossen werden, öffentlich seien und für jeden zugänglich. Auf Verständnis stieß sie damit bei den Drevenackern nicht: Im Wahlkampf schafften die Politiker es schließlich auch, den persönlichen Kontakt zu suchen.

Weiterer strittiger Punkt war, dass voraussichtlich hauptsächlich junge Männer die geplante Unterkunft bewohnen sollen. „Wir wissen nicht genau wer kommt, die Menschen werden uns zugewiesen“, erläuterte Ralf Lange (EHB). Eine Auswahl der Flüchtlinge, die junge Männer ausschließt, sei nicht möglich. Die Drevenacker sehen in der alleinigen Unterbringung von Männern gleich mehrere Probleme. Es fehle ein passendes Beschäftigungsangebot. Zudem seien die beiden Grundstücke, auf die die Gemeinde ihr Auge geworfen hat, in einem Umfeld, wo nur Familien mit kleinen Kindern wohnen. Wilde Partys, permanente Feuerwehr- und Polizeieinsätze befürchten einige – andere meinen, sie müssten sich um ihre Töchter sorgen. Und wenn man Flüchtlinge integrieren wolle, „sollte man sie doch kreuz und quer einmieten“. Das hätte auch die Gemeinde gern getan.

Doch die Resonanz bei den Vermietern sei sehr schlecht gewesen. Auch der Grundstückskauf werde sich nicht umgehen lassen, die Gemeinde besitzt in Drevenack keine geeigneten Grundstücke. Die Unterkunft müsste aber in Drevenack errichtet werden, da es in Hünxe und Bruckhausen bereits welche gibt.

Auch die Wahl der beiden potenziellen Grundstücke kritisieren die Drevenacker, besonders das am Hunsdorfer Weg, da es laut Bebauungsplan zum Gewerbegebiet gehört. „Ich durfte es damals ja auch nicht kaufen, weil ich kein Gewerbe habe“, beschwerte sich eine Bürgerin. Das geänderte Baurecht erlaubt den Bau von Flüchtlingsunterkünften dort. Einigkeit gab es an diesem Abend nicht. An der Tatsache, dass Wohnraum für Flüchtlinge gebraucht wird und die Gemeinde verpflichtet ist sie aufzunehmen, gibt es eben nichts zu rütteln. Wohl sei der Einwand berechtigt, dass die Politik früher das Gespräch mit den Bürgern hätte suchen sollen, gestand Ralf Lange ein.