Unter der Domdecke
26.02.2009 | 18:17 Uhr 2009-02-26T18:17:00+0100
In Wesels Stadtkirche werden die Gewölbe auf Schäden untersucht. Zwei der filigranen Elemente sind etwas ganz Besonders. Denn es gibt nur fünf solcher Kunstwerke in ganz Europa.
Man sollte öfter mal nach oben blicken. Zumindest in der Heresbach- und der Alyschlägerkapelle des Willibrordi-Doms lohnt sich das. Dort sind gleich zwei doppelte Hängegewölbe zu sehen, von denen es in ganz Europa insgesamt nur fünf gibt, wie Dombaumeister Professor Dr. Wolfgang Deurer erläutert. Gestern machte er mit dem Vorsitzenden des Willibrordi-Dombauvereins Karl-Heinz Tieben darauf aufmerksam. Denn unter dem Doppelgewölbe der Heresbachkapelle steht zurzeit ein Gerüst, das in der Stadtkirche die Runde macht.
Wenn Klaus Gehrke schon in luftiger Höhe im Dom unterwegs ist, kann er sich auch gleich um die Messingleuchter kümmern. Denn auf die matten Flächen haben nach Angaben von Karlheinz Tieben immer wieder Kirchenbesucher aufmerksam gemacht. Poliert wird das Material dennoch nicht, denn dann sehe es innerhalb kürzester Zeit gar nicht mehr gut aus. Stattdessen geht es mit einem Gebläse an den Staub, der sich seit Jahren hier festgesetzt hat. Urteil des Dombauvereinsvorsitzenden nach der Reinigung: „Man sieht keinen großen Unterschied.”
Auf der obersten Etage der mehr als zehn Meter hohen Konstruktion ist das Reich von Klaus Gehrke. Der Steinmetz und -bildhauer muss nicht nur schwindelfrei sein, sondern auch ein gutes Auge haben. Schließlich ist er es, der jeden Zentimeter des Gewölbes dokumentiert und fotografiert. Der Dombauverein erstellt nämlich ein Rissekataster. Dafür gibt es zwar keinen aktuellen Anlass, allerdings bedeutet die Dokumentation eine gewisse Vorsorge für die Nachwelt. „Wir bestellen unser Haus für die nächste Generation”, sagt Deurer. Anhand der Aufnahmen könne man später nicht nur Vergleiche anstellen, sondern wisse auch, wo demnächst noch einmal genauer hingeschaut werden muss.
Im Gewölbe Nummer 6 hatten Gehrke und das Gerüst Premiere. Hier wurden in der Gewölbekappe Haarrisse sichtbar. Kein Problem seien dabei die organischen Risse, so Deurer, unorganische müssten allerdings im Auge behalten werden. Am Fenster von Gewölbe Nummer 7 platzt dagegen die Farbe ab. Es wurde im Krieg nicht zerstört und ist deshalb entsprechend älter als die anderen.
Im Großen und Ganzen sei der Zustand erfreulich gut. Bislang habe man nicht sehr viel mehr Problemstellen ausgemacht als man vom Boden aus sehen konnte. Der Reichtum des Doms bestehe letztlich in der Gewölbelandschaft, wie Deurer es ausdrückt.
Das doppelte Hängegewölbe in der Heresbachkapelle wurde von Baumeister Gerwin Langenberg geschaffen, der die bis dahin existierenden Gewölbe dieser Art gekannt haben muss. Eines ist im Wladislawsaal des Königspalastes in Prag zu finden, ein weiteres in Basel, ein drittes in Köln.
Auf dem Stein in Wesel fallen weiße Stellen auf. Es sind Gipspflaster, die angebracht wurden, bevor die Tiefgarage unter dem Markt im Bau war. Damit wollte man entstehende Risse dokumentieren, versicherte den Dom extra bei Lloyds in London. Doch das war gestern. Heute, bestätigt Deurer, gebe es keinerlei Grund zur Unruhe – auch nicht, wenn der Küster mal Mörtel auf dem Boden findet. Es sei ganz normal, dass sich ab und zu etwas aus den Fugen löst.
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