Und plötzlich ist der Sommer in Wesel

Kerstin Steves, Stammgast im Rhein-Bad, freut sich: Das Wetter ist schön – die Freibad-Saison hat gestartet.
Kerstin Steves, Stammgast im Rhein-Bad, freut sich: Das Wetter ist schön – die Freibad-Saison hat gestartet.
Foto: Funke Foto Services
Mit satten 30 Grad meldet sich die Sonne zurück und beschert dem Rhein-Bad volle Becken. Die Badegäste genießen das kühle Nass in vollen Zügen.

Wesel..  Die weißen Plastik-Sonnenliegen sind schon voll besetzt, auf der grünen Wiese direkt am Rhein liegen bunte Handtücher, die ganz Schnellen haben sich einen schattigen Platz unter den großen Laubbäumen gesichert. In den vier blau schimmernden Becken sind zwar noch ein paar Plätze frei, aber das ändert sich schnell. Denn der Sommer meldet sich mit einem Traumstart. Rund 30 Grad bescheren dem Rhein-Bad gleich am zweiten Tag volles Haus oder besser – volle Becken.

Für Marc Fest und seine Auszubildenden heißt das: viel Arbeit. Denn mit der Besucherzahl steigt auch die Aufmerksamkeit. Der 32-Jährige arbeitet als Bademeister – pardon, Schwimmmeister. „Bademeister ist für uns ein Schimpfwort“, sagt Fest und lacht. „So bezeichnet man die Generation, die oberkörperfrei mit Goldkettchen und Trillerpfeife am Rand steht.“

Ein Stück Urlaub

Seit Fronleichnam, Eröffnungstag des Freibades am Rhein, steht Fest nun wieder im Außenbereich. „Hier habe ich frische Luft und auch die Leute sind entspannter als im Hallenbad.“ Freibad, ein Stück Urlaub. Auch für ihn? Schließlich darf er ja nur zugucken. „Irgendwann haben wir Feierabend, dann springen wir ins Becken.“

Dann darf auch Auszubildender Alexander Hier mal ins kühle Nass. Seit einem Jahr ist der 18-Jährige in der Ausbildung zum Fachangestellter für Bäderbetrieb tätig – sein Traumjob. „Ich schwimme gerne, bin sportlich und mag den Kontakt mit Menschen.“ Es ist seine erste Saison draußen, der Aufgabenbereich bleibe aber der gleiche. „Aufpassen müssen wir immer“ – wenn das Freibad voll ist, dann sogar noch genauer. „An solchen Tagen wie heute hat die Wasseraufsicht oberste Priorität“, wirft Marc Fest ein und deutet auf das mittlerweile volle Attraktionsbecken.

Im Strudel wird’s gefährlich

Im runden Bereich wirbelt der Strudel die Badegäste durch das Wasser. „Ab wann darf man da rein?“ fragt ein kleines Mädchen. „Wenn man schwimmen kann, der Strudel tobt schon ordentlich“, erklärt Fest. „Kann man da untergehen?“ „Wenn man nicht aufpasst, ja.“ Mit großen Augen zieht das Mädchen von dannen – den Strudel besucht es vielleicht ein anderes Mal.

Die achtjährige Jolina ist mit Oma Manuela Kohl schon mittendrin, sie hat schließlich das Seepferdchen. Aber beinah wären ihre roten Liegetücher in der Badetasche geblieben. „Wir haben uns verirrt und wären fast wieder umgedreht.“ Aber dann hat Oma Manuela den Weg doch noch gefunden. „Ein paar mehr Wegschilder wären schon nicht schlecht“, sagt Manuela Kohl.

Besser als jedes Solarium

Die Aussicht entschädigt dann aber doch. „Es ist so schön hier, mit dem Blick direkt auf den Rhein.“ Zwei Stündchen wollen sie noch bleiben – „länger!“, verlangt Jolina. „Okay, dann vielleicht noch ein bisschen länger.“

Kerstin Steves packt derweil ihre Tasche, die Arbeit ruft. Die 48-Jährige ist Stammgast im Bad. Ist die Freibad-Saison eröffnet, versucht sie mindestens alle zwei Tage ihre Bahnen zu schwimmen. „Das Becken ist so schön lang und man wird so schnell braun. Das ist besser als jedes Solarium.“ Stolz präsentiert sie die ersten Badeanzug-Abdrücke und lacht. Kerstin Steves hofft auf eine gute Saison, denn wenn das Freibad schließt, zieht sie wieder die Joggingschuhe an. „Aber danach ist man immer so kaputt. Nach dem Schwimmen fühlt man sich erfrischt.“ Bis dahin lässt sich die Sonne hoffentlich noch ein paar Mal mehr sehen.