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Kriminalität

Üble Betrugsmasche mit angeblichen Lottogewinnen

20.11.2012 | 22:00 Uhr
Üble Betrugsmasche mit angeblichen Lottogewinnen
Foto: Knut Vahlensieck

Wesel/Hamminkeln. Die Ermittlungen waren komplex und langwierig, doch inzwischen ist die Polizei einer Gruppe von Geschäftsleuten auf die Spur gekommen, die in großem Stil durch angebliche Lottogewinne viele Menschen um ihr Geld gebracht haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Ein vor kurzem verstorbener 66-jähriger Mann aus Hamminkeln, seine 42- und 44-jährigen Söhne aus Issum und Hamminkeln, der 48-jährige Justiziar, Verantwortliche eines Inkassounternehmens sowie zwei als Strohmänner eingesetzte Geschäftsführer stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen.

220 Strafanzeigen

Die Untersuchungen wurden in Gang gesetzt, nachdem Anfang 2009 bei der Polizei in Wesel insgesamt 220 Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen einer Firmengruppe mit Sitz in der Weseler Innenstadt wegen unberechtigter Lastschrifteinzüge für die Teilnahme an einem Lottospiel eingegangen waren. Die Opfer, vorwiegend ältere Menschen, gaben an, durch Callcenter-Mitarbeiter angerufen worden zu sein. Da sei ihnen mitgeteilt worden, dass sie eine Teilnahme an einem kostenlosen Lottospiel gewonnen hätten. Zur Überweisung des Gewinns sollte die Bankverbindung preisgegeben werden. Im Gespräch wurde jedoch auch zur Teilnahme an einem kostenpflichtigen Gewinnspiel übergeleitet. Das Geld dazu wurde bei den Betroffenen durch ein Lastschriftverfahren abgebucht. Opfer, die die Lastschriften von ihrer Bank zurückbuchen ließen, bekamen eine Mahnung durch ein Inkassounternehmen, das in die Firmengruppe eingebunden war.

Nach Durchsuchungen der Firmenräume in Wesel sowie der Privatwohnungen der Beschuldigten stellte die Polizei Unterlagen und Computer sicher. Für die ermittelnden Beamten und die Staatsanwaltschaft ergab sich der Verdacht, dass Gewinne der Spielgemeinschaften durch die Beschuldigten veruntreut wurden. Weiterhin bestehe der Verdacht, dass eingezogene Lastschriften in Millionenhöhe für die Teilnahme am Lottospiel zur Deckung der Firmenkosten und private Zwecke eingesetzt worden sind. Auf Nachfrage der NRZ teilte die Polizei mit, dass der 66-Jährige auch Geld eines als gemeinnützig anerkannten Verein veruntreut haben soll, dessen Vorsitzender er war.

Stromanbieter verkauft Kundendatei

Birgit U. (Name geändert) hat die Praktiken des Callcenters an der Viktoriastraße erlebt. Die Dinslakenerin war eine von acht bis zehn Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die Bankdaten zur in Aussicht gestellten Prämien- bzw. Gewinnausschüttung habe man oft gar nicht erfragen müssen: „Die kann man kaufen“, hat Birgit U. erfahren. Und auch die Angaben über mögliche Opfer seien leicht zu haben gewesen. Unter anderem habe ein Hamburger Stromanbieter seine Kundendatei missbräuchlich weiterverkauft.

Einverständnis auf Band aufgezeichnet

Das Einverständnis der Angerufenen sei auf Band aufgezeichnet, ihnen seien jeweils 49 Euro als Spieleinsatz abgebucht worden. Die ganze Sache sei in mehreren Abteilungen - von der Animation bis zur Mahnung - ausgeklügelt organisiert gewesen. „Wir mussten Leute anrufen und 1200 oder auch 2000 Euro als alte Spielschulden zurückfordern“, schildert Birgit U.

Der Job habe sie psychisch sehr belastet, aber sie sei wie ihre Kollegen dringend auf den Verdienst angewiesen gewesen. Als die Gehaltszahlungen Anfang des Jahres ausblieben, zogen mehrere von ihnen vors Arbeitsgericht. 1200 Euro habe sie noch zu bekommen, sagt Birgit U. Die betroffene Firma ist nach Angaben der Polizei insolvent.

NRZ Wesel



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