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Stuntman aus Schermbeck prügelt, brennt und fliegt

02.09.2009 | 15:18 Uhr
Stuntman aus Schermbeck prügelt, brennt und fliegt

Schermbeck. Einen Mann, der mit Steven Spielberg dreht, bei Derrick zu sehen oder eine feste Größe in sämtlichen Serien der ARD-Krimireihe „Tatort" ist, muss man normalerweise nicht mehr vorstellen. Doch Michael Mohr ist in Film- und Fernsehproduktionen so etwas wie „der unsichtbare Star".

Er ist Stuntman. Seinen Job übt der Schermbecker seit fast 30 Jahren aus und ist davon nach wie vor fasziniert: „Was Geileres gibt es nicht. Prügeln, brennen, durch die Luft fliegen, Autos kaputt fahren - das ist wie ein Spielplatz für Erwachsene."

Stuntman Michael Mohr stürzt sich in die Tiefe, ängstlich beobachtet von WAZ Volontär Christoph Winkel (Foto: Franz Meinert)

Anfang der 80er Jahre dachte sich der gebürtige Ludwigshafener und gelernte Kunststoffschlosser: „Das kann nicht alles gewesen sein." Er reist nach Bangkok und lernt dort einen Stuntman kennen. Dessen Erlebnisberichte faszinieren ihn. Doch wo lernt man so was? Aus lauter Verzweiflung schreibt er einen Brief an die Jugendzeitschrift Bravo. Die Antwort flattert prompt ins Haus: Sascha Borysenko hat in Ingolstadt genau so einen Laden.

Durchgehalten

Zwei Jahre lang lernt Mohr dort das kleine und große Einmaleins des Stuntmans - „von maximal tätowierten Leuten mit Kosakenbart, die geschätzte 250 Jahre Knast auf den Schultern haben". Was dabei viel zu kurz kommt, ist die Sicherheit. „Ich hatte mehr Glück als Verstand, dass mir nichts passiert ist", berichtet der 52-jährige Schermbecker.

Er versucht es als Selbstständiger. Die ersten Jahre sind hart. „Du holst dir blaue Flecken und eine blutige Nase, bekommst aber so gut wie keine Kohle. Ich habe ständig ans Aufhören gedacht", gibt Mohr zu. Doch Ehefrau Beate, mit der er seit 23 Jahren glücklich verheiratet ist, baut ihn immer wieder auf. Irgendwann müsse sich der Aufwand doch lohnen. Und ihr Mann „trainiert, trainiert und trainiert”. Er will „besser sein als die vielen Pfuscher auf dem Markt".

Stuntman Michael Mohr mit Sohn Nikolai, der Im Movie Park schon mal einspringt (WAZ-Bild: Franz Meinert)

1983 sucht Pina Bausch für ihr Wuppertaler Tanztheater einen Schauspieler mit Stunt-Fähigkeiten. Michael Mohr entscheidet sich für den Schritt in den Westen und tourt noch heute mit dem Stück „Nelken" durch ganz Europa. „Das begleitet mich mein ganzes Leben", sagt er.

Großer Schalke-Fan geworden

1987 folgt ein Angebot von Bavaria in München. Die neuen Kabelsender bieten eine Reihe neuer Action-Serien an und brauchen fähige Stunt-Leute. Zudem baut Mohr mit seinem damaligen Geschäftspartner Mac Steinmeier in der bayrischen Landeshauptstadt eine Stuntshow auf.

1991 folgt er der Bavaria in den Filmpark nach Bottrop-Kirchellen, um die Stuntshow „Schimanski City" auf die Beine zu stellen. Mit seiner Frau und den drei Kindern zieht er nach Schermbeck. Zwei Jahre später übernimmt der US-Filmgigant Warner den Park und legte ihm ein Angebot vor, das er dankend und müde lächelnd ablehnt. Doch das Ruhrgebiet verlassen möchte er nicht mehr: „Hier spielt das wahre Leben. Ich mag die direkte Art der Menschen.” Und er ist großer Schalke-Fan geworden.

Konzept für Stuntshow im Movie-Park geschrieben

Stuntman Michael Mohr. (Foto: Franz Meinert)

Als Stuntman hat er sich einen Namen gemacht. Neben Angeboten von Film und Fernsehen bat ihn der Showdirektor des Movie-Parks um ein Konzept einer neuen Stuntshow. „Ein toller Job direkt vor der Haustür" für Mohr. Er schrieb ein Drehbuch und castet seither Talente, die in der „Crazy Action Stuntshow" acht Monate im Jahr auf der Bühne stehen.

Ans Aufhören denkt er nicht. „Erst wenn meine Kinder sagen: Papa, wir können es nicht mehr mit ansehen, ist Schluss", sagt er.

Christoph Winkel

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