Spannende Zeitreisen
11.09.2008 | 20:35 Uhr 2008-09-11T20:35:21+0200GESCHICHTE. Zum Tag des offenen Denkmals geht es am Sonntag zum Schloss Diersfordt und zum Museum in Bislich.
WESEL. Eine Reise in die Vergangenheit möchte mancher unternehmen. Auf dem mittelalterlichen Wochenmarkt einkaufen, aus der Zitadelle Ausschau halten oder beim Besuch des Kaisers in vorderster Reihe stehen - all dies hätte seinen Reiz, ist aber nun mal unmöglich. Dafür kann mit etwas Phantasie beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, einiges erlebt und gelernt werden. In Wesel besteht an vier Orten die Möglichkeit, in die Geschichte einzutauchen. So im Diersfordter Schloss. Dort führen Schlossherrin und Schlossherr persönlich über das Anwesen, und zwar um 12 und 16 Uhr. Es gibt Infos über den aktuellen Stand und die Zukunft des Schlosses. Laut Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sollen Ende des Jahres die ersten Gäste in den Räumen des Haupthauses übernachten. Zudem würden dann auch die Arbeiten an der Remise gegenüber fortgeführt.
Ausstellung "Wesels Festung"
Auch die Orangerie wird geöffnet und eine kleine Zeitreise möglich sein. Fotos dokumentieren die Zeit der gräflich geführten Herrlichkeit. Im Eiskeller vor dem Schloss können die Weseler derweil schauen, ob das Haus, in dem sie wohnen, möglicherweise auf Festungsresten steht. Dort wird passenderweise noch die stadtgeschichtlich-archäologische Ausstellung "Wesels Festung" präsentiert - konzipiert von Bernd von Blomberg vom Heimatverein Diersfordt und Festungsforscher Josef Vogt.
Schließlich war Wesel einst die bedeutendste Stadt im Herzogtum Kleve. Der Befehl zum Festungsbau kam 1680. Hier sollte der Versorgungs- und Waffenplatz sein, mit 3000 bis 5000 Soldaten zum Schutz des Rheinübergangs. Rund um die Stadt war alles dicht, bis auf die vier Tore. Doch sie wurden später zum Problem, wie die im Juni 1885 durchgeführte einwöchige Verkehrszählung am Berliner Tor ergab. Täglich verließen hier 3124 Menschen die Stadt. Es gab Staus, die dazu führten, dass die Tore abgerissen wurden.
Wer mehr wissen will, kann sich eine der beiden Führungen mit von Blomberg anschließen, die um 11.30 und 15 Uhr beginnen. Auf den üblichen Eintritt wird verzichtet. Der Eiskeller kann von 11 bis 17 Uhr besucht werden. Auch die städtische Denkmalpflegerin Alexandra Kelemen ist da. Sie weist darauf hin, dass Besucher die ausgeschilderten Parkplätze nutzen sollen. Das gilt auch für die Besucher des Konzerts in der Schlosskirche, das um 19 Uhr beginnt. Der Ökumenische Jugendchor Hiesfeld, Oechor genannt, tritt auf. Tagsüber gibt es in der Kirche nach dem Gottesdienst einen Bücherstand mit christlicher Literatur und nachmittags erklingen kleine Barockstücke, wie die Evangelische Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren mitteilt.
"Frank & Frei - Frühmittelalter am Niederrhein", heißt es von 10 bis 18 Uhr im Bislicher Museum. Es gibt einen Einblick ins Leben der Franken und stündliche Führungen durch die Sonderausstellung und zum fränkischen Gräberfeld. Im Innenhof demonstriert der Otilia-Clan die Woll- und Hornverarbeitung, eine Einführung ins Bogenschießen steht auch an. Der Eintritt kostet drei Euro, die Familienkarte ist für sieben Euro zu haben.Zum Tag des offenen Denkmals, der unter dem Motto "Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung" steht, öffnet Sonntag auch der Willibrordi-Dom. Von 11.30 bis 18 Uhr sind Turmbesteigungen und Kurzführungen möglich. "Auf der Suche nach den Spuren der Zeit, gibt es in Wesels alter Stadtkirche Interessantes zu entdecken", sagt der Vorsitzende des Dombauvereins, Karl-Heinz Tieben. Bücherfreunde finden ein Antiquariat, und es kann ein Blick von der Turmgalerie auf die Stadt geworfen werden. Im Turmzimmer stehen die Modelle der Wasserspeier und des im mittelalterlichen Stil wieder aufgebauten Glockenstuhls. Durch die Dachräume werden kleine Gruppen geführt, und zwar um 12, 14 und 16 Uhr.
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