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Hansefest

Späte Schülerinnen eines Genies

25.10.2009 | 18:23 Uhr

Wesel. Auch dieses Hansefest hatte wieder einen besonderen Akzent: eine Malschule der Renaissance entstand am Berliner Tor. Leonardo da Vincis späte Schülerinnen sorgten hier für besondere Farbtupfer.

Unter dem Berliner Tor spendeten Kerzen schummriges, flackerndes Licht. Auf wackeligen alten Schreibpulten lagen Federn und schweres Papier, die Luft roch nach Farbe. Kaum ein Wort wurde gewechselt unter den sieben jungen Frauen in ihren langen, rot-schwarzen Gewändern, die sich in dem stimmungsvollen Ambiente verteilt hatten und mit Hingabe auf großformatige Leinwände pinselten. Wer sich in das Gewölbe wagte, befand sich in einer Malschule der Renaissance: der Scuola Leonardo.

Schülerinnen des Andreas-Vesalius-Gymnasiusms, die den Kunst-Leistungskurs belegen, hatten sich zusammen mit ihrer Lehrerin Beate Florenz-Reul dazu entschlossen, den Besuchern des Hansefestes vor Augen zu führen, unter welchen Bedingungen die Künstler der Renaissance ihre Werke schufen. Sie alle hatten sich für Motive von Leonardo da Vinci entschieden - von der Mona Lisa bis hin zu anatomischen Skizzen.

„In der Renaissance kam erstmals die Idee des Genies auf, da wurde das Malen zum Beruf. Vor dieser Zeit war Malerei lediglich ein Handwerk; die Künstler signierten ihre Werke nicht einmal”, erklärte Beate Florenz-Reul.

Freya Neumann, die zu ihrem historischen Gewand „Schillerlocken” trug, balancierte mit Palette und Pinsel auf einer hohen Leiter, um eine riesige Madonnen-Darstellung an die Wand zu malen. „Vielleicht wird es bis morgen fertig”, hoffte die junge Künstlerin aus schwindeliger Höhe.

Unterdessen trug Sarah Fabricius noch ein wenig Farbe auf Mona Lisas Teint auf, während Hannah Trippe an einer Pferdeskizze arbeitete. „Als Mann wäre es sicher cool gewesen, in dieser Zeit zu leben”, vermutete sie. Und vor allem hätte sie als Frau nicht schaffend vor einer Leinwand gestanden. „Frauen durften damals nicht malen”, so Beate Florenz-Reul.

Ludwig Maritzen, zweiter Vorsitzender der Hansegilde, überzeugte sich in zeitgemäßem Gewand davon, dass seine Idee gut in die Tat umgesetzt wurde: „Es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.” Und sogar der Meister höchstselbst war da - verkörpert von Simon Steffen. Besucherinnen und Besucher durften an einem grob gezimmerten Tisch das berühmte Abendmahl nachstellen.

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