Sozialberatung stark nachgefragt

Kreis Wesel..  Die Nachfrage boomt: Um mehr als 1000 ist die Mitglieder-Zahl des VdK-Kreisverbandes seit 2014 angestiegen, der im vergangenen Jahr rund 10 000 Rechtsberatungen durchgeführt hat. Die Sprechstunden sind überlaufen. Der Sozialverband hat großen Zulauf, weil er immer mehr soziale Aufgaben in den Städten und Gemeinden anfallen und weil er sich sozialpolitisch engagiert, wie der Kreisverbandsvorsitzende Horst Vöge vor dem Kreisverbandstag am Samstag ab 10 Uhr in der Weseler Niederrheinhalle sagt. Die demografische Entwicklung spielt dabei eine große Rolle.

Der VdK-Kreisverband am Niederrhein umfasst die Kreise Kleve und Wesel sowie die Stadt Duisburg und zählt fast 22 800 Mitglieder, die in 54 Ortsverbänden organisiert sind. Landesweit ist er der zweitstärkste Kreisverband und einer von dreien, die eigenständig Klageverfahren führen dürfen. Dies tut er mit beachtlichem Erfolg: Rund 1,6 Millionen Euro an Nachzahlungen aus Antrags- Widerspruchs- und Klageverfahren hat er 2014 erstritten. Gut 48 Prozent davon sind bei den Mitgliedern angekommen. Die gesetzliche Rentenversicherung und das Schwerbehindertenrecht machen zusammen rund 85 Prozent der Verfahren aus. Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung kommen hinzu.

An 17 Orten, davon fünf im Kreis Wesel und sieben im Kreis Kleve, führt der Kreisverband regelmäßig Sprechstunden durch. Besonders intensiv in den Räumen der Caritas am Weseler Bahnhof, wo die beratenden Juristen sich montags zwischen 11 und 17 Uhr kaum eine Pause gönnen können. Um die 800 ehrenamtliche Kräfte sind in den Ortsvereinen aktiv, die auch Krankenbesuche oder Fahrradtouren organisieren. Ehrenamtler begleiten die Beratungen, helfen, Anträge etwa für Behindertenausweise zu stellen, prüfen Bescheide. Geschult werden sie dafür und auch für den Kontakt mit Behörden, wie Vöge und VdK-Geschäftsführer Robert Walter sagen.

Laut Satzung soll der VdK Einfluss nehmen, und das tut er. Die Entwicklung in den Kommunen bietet dafür zunehmend Aufgabenfelder - insbesondere auch angesichts der älter werdenden Gesellschaft. Ein großes Thema ist die Barrierefreiheit im Zusammenhang mit Wohnen, Verkehr und Versorgung, bei Sport-, Bildungs- und Kulturangeboten. Altersarmut, bezahlbarer Wohnraum, Förderung des Ehrenamtes, die Einrichtung von Behinderten- und Seniorenbeiräten sind weitere Felder. Mit Politikern ist das Thema Inklusion erörtert worden. Praktische Alltagsdinge wie die Lesbarkeit von Fahrplänen spielen eine Rolle, und der VdK stellt auch die Frage: Wie bringen wir unsere Beratung zu den immer mehr werdenden Menschen mit Demenz?

Der Sozialverband, der praktisch keine Fördermittel erhält und insofern völlig „frei im Kopf“ (Vöge) agieren kann, kooperiert mit Einrichtungen wie Caritas, Diakonie. Der Umgang mit Behörden und anderen Einrichtungen reicht laut Vöge „von verbindlich bis unangenehm“.