„Sie sind unsere Zukunft“

Wesel..  Da sag’ nochmal jemand, Jugendliche interessierten sich nicht für Politik. Wer am Freitag in den Ratssaal kam, blickte fast ausschließlich in junge Gesichter. Dabei lag der Anlass der Sitzung 70 Jahre zurück, als der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 endete, waren selbst die meisten Eltern der dort versammelten Schüler noch nicht geboren. „Es ist beachtlich, dass sich junge Menschen mit Ereignissen auseinandersetzen, die sich lange vor ihrer Zeit ereigneten“, würdigte Heike Kemper als Kulturbeauftragte der Stadt den jugendfrischen Einsatz für das Gedenken an einen Krieg, der Wesel geprägt habe. „Sie sind unserere Zukunft. Deshalb ist diese Ausstellung zukunftsweisend.“

„70 Jahre Frieden“ war der Abend übertitelt, versammelt waren Schüler des Konrad-Duden- und Andreas-Vesalius-Gymnasiums. Sie hatten sich im Kunstunterricht mit dem Thema auseinandergesetzt. Doch bevor man einen Blick auf die Fotos und Skulpturen werfen konnte, wurde mit Gästen aus Rats- und Landtagspolitik dem Kriegsende gedacht. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp zitierte aus einer Rede Richard von Weizsäckers von 1985, erinnerte an 60 Millionen Tote, die der Krieg forderte. Und: „Seit 70 Jahren leben wir in Deutschland in Frieden, Freiheit und Wohlstand.“

Im Anschluss schoben sich die Gäste durch die Kunstausstellung. Die jungen Leute des AVG präsentieren eine Mischung aus Fotografie und Theater. Für die Schau zogen sie Uniformen verschiedener Nationen an, posierten vor Weseler Gebäuden, fotografierten sich gegenseitig. Einige Sätze schildern ihre Empfindungen: Da steckt ein Junge im Marinemantel eine Blume in den Kranz des jüdischen Ehrenmals. Ein paar Schritte weiter befürchtet Fabian, „alle, die jetzt vorbeigehen, an den Krieg zu erinnern.“

Die Bildhauer des KDG lassen Skulpturen aus Pappmache Geschichte(n) erzählen. Die Plastiken krümmen sich, schützen ihr Hab und Gut, aber sie helfen und stützen sich auch. In einer Vitrine begegnet man den „Drei Phasen des Krieges“: Depression, Hoffnung, neuer Mut. Drei Figuren halten die Hände vors Gesicht, kauern sich zusammen - und stehen schließlich wieder auf.