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Sie lehrt andere singen und ist glücklich

03.09.2014 | 06:00 Uhr
Sie lehrt andere singen und ist glücklich
Angie Damschen (rechts) mit ihrer ehemaligen Schülerin Michelle Weist.Foto: Markus Weißenfels

Hamminkeln.   Angie Damschen hat schon als Kind angefangen, Background gesungen, mit der Gruppe Wind, für Schalke, mit Michael Wendler und Mickie Krause. Ihr VCN-Studio in Ringenberg lockt Schüler auch von weit her.

Großer Auftritt für Michelle. Die 18-Jährige rückt das Mikro zurecht, streicht das lange dunkle Haar aus dem Gesicht und räuspert sich. Die ersten Töne von Ria Oras „How we do“ erklingen. Michelle singt schön, aber es geht ja immer noch ein bisschen besser. Das ist der Job von Angie Damschen. Sie kommt um das Klavier herum, stellt sich leise hinter die junge Frau und korrigiert sanft ihre Haltung: Kopf hoch, Hals und Rücken gerade. Der Atem muss fließen. Singen, sagt Angie Damschen, ist auch eine Sache der Körperspannung. „Jeder kann das lernen, man muss nur wollen und sich trauen.“ Seit zweieinhalb Jahren betreibt die 46-Jährige in Ringenberg ihr Gesangsstudio „Vocal Coach Niederrhein“ (VCN). Schüler kommen bis aus Aachen, Köln und dem niederländischen Nimwegen.

Angie Damschen macht Pause. Ihre nächste Schülerin erwartet sie erst am frühen Nachmittag. Die neunjährige Stella, die jüngste im Bunde der VCN-Nachwuchstalente, hat abgesagt, und so ist Zeit zu reden. Aktuell bestimmt das Vocal-Coach-Studio das Leben der gebürtigen Duisburgerin. Außerdem unterrichtet sie an Schulen und schreibt für ein Musikmagazin.

Beruflich angekommen

2012 hat sich Angie Damschen in Hamminkeln selbstständig gemacht. Mit Existenzgründungskredit und allem Drum und Dran. Heute sind 26 Schülerinnen und Schüler regelmäßig mit dabei. Zusätzlich 30 bis 40 mit Zehnerkarten-Abos. Soeben hat sie einen Vocalchor gegründet, für den sie die Werbetrommel rührt („Der einzige für Rock und Pop im Kreis Wesel“). Außerdem steht ein Auftritt ihrer Schüler auf dem Programm. Am 27. September singen sie im Weseler Kulturspielhaus Scala. „Ich bin beruflich angekommen: glücklich, zufrieden und zu 99 Prozent ausgelastet“, sagt die lebhafte Brünette mit den Sommersprossen. Inzwischen macht sie ihr Handy abends aus, „sonst hört das ja nie auf.“

Information
Konzerttermine

Die VCN - Vocal Coach Niederrhein Night“ findet am 27. September um 19 Uhr in Wesel im Kulturspielhaus Scala , Wilhelmstraße 8-10, statt. Auf dem Programm stehen Rock-, Pop- und Soul-Songs ehemaliger und aktueller Schüler. Es gibt keinen Vorverkauf. Tickets kosten 7 Euro.

Angie Damschen unterrichtet in ihrem Studio VCN Vocalcoach Niederrhein an der Hauptstraße 30a in Hamminkeln. Die Zehnerkarte kostet 370 Euro. Weitere Infos unter 02852/8892347 (Mo, Mi, Do, Fr 10 - 17 Uhr). Hier gibt es auch Wissenswertes zum Vocalchor-Projekt „Kreativ-Voices“.

Neulich haben die von RTL angerufen. Redakteure suchten Mitspieler für die Talent-Shows „Rising Stars“ und „DSDS“. Denen hat Angie erstmal die Meinung gesagt: Castings, schön und gut, aber so wie in den USA läuft das hier wohl nicht, hat sie gewettert: „Da wird eine Leona Lewis geboren und getragen.“ Dagegen gebären deutsche Contests Eintagsfliegen. In der Regel rät sie ihren Schülern ab. „Du bist nicht mehr als ein Produkt“, sagt sie dann.

Kopfstimme, Bruststimme, Atem- und Stütztechnik heißen die Säulen ihrer Arbeit. Und das seit 35 Jahren. Angie kommt ins Plaudern. Bereits ihr Opa trat mit „Paulchen“ Kuhn auf, die Mutter hat zu Hause pausenlos gesungen. Und Angie verliebte sich bereits in jungen Jahren in einen Bassisten. Die Weichen waren gestellt, der Plan stand fest: Sie wollte rein ins Showbiz.

Am Anfang Tina Turner

Mit zwölf schaltete sie eine Zeitungsanzeige („Sängerin sucht Band“) und fand erste Mitspieler. „Da stand ich dann und schmetterte Tina Turner.“ Angie Damschen sang mit verschiedenen Bands im Vorprogramm von Joe Cocker, Hermann Brood, Nina Hagen und den Toten Hosen. Mit 18 Jahren wurde sie von einem Tonstudio als Backgroundsängerin gebucht. Höhepunkt war eine Aufnahme mit La Toya Jackson. „Das hat mich so berührt. Ich war hin und weg.“ Die Diva selbst war an jenem Tag nicht da. Sie shoppte in Paris. Als sie die Aufnahme hörte, rief sie: „O, that’s an American!“ Nö, winkten die Studiobetreiber ab. „That’s Angie from Hamminkeln“.

Der Background-Gesang wurde ihr Standbein. „Sie wissen schon, der Refrain, die ganzen Uhh’s und Ahh’s“. Angie Damschen nahm Fan-Lieder für Schalke auf. Sie sang mit Mr. Ballermann Mickie Krause, mit Michael Wendler, Peter Petrel und Graziano. Dann war sie zwei Jahre lang Mitglied der Gruppe „Wind“. Sie zieht die Nase kraus. „Eigentlich singe ich Soul, keine Schlager.“ Und sie schmettert los mit ihrer großen Stimme: „Lass die Sonne in mein Herz.“ Dass sie mal eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht hat, erwähnt sie nur am Rande: „Meiner Familie zuliebe.“

Trotzdem: Etwas Grundsolides ist ihr geblieben. Vielleicht deshalb ist es nichts geworden mit der großen Show-Karriere. „Aus dem Koffer leben und nur zum Waschen nach Hause fahren - dafür bin ich nicht gemacht. Irgendwann geht dir der Realitätssinn verloren, dann vergisst du, dass du genau so ein Mensch bist wie dein Nachbar.“

Vielen Starthilfe gegeben

Michelle ist da. Michelle ist 18. Gemeinsam geht es ins Studio. Ein behaglicher Raum, ein bisschen Techniktempel, ein bisschen gute Stube. Zwischen alten Möbeln stehen Keyboard und Klavier. Auf dem Boden: ein Plakat einer Schülerin. Mandy, 16, hat soeben ihren ersten Song veröffentlicht: „I won’t give up.“ Angie Damschen lächelt glücklich. Viele ihrer Sänger haben mittlerweile eine Band und treten auf, erzählt sie, darunter der Frontmann der Rockband Flash Forward. Sie sieht stolz aus, so als ginge es noch einmal um den eigenen Weg zum Ruhm.

Petra Kuiper

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2014-09-03 06:00
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