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Setzt Wesel auf die nette Toilette?

01.09.2008 | 18:51 Uhr

SERVICE. Hanne Bußmann hat ein Lösungsmodell für ein Dauerproblem im Sauerland aufgetan. Das fordert die SPD nun ein. Die Stadtverwaltung arbeitet derweil an einer eigenen Lösung.

Parken ja, aber andere - dringende- Bedürfnisse lassen sich am Kaufhof seit geraumer Zeit nicht mehr befriedigen: Die öffentliche Toilette dort ist dicht. (Foto: Markus Joosten)

WESEL. Neben Müll und Taubenplage ist es ein Top-Thema in der Weseler Innenstadt: Die Frage, wo man kann, wenn man mal muss. Seit Jahren wird nach öffentlichen Toiletten gefragt. Es gab Lösungsansätze, aber dauerhaft wurde das dringende Bedürfnis bislang nicht befriedigt. Im Sauerland hat Hanne Bußmann ein Modell entdeckt, das auch hier für Abhilfe sorgen könnte: die "nette Toilette".

Die lange Einkaufsachse vom Dom bis zum Bahnhof macht das Problem nicht gerade kleiner. Am Kaufhof wurde eine öffentliche Toilette geschaffen, aber die ist geschlossen. 35 000 Euro, heißt es, würde es kosten, sie zu reaktivieren. Am Bahnhof hatte man hinsichtlich stiller Örtchen auf die Markthallen-Pläne gesetzt. Nimmt man die Toilette am Großen Markt hinzu, wäre indes selbst mit diesen drei Stationen im Bedarfsfall oft einiges an Trippelschritten nötig.

Wie man ein dichteres Netz allgemein zugänglicher Toiletten schafft, ist in etlichen deutschen Städten und Gemeinden zu sehen. Unter anderen im sauerländischen Marsberg, wo Hanne Bußmann die "netten Toiletten" entdeckt hat. Sie hat das Thema jüngst in den SPD-Ortsverein Wesel Ost getragen, und ihr Mann Wilhelm hat gemeinsam mit seinem Ratskollegen Peter Tebbe bei der Bürgermeisterin Ähnliches für Wesel beantragt.

In Hattingen oder Detmold haben sich Einzelhändler und/oder Gastronomen bereiterklärt, ihre Toiletten öffentlich zu machen. Teils behindertenfreundlich, wie für Wesel kürzlich vom Schermbecker CDU-Politiker Klaus Roth als Mitglied des Runden Tisches für ältere Menschen angemahnt. Teils auch mit Wickelmöglichkeiten für Kleinkinder. Ein Aufkleber macht die "netten Toiletten" kenntlich, die auch auf Innenstadtplänen etwa in Faltblättern vermerkt sind.

Finanziert wird der Service aus den Stadt- oder Gemeindesäckeln und zum Teil auch aus einem Obulus, den die beteiligten Händler bzw. Dienstleister erheben.

Das Angebot diene auch dem Image-Gewinn als Einkaufsstadt, meint Hanne Bußmann. Wenn ein Händler das in diesem Sinne nutzen wolle, müsse seine Toilette indes "auch wirklich nett" sein, sagt Sabine Ostrop, Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Hinsichtlich der in den Weseler Geschäften vorfindbaren Toiletten "gibt es Häuser, da würden Sie sich wundern, wo die Mitarbeiter hinlaufen", schildert sie die räumliche Situation. Sie glaubt, dass ein entsprechendes Angebot kaum ohne Umbauten machbar ist. "Mit der Belüftung fängt es an", sagt sie, weist auf die Einhaltung von Hygiene-Vorschriften und die Notwendigkeit eines ganztägigen Reinigungsdienstes hin. Nichtsdestotrotz hält sie den Vorschlag mit den "netten Toiletten" für überprüfenswert. Was Problemlösung und Umsetzung angeht, sieht Wilhelm Bußmann in der Sache auch "ein Betätigungsfeld für den City-Manager". Vielleicht braucht er nicht mehr aktiv zu werden: Die Stadtverwaltung stehe nach Verhandlungen vor einer System-Lösung, so die Bürgermeisterin. (jo)

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