Sehhilfen der besonderen Art

Blickfang: Das Bild des Monats Januar, Dietlinde Asmuss’ „Pforte des Himmels“.
Blickfang: Das Bild des Monats Januar, Dietlinde Asmuss’ „Pforte des Himmels“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im 100. Jubiläumsjahr präsentiert Pfarrer Klaus Honermann in der Ludgeruskirche jeden Monat ein anderes Kunstwerk. Besucher fordert er auf, näher zu treten und ganz genau hinzuschauen .

Schermbeck..  Denkt Pfarrer Klaus Honermann an seine ersten Kunsterlebnisse, fällt ihm das bunte Kirchenfenster ein, das er als Kind so gern betrachtete. Er konnte ewig darauf schauen. Vor allem die grüne Maria hatte es ihm angetan. Seltsam, überlegte er als kleiner Junge: Es gibt doch gar keine grünen Menschen. Erst später wurden ihm Zusammenhänge klar. Die Farbe grün symbolisierte die Hoffnung, die mit der Figur verbunden wird. Die Episode ist Klaus Honermann im Gedächtnis geblieben, schon weil sie exemplarisch zeigt, was Kunst vermag: Sie führt zur inneren Einkehr und fordert heraus, ohne jedoch verbindliche Antworten zu geben. Die Deutung liegt im Auge des Betrachters. „Ich war damals einem Geheimnis auf der Spur“, erinnert sich der Geistliche.

Seit rund sieben Jahren ist Klaus Honermann Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Ludgerus. Der Kunst ist er sein Leben lang treu geblieben - als Betrachter, aber auch als Maler und Fotograf. Da lag es nahe, zum 100. Kirchenjubiläum ein Kunstprojekt zu starten. 2015 präsentiert er in St. Ludgerus regelmäßig ein „Werk des Monats“, darunter Skulpturen und Gemälde, christliche und weltliche Motive, figürliche und abstrakte Arbeiten. „Sehhilfen“, sagt Honermann dazu.

Das Januarbild steht jetzt neben dem Altar. Ein Gemälde in blitzblauen Farben, die den schlichten großen Raum zum Leuchten bringen. Von der Seite her kommt Maria ins Bild, das Jesuskind trägt sie auf ihrem Arm. „Pforte des Himmels“ hat die Künstlerin, die Düsseldorfer Malerin Dietlinde Asmuss, ihr Werk genannt. Klaus Honermann hat seine Deutung gefunden. Für ihn mahnt das Bild, Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, aufzunehmen und nicht auszuschließen. „Wir sind als Kirche mittendrin im Leben“, zitiert er das Jubiläumsmotto.

Adventsbilder zum Auftakt

Mit dem Beginn des Kirchenjahres begann die monatlich wechselnde Kunstschau. Den Auftakt im Dezember gestaltete Klaus Honermann selbst. Er ließ seinen vierteiligen abstrakten Aquarellzyklus „Adventsbilder“ auf große Fahnen ziehen und platzierte ihn oben im Chor. Ein Blickfang der sanften Töne. Auf dem ersten Gemälde herrscht Dunkelheit - am Ende macht man ein Jesuskind, ein kleines Bündel, inmitten menschlicher Konturen aus. Kürzlich hat er mit Kindern über seine Arbeit gesprochen und wieder etwas dazu gelernt. Die Darstellung der Jesusfigur erinnere ihn an ein Schlüsselloch einer Geheimtür, sagte ein kleiner Junge. Honermann schmunzelt. Das ist eine Interpretation, mit der er sehr gut leben kann.

Er hat schon öfter Kunst in der Kirche gezeigt. 2010 etwa war in St. Ludgerus eine Ausstellung zum Thema Schöpfung zu sehen. Eine ideales Zusammenspiel, findet Klaus Honermann: „Kirche hat ja immer mit Kunst zu tun, mit Musik, Architektur, Malerei.“ Ihm gefällt diese Art „lebendiger Gemeindearbeit“. Besucher fordert er auf, näher zu treten und sich die Werke ganz genau anzuschauen.

Welche Arbeit er im Februar vorstellt, steht noch nicht fest. Es gibt eine Gruppe niederrheinischer Künstler, die sich bereit erklärt hat, mitzuwirken, darunter der Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann, Regina Schumachers, Brigitte Stüwe, Rosa Gabriel und die Schermbecker Künstlerinnen Regine Hagedorn, Beate Ernst und Slavica van der Schors. Klaus Honermann freut sich auf die Kunstbetrachtungen. Er verspricht „ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Alle Künstler haben einen anderen Zugang.“