Schwert im Heu war der Renner
01.11.2010 | 15:47 Uhr 2010-11-01T15:47:00+0100
Wesel.Einsam saß Ritter Ingo an der Feuerstelle. Der Regen vor dem Berliner Tor prasselte, die Glut war erloschen. Aber das Ritterfest beim Hansefest hatte noch gar nicht richtig angefangen.
Ritter Ingo hatte Samstagnachmittag Lagerwache und wartete auf Besuch. Die Zeit vertrieb er sich beim Polieren der Schwerter – junge Recken, denen er Geschichten aus dem Leben am Hof erzählen konnte, kamen nur wenige vorbei. Beim Ritterfest suchten diese Schutz im trockenen, warmen Gewölbe des Berliner Tors.
Dort war einiges los. An einer langen Tafel lauschten die Kinder Ragnitz dem Mundwerker, alias Reiner Laumann. Die Erzählung vom „Schneesee“ faszinierte sein Publikum. Doch was ist eigentlich eine „Schneeseerehkleefee“? Und warum sprechen die verkleideten Leute auf dem Hansefest so seltsam?
Gaukler und Schlendrian
Manuel Weber (8) und Henrik Bosse (11) war das herzlich egal. Sie waren abgetaucht in die mittelalterliche Welt und spielten gedankenverloren mit Ritter-Figuren und Pferden. Im Hintergrund gaben die drei Gaukler der Band Krambambule ihr bestes, das schlechte Wetter vergessen zu machen.
Tamino und Jeremias die Gaukler sowie Igor der Schlendrian heizten mit Flöte, Trommel und Laute den Knappen ein. Auf einem Bein hüpfend, tanzten die Kinder zur Musik. Gemütliche Atmosphäre breitete sich im Berliner Tor aus. Immer mehr Besucher drängten in das enge Gewölbe - auch, weil es einer der wenigen trockenen Orte auf dem Hansefest war.
Im Ritterlager bewachte Ritter Ingo immer noch das erloschene Feuer. Der Ur-Berliner fühlte sich vor „seinem“ Tor ein wenig heimisch. Ein Lächeln huschte über sein bärtiges Gesicht, als Manuel vor ihm stand. „Seid jegrüßet, junger Herr“, sagte er und versuchte, mit einer Mischung aus Berliner Großschnauze und Mittelhochdeutsch seinen Gast in ein Gespräch zu verwickeln. Manuel interessierte jedoch eher das große Schwert, das im Heuballen steckte. Nach all den Ritter-Geschichten fühlte sich der Achtjährige mit der Waffe in der Hand selbst wie ein Edelmann aus vergangener Zeit.
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