Schulpläne ernten Zustimmung und Kritik

Schulstandort Innenstadt: Wird sich hier bald Einiges ändern?
Schulstandort Innenstadt: Wird sich hier bald Einiges ändern?
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Weseler Gesamtschule will die Herausforderung einer Erweiterung mit Dependance annehmen. CDU und FDP attackieren Parteien-Bündnis

Wesel..  Für die SPD ist die Sache klar: „Der Rat wird beschließen“, sagt ihr Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest über das Konzept zur Entwicklung der Weseler Schullandschaft, das er gemeinsam mit seinen Kollegen von Grünen, Linken und WWW/Piraten vorgelegt hat. Zustimmung kommt von der Gesamtschule, Gegenwind von FDP und CDU.

Die genannten Parteien setzen auf eine Erweiterung der Gesamtschule mit Dependance in der Innenstadt, wo durch das Auslaufen der Martini-Hauptschule und eine Zusammenlegung der beiden Realschulen am Standort Nord dafür Platz geschaffen werden soll.

Den guten Geist erhalten

„Wir machen das. Wir nehmen die Herausforderung an.“ So hätten seine Kolleginnen und Kollegen einhellig reagiert, sagt Dirk Timmermann, Leiter der Gesamtschule Am Lauerhaas, als er ihnen die Pläne für eine Erweiterung der Schule auf acht Züge vorstellte. „Das wird natürlich eine große Schule, aber es gibt Beispiele, wo das geht“, sagt er. Vorteilhaft sei: „Wir haben ein Jahr Zeit, das vernünftig vorzubereiten.“ Ein zweiter Standort könne „eine sympathische Zwischenstation“ für die von den Grundschulen kommenden Fünft- und Sechstklässler sein, aber auch andere Varianten seien denkbar. Wichtig sei, „dass der Geist der Schule erhalten bleibt“. Sie erweitern zu wollen, zeuge auch von Anerkennung für die in ihr geleistete Arbeit. Eine Neugründung beinhalte Fragezeichen: „Es werden landläufig so viele Schulen gegründet, von denen man nicht weiß, was daraus wird“, sagt er.

Die CDU reagiert auf die Pläne mit Verwunderung. Hätten die kleinen Parteien ursprünglich nachdrücklich auf eine Elternbefragung gedrängt, so sei davon plötzlich keine Rede mehr. „Der Elternwille scheint - wie auch immer - innerhalb von zwei Wochen bereits ermittelt“, stellt CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Linz fest. Das Ergebnis des Arbeitskreises „Zukunftsdialog“ spiele offenbar keine Rolle mehr. Es werde seiner Fraktion ebenso vorenthalten wie die Einschätzung der Bezirksregierung. Linz greift damit auch die Stadtverwaltung an: Sie halte „wichtige Beratungsgrundlagen anscheinend bewusst zurück“.

FDP: Schließungen ohne Not

„Ohne aktuelle Not werden zwei gute Schulen geschlossen“, kritisiert die FDP: die Hauptschule Martini und die Realschule Mitte. Dabei habe sich die Hauptschule „gut gefangen“, erhalte zusätzliche Schüler aus Voerde und wolle eine weitere siebte Klasse aufmachen. Hiesige Unternehmer fragten für Einstellungen teils gezielt nach Hauptschülern. Und der Schulentwicklungsplan lasse einen Bedarf von vier, mindestens aber drei Realschul-Zügen erwarten. Die mühsam erarbeiteten Schulprogramme sollten nun für die Katz sein.

Der Elternwille, der sich in den Anmeldungen für diese beiden Schulformen widerspiegele, werde ebenso nicht berücksichtigt wie dies bei der Schließung der Grundschul-Schließung in der Innenstadt der Fall gewesen sei. Im konkreten Fall aber solle der Elternwunsch, mehr Gesamtschulplätze zu wollen, maßgebend sein - weil es ideologisch gewollt sei, so FDP-Fraktionsvorsitzender Bernd Reuther.

Durchlässiges Schulsystem

Das vielfältige, durchlässige Schulsystem brauche keine Änderung, sagt auch FDP-Schulexperte Jürgen Berner. Nicht angenommene Gesamtschüler fielen „nicht in ein schwarzes Loch“. Schulwechsler würden „gefördert und gehegt“.

Die Bezirksregierung sehe eine Dependance-Lösung als „genehmigungsrechtlich nicht unmöglich“ und deutlich sicherer an als eine zweite Gesamtschule, hat der städtische Schuldezernent Daniel Kunstleben von ihr am Mittwoch erfahren. Um das Gesprächsergebnis einzubeziehen, könnten Ausschuss-Infos erst heute an die Parteien gehen. Der Stadt sei an „stabilen Systemen“ gelegen. Da müsse man Trends betrachten.Schulforscher und die Bertelsmann-Stiftung belegten, dass der Hauptschulabschluss immer weniger Chancen eröffne.