Schnitt für Schnitt

Die fleißigen Nabu-Helfer der Kopfbaumpflegeaktion in Bislich.
Die fleißigen Nabu-Helfer der Kopfbaumpflegeaktion in Bislich.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kopfweiden in Bislich werden von Nabu und Helfern in die richtige Form gebracht. Naturpflege der besonderen Art zum Wohle von Meise, Rotschwanz und Steinkauz

Wesel..  Nach getaner Arbeit mit heißem Tee und leckeren Käsebrötchen verwöhnt zu werden, ist sicherlich nicht der Hauptgrund, warum am Samstag rund zehn Männer unter der Anleitung von Gregor Alms, Koordinator der Kreisgruppe Wesel vom Naturschutzbund (Nabu), am Rheindeich in Bislich dafür sorgten, dass das typische Symbol des Niederrheins beziehungsweise das Wappensymbol des Kreises Wesel die notwendige Pflege erhielt. Gemeint ist die für den Niederrhein so typische Kopfweide. „Es gibt aber auch Kopfeschen und Kopfeichen“, fügt Gregor Alms an.

Von 9.30 Uhr an bis in den Nachmittag machten sich Alms und die fleißigen Helfer ans Werk. Fünf Weiden und zwei Eschen warteten auf den notwendigen Astschnitt – alle Triebe und Äste werden entfernt – um die Kopfbaumform ausbilden zu können.

Mühsam mussten alle Äste den steilen Deich hochgetragen werden – da kamen die Helfer Bernd Schürmann (aus Diersfordt), Frank Ulbrich (Wesel), Andreas Schubert (Walsum) Siegfried Prochaska (Hamminkeln) und Johannes Schürmann aus Bislich ganz schön ins Schwitzen.

„Das ist ganz schön beschwerlich. Ich bin ja auch keine 15 Jahre mehr alt!“, scherzte Letzterer. Schon zum dritten Mal in diesem Winter war er als Helfer aktiv.

Die Kopfbäume am Niederrhein sind aber nicht nur schön für die Optik.

„Sie sind kleine Biotope“ – räumlich begrenzte Lebensräume für spezielle, angepasste Lebensformen – „für mehr als 200 Insektenarten ist der Baumhumus sehr wichtig.

Für die Brut von Meise, Rotschwanz und Steinkauz, der am Niederrhein übrigens sein größtes Verbreitungsgebiet hat sind die Kopfbäume bedeutsam“; erklärt Gregor Alms fachkundig.

Der Nabu Wesel bietet von November bis Februar (Zeitraum für den Baumschnitt) sechs Mal die Mitarbeit an diesem Naturschutzprojekt an. Natürlich werden alle Äste und Ruten einer sinnvollen Verwendung beziehungsweise Verwertung zugeführt.

So wird das geschnittene Astwerk in Diersfordt zu einer „Benjes-Hecke“ verarbeitet, die durch ihren langsamen Verrottungsprozess die Ansiedlung von Samen und damit den natürlichen Heckenwuchs befördert.

Ein anderer Teil geht zu Naturfreunden in Dinslaken, die daraus Tipis bauen. Und alle Holzreste der Baumschnittaktion werden zur Verfeuerung und Wärmegewinnung in einer Holz-Hackschnitzel-Heizung sinnvoll verwendet.