Schmuckstücke auf vier Rädern

Ingo Menkert (l.) und Ralf Vengels erwarten am Pfingstwochende Fahrer aus aller Welt. Die Wagen von VW wurden in den 70ern gebaut.
Ingo Menkert (l.) und Ralf Vengels erwarten am Pfingstwochende Fahrer aus aller Welt. Die Wagen von VW wurden in den 70ern gebaut.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ingo Menkert ist Chef des K70-Clubs. Pfingsten treffen sich Oldie-Fans aus aller Welt in Wesel.

Schermbeck/Wesel..  Da stehen wir uns gegenüber, beide Baujahr 1972, und Ralf Vengels lässt sich zu der Bemerkung hinreißen: „Ist doch schön, dass der Lack noch nicht ab ist.“ Der Mann aus Wesel hat Humor – und ein wirklich ungewöhnliches Auto, dessen Lackierung im 70er-Jahre-Farbton „Kasanrot“ man die 42 Jahre tatsächlich nicht ansieht. Was daran liegen könnte, dass das Schmuckstück auf vier Rädern, das den Namen K 70 trägt, möglichst nur bei gutem Wetter ausgefahren wird. Das gilt auch für das ein Jahr jüngere Modell in Türkis metallic, das Ingo Menkert gehört.

Weniger als 250 Stück

Der Schermbecker lässt den Motor an. Wer so ungeschickt ist, dass er direkt hinter dem Wagen steht, der merkt: Oldtimer kann man deutlich riechen. Eine Duftmarke, die für Ingo Menkert, den Vorsitzenden des 1. Internationalen K70-Clubs, eine ganz besondere Note hat. Weil sie aus dem Auspuff eines Wagens kommt, der sehr selten ist. „In ganz Deutschland gibt es davon weniger als 250 Stück“, sagt Menkert, der gemeinsam mit Ralf Vengels die beiden einzigen Modelle dieses Volkswagens aus den 70ern im Kreis Wesel fährt.

K-was? Eine Frage, die die beiden öfter hören, wenn sie über ihr Hobby sprechen. Das kantige Fahrzeug, das damals als erster VW mit Frontmotor und Wasserkühlung seinen großen Auftritt hatte, verschwand flott wieder vom Markt. Unter anderem deshalb, weil die markante Form nicht jedermanns Sache war. Ingo Menkert hingegen hat sich schon als Kind in die Optik des Wagens verguckt. „Die Eltern meines Spielkameraden hatten so einen“, erinnert sich der 44-Jährige. „Damals wusste ich schon, wenn ich groß bin, werde ich so einen haben.“

Gesagt, gefahren. 1990 kaufte sich der Schermbecker Versicherungsfachmann nicht nur seinen ersten eigenen K70, er wurde auch Mitglied im Club, als dessen Vorsitzender er jetzt zusammen mit seiner Frau Nadine und Ralf Vengels das jährliche Treffen organisiert hat. Zum ersten Mal in den 25 Jahren Vereinsgeschichte kommen die K70-Liebhaber Pfingsten in den Kreis Wesel. Vom 23. bis zum 25. Mai werden 25 Autos und 60 Personen aus aller Welt erwartet. Sie übernachten in Schermbeck, besuchen unter anderem das Traktorenmuseum Pauenhof in Sonsbeck und fahren von dort mit ihren Oldtimern in Kolonne zum Weseler Flugplatz Römerwardt, wo die Luftsportfreunde Wesel sie am Sonntag, 24. Mai, bei der Freizeitgestaltung unterstützen. Segelfliegen und Tandemsprünge mit dem Fallschirm stehen auf dem Programm.

Geht es bei solchen Treffen nicht um Autos? „Natürlich, auch, aber nicht nur“, sagt Ralf Vengels. „Früher nannte man sowas Parkplatztreffen, aber aus dem Alter sind wir raus.“ Die K70-Gemeinschaft ist mittlerweile bei ihrem Jahrestreffen eine freundschaftlich, gesellige Runde. „Da kommen Rentner und Kinder mit.“

Die Leidenschaft für diesen Oldtimer verbindet nicht nur über Landesgrenzen, sondern sogar über ganze Kontinente. Ingo Menkert hat schon Gleichgesinnte in Japan und Neuseeland besucht. „Das Tolle ist, dass man durch dieses Hobby überall Anlaufstellen hat.“ Und: Man ist eine Art Leidensgemeinschaft, da es für die Autos keine Ersatzteile mehr gibt. So wird gemeinsam getüftelt.

Ralf Vengels lässt sich auf den sofaweichen Sitz hinter dem Lenkrad sinken. Der rote K70 springt artig an und rollt von dannen. Durch das Heckfenster grüßt der Wackeldackel. Ein Original aus den 70er Jahren. Natürlich!