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Kälte

Schiffe liegen im Eis fest

09.02.2012 | 18:23 Uhr
Schiffe liegen im Eis fest
Dicke Eisschollen halten die „Virage“ fest im Griff. An Weiterfahrt ist momentan nicht zu denken. Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPool

Voerde.Draußen ist es bitter kalt. Der Wind pfeift um jede Ecke. Wo man auch hin schaut, überall ist Eis. Das Szenario ist nicht in der Arktis oder in Sibirien, man befindet sich an der Schleuse in Friedrichsfeld. Und genau dort geht nichts mehr. Beide Becken sind zugefroren. Hier möchte man sich bei diesem Wetter nicht gerne aufhalten. Doch wie steht es um die im Becken liegenden Schiffe? Wie vertreiben sich die Kapitäne die Zeit? Und wie lange müssen sie noch dort im Eis eingefroren warten?

William Leenmann liegt mit seinem Schiff „Virage“ seit Dienstag vor der Schleuse. Der holländische Kapitän wohnt mit Kind und Frau auf seinem Schiff. Auf den Gedanken, das Schiff zu verlassen, würde er nicht kommen: „Ich hätte ein schlechtes Gefühl dabei, wenn ich mein Schiff allein lassen würde. Es gibt einfach immer was zu tun.“

Langeweile kommt beim Seemann Leenmann nicht auf. Er nutzt die Zwangspause, um das Schiff rauszuputzen. Derzeit streicht er den Innenraum. Aber das ist noch nicht alles: „Vor allem die Elektronik ist bei diesem Wetter auf dem Schiff sehr anfällig. Man muss sie immer im Auge behalten und warten. Wir haben drei Stromgeneratoren. Die bringen Arbeit mit sich.“

Eisgeld entschädigt für das Warten vor der Schleuse

Für den Ernstfall ist Leenmann mit seiner Familie gerüstet. Das Trinkwasser reicht für drei Wochen und zur Not könnten sie in 90 Minuten bei den Eltern sein, um dort Unterschlupf zu finden.

Die Festsetzung im Hafen bedeutet aber keineswegs einen Verdienstausfall: „Im Vertrag zwischen dem Empfänger und mir ist festgehalten, dass wir in einem Fall wie diesem ‘Eisgeld’ bekommen.“ Viele Kollegen von Leenmann sind bei diesem Wetter erst gar nicht unterwegs: „Sie sitzen zu Hause und bekommen kein Geld.“ Für ihn ist das schlechte Wetter aufgrund des ausgeglichenen Verdienstausfalls ein Segen, daheim würde er nichts bekommen.

Auch abseits der Arbeit macht er sich mit seiner Familie eine schöne Zeit: „Wir waren schon in Wesel einkaufen. Einige Freunde von uns liegen hier auch im Eis. Da besucht man sich gegenseitig.“ Sechs Schiffe liegen derzeit rund um die Friedrichsfelder Schleuse. Nach Angaben des zuständigen Amtes bleibt die Schleuse bis einschließlich kommendne Sonntag gesperrt. Der Einsatz eines Eisbrechers ist für die nächsten Tage geplant.

Maximilian Löchter

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