Schermbecker Autor - Morgens Meyer, abends Reyem

Thomas Meyer schreibt unter dem Pseudonym S. K. Reyem
Thomas Meyer schreibt unter dem Pseudonym S. K. Reyem
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Schermbeck..  Klar, ist er stolz, sehr sogar - jetzt, wo alles fertig ist. Zwischendurch erlebte Thomas Meyer eine Gefühlspalette zwischen purer Freude und allergrößter Anspannung; Freude, weil ihm das Schreiben großen Spaß macht. Anspannung, weil sich das Redigieren der eigenen Texte als Schwerstarbeit entpuppte. Das ist jetzt Vergangenheit, sein erster Roman liegt druckfrisch auf dem Tisch. „Verhängnisvolle Post“ heißt er und erzählt von einer spannenden Zeitreise in die deutsch-deutsche Vergangenheit.

Normalerweise ist Thomas Meyer eher ein Mann der Zahlen. Der gebürtige Essener und Wahl-Schermbecker hat Betriebswirtschaft studiert und sich dann selbstständig gemacht. Heute veröffentlicht er Fachbücher im Bereich Qualitätsmanagement, auch Reiseberichte hat er verfasst. Das Schreiben eines Romans war Neuland für ihn, räumt Meyer ein. Umso spannender war seine Entstehung. Der Thriller ist unter dem Pseudonym S. K. Reyem erschienen und wird bestimmt nicht sein letzter sein. Schon jetzt sitzt Thomas Meyer an Roman Nummer zwei; 166 Seiten gibt’s bereits. Und das Konzept für ein drittes Buch hat der 54-Jährige auch im Kopf.

Der Rest ist Fantasie

Dabei begann alles mit einem realen Unglücksfall innerhalb der Familie. Als sein Schwiegervater einen Schlaganfall erlitt, entdeckte er in seiner Wohnung eine Postkarte, mit der er nichts anfangen konnte. Sie stammt aus den 70er Jahren, aus Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt. Meyer staunte. Sein Kopf begann zu rattern. Seltsam, überlegte er: Was verband den Schwiegervater mit der ehemaligen DDR? „Soweit ich weiß, kannte er dort keinen.“

Der Rest ist Fantasie. „Verhängnisvolle Post“ erzählt von einem Mann namens Walter, der 1977 in die Fänge der Abwehrdienste der beiden deutschen Staaten gerät. Grund ist eine Ansichtskarte, deren Geheimnis auch er nicht kennt. Viel später, im Jahr 2008, fällt die Karte seinem Neffen Dirk in die Hände. Er begibt sich auf Spurensuche, versucht, Walters Geheimnis zu ergründen. Womit er nicht gerechnet hat: Die ehemaligen Verfolger tauchen wieder auf. Dirk gerät in Gefahr. Er muss fliehen.

Eine private Geschichte

Das Buch verfolgt in zwei Erzählsträngen die Geschichten der beiden Männer, Spannung und ein bisschen Liebe inklusive. Er erzähle keine politische, sondern eine private Geschichte, stellt Meyer klar. Die deutsch-deutsche Vergangenheit biete nur den Rahmen.

2014 begann er mit dem Schreiben. Wie die Sache ausgehen würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht. „Ab der Hälfte des Buches habe ich dann gewusst, wo es hingeht.“ Meyer schrieb abends. Nachdem er sein eher trockenes Tagwerk erledigt hatte, ließ er der Fantasie freien Lauf. Zwischendurch habe er sämtliche Autoren-Gefühle durchlebt, erzählt er. Mal floss alles wie geschmiert, dann kämpfte er mit Schreibblockaden. Und es gab herbe Rückschläge. Als er seine Frau bat, die ersten Seite Korrektur zu lesen, war sie nicht sonderlich angetan. „Insgesamt war das Ganze schwieriger, als ich gedacht habe.“

Erste positive Reaktionen

Meyer hat alles mehrmals überarbeitet. Jetzt freut er sich, dass das Buch fertig ist. Und seine Frau ist auch zufrieden, sehr sogar. Erste positive Leserreaktionen hat er bereits geerntet, nun ist er gespannt, was die Zukunft bringt. Meyer macht sich keine Illusionen. Verlage hat er umgangen, indem er seinen Erstling selbst in den Druck gab - auf einen Bestseller ist er zum Glück nicht angewiesen. Er weiß, wie hart das Business ist. „Ich habe in Deutschland 30 000 Konkurrenten, die Belletristik schreiben. Zählt man die Sachbücher dazu, sind es 90 000.“ Zurzeit denkt er über eine Online-Lesung nach, um sein Debüt weiter zu vermarkten.

Stoff für zwei weitere Thriller

Parallel tüftelt er am nächsten Thriller. „Meine Stoffe“, sagt Meyer, „springen mich an“. Mal erzählt ihm jemand einen Sachverhalt, der seine Fantasie beflügelt, mal sieht oder liest er etwas, was er im Kopf weiterspinnt. Diesmal geht es um eine Katastrophe, die die Menschheit bedroht. Einige Überlebende sitzen in einem Essener Parkhaus fest. Mehr wird noch nicht verraten. Fest steht: Die Helden werden wieder ganz normale Menschen sein, die in schwierige Situationen geraten, aus denen sie sich herauskämpfen müssen. „So etwas finde ich sehr spannend.“