Scheinbare Wahrheiten
16.03.2010 | 18:35 Uhr 2010-03-16T18:35:00+0100
Wesel.„Ein Regisseur hat sein Stück und sucht sich danach die passenden Schauspieler aus“, weiß Ernst Gadow. „Bei einem Theaterprojekt in der Schule funktioniert das aber genau andersherum. Wir haben unsere Gruppe und fangen dann an, zu überlegen, was wir mit den Leuten auf die Beine stellen können.“ Auf diese Weise kam es dazu, dass die Theatergruppe des Konrad-Duden-Gymnasiums in diesem Jahr ein Stück aufführt, das nicht gerade als Klassiker für das Schultheater gilt: Die Mädchen und Jungen zeigen „Martin Luther und Thomas Münzer oder: Die Einführung der Buchhaltung.“
Das moderne Stück stammt aus der Feder von Dieter Forte und erlangte in den 70er und 80er Jahren große Erfolge. Es stellt das Geschehen rund um Martin Luther zwischen 1514 und 1525 dar und befasst sich mit den ökonomisch-politischen Interessen der Kirche und Fürsten sowie der Reformationsbewegung.
Für die Theatergruppe des KDG sei das Stück ganz einfach deshalb besonders geeignet, weil es viele verschiedene Rollen und somit Möglichkeiten für die 29 Schauspieler der Truppe bietet, erklärt Ernst Gadow. Der Lehrer ist zwar mittlerweile pensioniert, begleitet das aktuelle Theaterprojekt aber noch bis zum Abschluss.
Am Donnerstag, 18. März, Freitag, 19. März, und Montag, 22. März, führen die Schüler der Jahrgangsstufen elf, zwölf und 13 das Stück in der Aula des Konrad-Duden-Gymnasiums auf. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, der Eintritt frei. „Das ist eine ganz schöne Herausforderung, sowohl für uns Darsteller als auch für das Publikum“, gibt Xenia George, eine der Schauspielerinnen, zu. Denn das Stück ist ganze drei Stunden lang, nach der 39. Szene gibt es eine Pause.
Langweilig sollen die Aufführungen aber trotzdem keinesfalls werden. „Es gibt einige Überraschungen für die Zuschauer“, sagt Xenia George mit einem Augenzwinkern. Soviel sei schon verraten: Der Papst wird von einer Frau gespielt und trägt einen Minirock. Und Martin Luther ist in der Geschichte alles andere als ein geradliniger Kämpfer, sondern lebt vielmehr nach der Devise „Komm ich heut nicht, komm ich morgen.“ „Das Stück spielt mit scheinbaren Wahrheiten über die Kirche“, erklärt Ernst Gadow. „Und das auf wunderbar ironische Weise.“
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