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Schäfer aus Wesel führt europäischen Hirtenzug

12.08.2010 | 22:10 Uhr
Schäfer aus Wesel führt europäischen Hirtenzug
Schäfer Maik Dünow ließ seine Herde zuletzt in Dinslaken grasen. Freitag übernimmt er den Staffelstab beim Hirtenzug 2010. Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Wesel/Dinslaken.Schäfer Maik Dünow aus Wesel übernimmt den Staffelstab des europäischen Hirtenzuges am Freitag in Dortmund. Von dort zieht er mit 200 Schafen über Dinslaken nach Duisburg. Seine Schafe, sagt er, sind mehr als nur nützliche Rasenmäher.

Einfach abschalten - das ist es, was Maik Dünow an seinem Beruf so schätzt. Wenn er mit seinen beiden Hunden, Border Collie Dave (3) und dem Altdeutschen Hütehund Don (5), am Rheindeich steht (Bildergalerie ), genießt er es in vollen Zügen. „Dann weiß man wieder, wofür man den Beruf erlernt hat“, sagt der 36-Jährige, der vor 19 Jahren aus dem rund 500 Kilometer entfernten Brandenburg an den Niederrhein kam. Eine Lehrstelle beim inzwischen verstorbenen Heinz-Peter Trockel verschlug ihn hierhin. Schließlich wuchs Dünow mit Schafen auf, und so stand der Entschluss schnell fest, dass sie ihn ein Leben lang begleiten sollen.

Bereut hat er es nie, auch wenn er 365 Tage im Jahr für seine Tiere - etwa 800 Mutterschafe - da sein muss. Urlaub sei seine Sache ohnehin nicht, dafür habe er gar keine Ruhe. Und so war er bereits um 7 Uhr bei einigen seiner Schafe in Emmerich, um später am Rhein in Dinslaken-Eppinghoven vorbeizuschauen, wo eine weitere Herde grast.

Schafe machen Deiche sicher

Seine in Wesel ansässige Firma mit zertifiziertem EU-Schlachthof ist im weiten Umkreis vertreten. In Duisburg pflegen die Schafe die Rheinaue, in Bottrop die Grünanlagen. Doch die wenigsten Menschen wüssten, was die Tiere wirklich leisteten, sagt der niederrheinische Schäfer. Das soll während des europäischen Hirtenzugs 2010, an dem er sich beteiligt, vermittelt werden.

Schließlich futterten die Schafe nicht nur, sie sorgten durch ihre Tritte auch für die nötige Bodenverdichtung, die einen Deich erst sicher mache. Deutschlandweit arbeiten 20.000 Schafhalter, die mit etwa zwei Millionen Schafen gut 350.000 Hektar Grünland pflegen. „Die Schafe sind wie ein Staubsauger“, scherzt Maik Dünow. „Sie wissen genau, dass es erst weitergeht, wenn alles weggefuttert ist.“

Der 36-Jährige bedauert es allerdings sehr, dass er kaum noch Zeit bei seinen Tieren verbringen kann, die deshalb meist hinter einem Elektrozaun zu finden sind. Zu groß sei die Bürokratie inzwischen geworden, beklagt sich Dünow. So müssten Mutterschafe seit Jahresbeginn nicht nur die obligatorische Ohrmarke tragen, sondern auch noch einen Chip. Ginge der verloren, was nicht selten der Fall sei, beginne der Bürokram, müssten fünf Blätter mühevoll ausgefüllt werden.

Wettervorhersage möglich

Jetzt genießt er aber erst einmal bei strahlendem Sonnenschein den Blick auf den Rhein, bevor die Schafe verladen und nach Dortmund gebracht werden. Es könnte noch Regen kommen, meint Maik Dünow, der von Passanten häufig nach einer Prognose gefragt wird. Ein bisschen Ahnung habe er ja auch, allein durch sein Vieh. Dass noch Niederschlag naht, schließt der Schäfermeister daraus, dass seine Tiere sehr eifrig fressen. Eine reine Vorsorgemaßnahme, damit sie satt sind, wenn es zu regnen beginnt.

Dünow beobachtet die Tiere wohlwollend. Er hat sich „zum gemütlichen Stehen“, wie er sagt, auf seinen Schäferstock gestützt und erklärt seine auffällige Kleidung. Da ist der schwarze Schäferkittel mit den vielen Taschen und die schwarze Schäferweste mit den auffälligen 52 weißen Knöpfen für die 52 Wochen eines jeden Jahres. Sein brauner Hut schützt ihn gegen alle Unbilden des Wetters, deshalb ist er immer dabei. „Ohne Hut geht gar nichts“, sagt der Weseler, der das Fleisch seiner Tiere auch gern isst. 90 Prozent seiner Kunden seien Muslime, sagt er. Sie kauften ganze Tiere, manchmal gleich mehrere. „Bei den Deutschen ist der Markt nicht so groß.“ Die Direktvermarktung auf dem Hof in Lippedorf läuft deshalb nur auf Bestellung.

Eine Woche ist Dünow ab Freitag unterwegs - zusammen mit Kollegen und teilweise auch Politikern und mit einer Biologie-Studentin. Die junge Wissenschaftlerin möchte über den Weg von Grassamen und Insekten in der Schafwolle forschen, der bei der Verbreitung von Pflanzen und Tieren eine wichtige Rolle spielt.

Der europäische Hirtenzug

Der Hirtenzug 2010 wurde von der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände organisiert. Er begann am 5. Juni, dem Weltumwelttag, am Brandenburger Tor in Berlin und endet am 16. Oktober, dem Deutschen Grünlandtag, in Trier. Dann haben unterschiedliche Schäfer in Etappen rund 1400 Kilometer mit ihren Herden zu Fuß zurückgelegt. Auch Brüssel ist ein Ziel.

Der europäische Hirtenzug, der unter dem Motto „Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben“ steht, soll den Nutzen der Schafe dokumentieren, etwa bei der Deichpflege. Am Freitag übernimmt der Weseler Maik Dünow um 14 Uhr den Staffelstab in Dortmund. Von dort geht es mit rund 200 Schafen samt Hunden etwa 70 Kilometer entlang der Emscher.

Am Samstag, 21. August, macht der Hirtenzug zwischen 11 und 16 Uhr auf dem Deich in Walsum Station. In der Nähe der Hubbrücke am Modellflugplatz gibt es jede Menge Informationen rund ums Schaf sowie einen Streichelzoo. Auch Grünen-Politikerin Bärbel Höhn wird erwartet.

Petra Herzog

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