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Rock im Gartenhaus

07.01.2016 | 17:31 Uhr
Rock im Gartenhaus
Von links: Rainer Schwarz, Wolfgang Grebe, Michaela Grebe, Peter Andrikopoulos und Friedhelm Naujoks sind LOFX.Foto: Lars Fröhlich

Schermbeck.   Die Schermbecker/Dorstener Band LOFX setzt auf handgemachte Musik mit Stil. Bis April ist das Quintett schon ausgebucht. Ein Probenbesuch

Wer die Wahl hat, hat die Qual. „’Bella Luna’ vielleicht?“, überlegt Michaela Grebe laut. Die Männer nicken. Einverstanden! Peter Andrikopoulos greift in die Saiten. Rainer Schwarz und Wolfgang „Doc“ Grebe stimmen ein. Friedhelm Naujoks schlägt die Cajon. Und schon erklingen die ersten Takte von Jason Mraz’ Lied, das zwar kein Mensch kennt, aber trotzdem oder gerade deshalb im Repertoire der Akustik-Band LOFX einen Lieblingsplatz besitzt. Schließlich haben sich Michaela Grebe und ihre vier Männer vorgenommen, mit anspruchsvoller, handgemachter Musik die Säle und Herzen der Region zu erobern.

Nicht laut genug für eine Rockband

Sieht aus, als seien die Pläne von Erfolg gekrönt. Mitte 2015 haben sich LOFX gegründet – schon jetzt sind sie bis April ausgebucht. Wie zum Beweis stimmt Michaela Grebe mit ihrer schönen tiefen Stimme einen weiteren Song an. Country, „I never promised you a rose garden“, eine Hommage an die 2015 verstorbene Lynn Anderson. Oder wie wär’s mit einer sehr eigenen, sehr coolen Fassung von Caro Emeralds „A night like this“? Bittesehr!

Im Gartenhaus von Peter Andrikopoulos ist die Stimmung bestens. Hier liegt der Proberaum, in dem LOFX an den Auftritten feilen. Der Bandname ist dabei Programm: LOFX steht für Low Effects und meint die Musik auf unverstärkten Instrumenten. Bei LOFX ist alles unplugged, lediglich etwas Hall wird beigemischt. „Wir sind keine Rockband. Dazu sind wir nicht laut genug“, stellt Michaela Grebe gleich klar. Und Rainer Schwarz ergänzt: „Wir brauchen nicht viel und passen in jedes Wohnzimmer.“

Trotzdem weht durch den kleinen Raum mit dem Tresen und den gemütlichen Sesseln mehr als ein Hauch von Rock’n’Roll. Und das nicht nur wegen des satten Sounds, der erdigen Grooves und des Zigarettenqualms in den Spielpausen. Jetzt ist Zeit zu erzählen: Für die Schermbecker/Dorstener Band war 2015 ein gutes Jahr. Im Mai haben sich LOFX gefunden – bereits jetzt sind 40 Songs im Repertoire, drei volle Stunden Musik. Dabei stammen die fünf eigentlich aus ganz anderen Berufen. Bassist Wolfgang Grebe (44) entwickelt Software. Peter Andrikopoulos (52), der Mann an der Solo-Gitarre, ist Versicherungsmakler. Gitarren-Kollege Rainer Schwarz (65) ist gelernter Drucksetzer, Schlagzeuger Friedhelm Naujoks (63) Lehrer und Sängerin Michaela Grebe (48) Fremdsprachenkorrespondentin.

Zusammengeführt hat sie die Liebe zur Musik. Die Männer spielen bereits seit vielen Jahren in verschiedenen Bands. Anders Frontfrau Grebe. Sie kam zum Mikro wie die Jungfrau zum Kinde. Die Initialzündung bot der Talentwettbewerb „Reine Stimme“ im vorigen Jahr in Hünxe, an dem sie „nur aus Spaß“ teilgenommen hat. Gelandet ist sie auf Platz drei. „Als einzige Neueinsteigerin zwischen lauter alten Hasen.“

Ein Kornfeld im Regen

Seither ging es Schritt für Schritt. Ursprünglich wollten Michaela und ihr Mann Wolfgang als Akustik-Duo auftreten, doch dann machten sie sich doch auf die Suche nach weiteren Musikern, „weil es mit Gitarre und Schlagzeug besser klingt.“ Nach und nach kamen die übrigen ins Boot. Ein Dreamteam, wie sich schnell zeigte. „Was im letzten halben Jahr passiert ist“, fasst Michaela für alle zusammen, „ist der Hammer.“

Den Durchbruch brachte ein Auftritt auf dem Bocholter Weihnachtsmarkt. Es regnete Bindfäden, trotzdem blieben viele stehen, hörten zu, tanzten. Nach dem Gig buchte der Veranstalter LOFX gleich für ein weiteres Konzert. Neun Auftritte in der Region sind inzwischen festgezurrt.

Bitte keine Charts

Dahinter stecken harte Arbeit und ein Konzept. Die fünf sind keine Teenies mehr, sondern alle in den Vierzigern oder darüber – deshalb gibt’s auch keine Teenie-Musik. Die Songauswahl wird im Team getroffen. Soul steht hoch im Kurs, schon wegen Michaela Grebes Stimmfarbe. „Wir sind keine Rambazamba-Band“, betont Wolfgang Grebe, „sondern eine Band zum Zuhören.“ Rainer Schwarz ergänzt: „Charts gibt’s bei uns nicht.“ Wobei Partyklassiker wie „Ticket to ride“ von den Beatles durchaus im Programm sind, auch „Ein Bett im Kornfeld“ haben LOFX schon gesungen – etwa auf dem verregneten Bocholter Weihnachtsmarkt.

„Unsere Musik muss zu uns passen“, fasst Peter Andrikopoulos zusammen. So finden auch unbekanntere Schätze wie David Bowies 70er-Song „Ziggy Stardust“ Platz im Repertoire. Genug geredet, jetzt gibt’s wieder Musik. „You got a friend“, diesen oft gecoverten Song von 1971. Hier klingt er ganz modern.

Petra Kuiper

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2016-01-07 17:31
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