Riskante Hochzeit der Kröten

Foto: Naju Klaus Loose
Was wir bereits wissen
Werden die Nächte lauer, machen sich die Amphibien auf den gefährlichen Weg zu ihren Laichgewässern im Kreis Wesel. Sie sollen nicht unter die Räder kommen.

Kreis Wesel..  Die Dämmerung ist ihre Zeit. Jetzt, wenn die Nächte wieder wärmer werden, setzen sich die Amphibien in Bewegung. Erdkröten, Grünfrösche, Braun-, Moor-, Gras- und Springfrösche. Molche und Salamander hält es nicht mehr an ihren Überwinterungsplätzen. Sie ziehen los, auf Partnersuche. Und sie sitzen besonders gern auf Fahrbahnen - es ist wieder die Zeit der überfahrenen Kröten. Das hat seinen Grund: „Es gibt mehr Männchen als Weibchen“, erläutert Uwe Heinrich, Ehrenamtler beim Naturschutzbund (Nabu). Also kämpfen sich die Männchen an die Erdoberfläche, „sie haben sich bis zu 70 Zentimeter eingegraben“, und wandern los.

Warmer Asphalt

„Sie suchen Plätze, die übersichtlich sind, um auf die Weibchen zu warten“, erläutert Heinrich. Ebene Flächen. Straßen sind aus Krötensicht, überhaupt aus Sicht der Amphibien, einfach wunderbar. Sie können sich gut darauf bewegen, und sie können sie übersehen. Hier warten sie auf die Auserwählte, außerdem strahlt der Asphalt in der Abenddämmerung auch noch ein wenig Wärme ab. Kommt ein Weibchen vorbei, vereinigen sich die beiden und ziehen als „Doppeldecker“ zu den Laichplätzen. „Die Konkurrenz unter den Männchen ist groß.“ Und die Zahl der Verkehrsopfer unter den Tieren wäre noch größer als ohnehin, gäbe es da nicht ehrenamtliche Naturschützer, die den liebestollen Tierchen über die Straße helfen.

Fast jeder kennt die Amphibienzäune entlang der Straßen. Das Prinzip ist schlicht: Die wandernden Kröten, Frösche und Molche stoßen auf ein Hindernis, versuchen es zu umgehen und fallen in einen Eimer. Täglich kommen Aktive des Nabu vorbei, zählen die Tiere und tragen sie über die Straße. Sie können dann sicher zu ihren Laichgewässern weiterwandern.

Amphibienzäune stehen aktuell in Bergerfurth, Obrighoven, in den Kanonenbergen, Hamminkeln und Brünen. Noch haben die kalten Nächte den Tierchen die Lust an der Brautschau vermiest, nur einzelne sind bereits unterwegs.

Doch obwohl Spaziergänger und Jogger die Schutzanlagen kennen, machen sie häufig einen Fehler. „In jedem der Eimer steckt ein Zweig“, sagt Heinrich. Er ist quasi die Rettungsleiter für Mäuse und andere Kleintiere, die ebenfalls in die Falle gegangen sind. Viele von ihnen können nicht darauf warten, dass die Aktiven sie befreien. Ohne den Stock würden sie verhungern. „Häufig nehmen Leute ihn heraus, weil sie glauben, dass er zufällig dort ist“, sagt Heinrich. Die Naturschützer bitten, die Schutzanlagen unangetastet zu lassen.

„Bis zu 20 Personen sind für den Auf- und Abbau, für Reparaturen und Kontrollen an den Fangzäunen dabei“, erläutert Johannes Kleinherbers, Sprecher der Naju im Kreis Wesel, der Jugend des Nabu. Doch nicht überall gibt es Schutzzäune. Daher die Bitte: Langsam fahren, aufmerksam auf Amphibien achten!