Richtig große Kleinkunst

Ganz „pur“, ganz eingängig: Pago Balke (rechts) und Wolfgang Fernow im Scala.
Ganz „pur“, ganz eingängig: Pago Balke (rechts) und Wolfgang Fernow im Scala.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Pago Balke und Wolfgang Fernow gelang es mit einer puristischen Darbietung aus Sprache und Musik im ehemaligen Lichtspielhaus Scala „Kino im Kopf“ entstehen zu lassen.

Wesel..  Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie oder was Audiodeskription ist? Oder besser noch: „Lieben sie Hörbücher?“ Das Gastspiel von Regisseur, Erzähler, Autor und Kulturmensch Pago Balke im Kulturspielhaus Scala vereinte viele Aspekte von Kleinkunstbühnen-Kunst. Gemeinsam mit Wolfgang Fernow aus Freiburg, der sein Können am Kontrabass beisteuerte, um die Geschichte, die von Pago Balke aufgeführt wurde, musikalisch, atmosphärisch und darstellerisch zu komplettieren.

Mit Stimme und Körper

Ganz einfach und ganz puristisch war die Bühnenshow. Ohne technischen Schnickschnack, nur mit sprachlicher Gewandtheit, Mimik-Nuancen, darstellerischem Körperspiel, Dynamik- und Sprachtempo-Variationen, Phonetik-Witz und detailreichen Beschreibungen der Szenerien zog Balke das leider nur zwei Dutzend Personen zählende Publikum schnell in seinen Bann.

Die Geschichte handelte von einer Reise an die See. Erlebnisse auf der Fahrt, im Hotel, zwischen den Reisegefährten beschrieb Pago Balke so gekonnt, dass es dem Zuschauer und -hörer leicht fiel, ins „Kopfkino“ – so der Titel der Veranstaltung – Einlass zu finden und es hautnah zu erleben.

Ohne Stockungen und Holperer zog der „Verbalfilm“ vor dem inneren Auge des Betrachters vorbei, der manchmal schmunzelte, hier und da auch laut lachte – besonders dann, wenn Pago Balke vor unmerklich Atmosphäre schaffendem Kontrabass-Spiel seine Worte platzierte und so die Geschichte mit dem Titel „Wunderbare Freundschaft“ vorantrieb. Hauptdarsteller Tom, ein Mann mit riesigen Zähnen und Sprachproblemen, mutiert in der Krimikomödie vom Opfer zum Sieger.

Die Reaktion im Publikum auf dieses lange Jahre in Wesel wenig gekannte Genre war positiv. „Das ist toll hier. Es war eine spontane Idee hierher zu kommen“, sagten Bianca und Thorsten Kraemer aus Wesel. „Wir würden jederzeit wieder kommen. Solche Lesungen sprechen uns an.“

Weil ihre Freundin Annalena Wandt ihr zum Geburtstag eine Karte für diese Kleinkunstdarbietung geschenkt hatte, genoss auch Karoline Kühnem gemeinsam mit der Schenkenden einen besonderen Abend. „Ich habe gehofft, dass es ein tolles Erlebnis wird“, sagte sie. Und sie sei nicht enttäuscht worden. Das Scala mit seiner Wohnzimmer-Atmosphäre, die durch die Varieté-Bestuhlung an echten Nierentischchen das Publikum näher zusammenrücken ließ, war als ehemaliges Filmtheater der ideale Ort fürs „Kino im Kopf“.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE