Das aktuelle Wetter Wesel 5°C
Betuwe

Resignation oder Protest

11.11.2010 | 19:17 Uhr

Kreis Wesel.Die Hiobsbotschaft aus der Sondersitzung des Bundesverkehrsausschusses, wonach das dritte Gleis und damit Lärmschutz entlang der Betuwe-Strecke nicht kommt, führt zu Protest, aber auch Resignation.

Die nötigen Kapazitäten mit der Blockverdichtung erreicht werden, heißt es zur Begründung. Dann würden statt 215 Züge weit mehr als 300 fahren.Gert Bork von der Bürgerinitiative „Betuwe-Linie - So nicht“ aus Wesel schien im NRZ-Gespräch ratlos. „Ich weiß nicht, was jetzt passiert“, sagte er. „Ich hab’ wirklich langsam keine Lust mehr.“ Allzu gut erinnert er sich an den Bahngipfel in Düsseldorf mit sämtlichen Beteiligten. Dort hätten alle Einigkeit zu den Ausbauplänen signalisiert. Ein halbes Jahr später sei alles Makulatur.

Einsprüche

Bork will sich weiter mit dem Thema beschäftigen und das Ge­spräch suchen. Am Mittwoch, 17. November, findet die Jahres- und Informationsveranstaltung im Haus Blumenkamp statt. Dabei geht es um aktuelle Entwicklungen und das weitere Vorgehen. Zudem werden Fragen von Betuwe-Anliegern zum Thema Einsprüche beantwortet.

„Wir sind bald an dem Punkt, wo man sagen muss: Jede Minute, die man sich dem Thema widmet, ist vertan“, zeigt auch Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf Ansätze von Resignation. Die sich häufenden Meldungen in jüngster Zeit seien ein Indiz gegen ein drittes Gleis. Untermauert werde dies durch ein Papier der DB Netze, wonach man bis zu einer Nutzung von 356 Zügen ohne das zusätzliche Gleis auskommen könne und vollen Lärmschutz erst bei 388 Zügen brauche. Das aber werde frühestens 2025 soweit sein. Am Mittwoch treffen sich die Anlieger-Kommunen der Strecke, deren Sprecher Schlierf ist.

„Vollkommen empört“, sei sie über die in Berlin gemachten Aussagen, sagte Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Noch am Vorabend habe der interne Arbeitskreis getagt und sei von anderen Voraussetzungen ausgegangen. „Das kann man sich so nicht gefallen lassen“, findet sie. Es müsse dringend Kontakt mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss aufgenommen werden.

Super-Gau

Überraschend kommt die Nachricht nach den Berichterstattungen der vergangenen Tage für Johannes Flaswinkel nicht. Dennoch bezeichnete es der stellvertretende Sprecher der Mehrhooger Bürgerinitiative „Betuwe - So nicht“ als „Super-Gau“. Schon jetzt sei festzustellen, dass der Güterverkehr noch einmal zugenommen habe.

Mit Sorge betrachte er die Situationen, die sich gerade morgens zwischen 7.30 und 8 Uhr am Bahnübergang ab­spielten. Weil sich während dieser Zeit die Schranken kaum noch öffneten, überquerten Kinder und Erwachsene trotzdem die Gleise, um rechtzeitig zur Schule oder zu ihrem Zug zu kommen. „Wir Mehrhooger haben ja keine Alternativen. Zeitgleich sind alle anderen Übergänge auch geschlossen. Wenn die Blockverdichtung kommt, brauchen wir dringend einen Übergang im Ort.“

Rechtlich bestünde nach wie vor der Anspruch Lärmschutz vor Blockverdichtung, erinnert Flaswinkel. Wenn die Bahn an anderer Stelle das Geld „verbrate“ und für das elementare Recht der Anwohner nichts mehr übrig bleibe, müsse man damit rechnen, dass sich der Unmut in anderer Form als bisher äußert.

NRZ

Facebook
 
Kommentare
19.11.2010
10:10
Resignation oder Protest
von Pit01 | #15

Nachts mehr als 70 db(A) äquivalenter Schallpegel. Das ist eindeutig mehr als der Gesetzgeber vorschreibt ( 49 Dezibel ). Ein normaler Wirtschaftsbetrieb bekäme rigide Auflagen mit der Androhung von Schliessung seines Betriebs. Die Bahn hat da wohl nichts mit am Hut. Und die Politik schaut seelenruhig zu und ändert die 100 Jahre alten Gesetze nicht.

18.11.2010
23:02
Resignation oder Protest
von Protestant | #14

Tja, das ist wenn man protestiert und protestiert und protestiert...

Jetzt gibts Blockverdichtung und Güterzüge bis tief in die Nacht und GARKEINEN Lärmschutz.
Und den Ausbau der Strecke/Bahnhöfe, damit wenigstens der Personenverkehr noch profitiert - wahrscheinlich auch die nächsten zwanzig Jahre kein Thema mehr.

Aber was will man machen... am besten Weiterprotestieren...

14.11.2010
13:13
Resignation oder Protest
von deutan | #13

wir lernen:
- die Bahn stellt sich über den Staat und nötigt die Bürger am Niederrhein
- die Politik, ob Bürgermeister, Parteien, MdL und MdB ist ohnmächtig
- Proteste der Bürger werden nicht zur Kenntnis genommen
dann resignieren wir eben und gehen zur Tagesordnung über ODER
wir kämpfen, aber dann nicht mit Wattebäuschchen, sondern so, dass es die Deutsche Bundesbahn richtig weh tut.
Wie kommt es doch, dass die Menschen so radikal werden?

13.11.2010
03:53
Resignation oder Protest
von parcelpanic | #12

der stete tropfen höhlt den stein
vermutlich: röm. Dichter Ovid (ca 43 v. Chr. - 17 n. Chr.)

die meisten proteste brachen nicht in einem tornado los. sie wurden als wind gesät, als sturm geerntet. wenn aus der frucht etwas werden soll, will sie gepflegt werden, möglichst früh und intensiv. sich nur darauf verlassen, die natur & die zeit brächten alles weitere führen wenn, eher zufällig zum gewünschten ergebnis. nur im internet seiner stimme ausdruck verleihen zu wollen, mit dem ziel den adressat des protestes zu erreichen, ist etwa wie die augen beim auto fahren zu schliessen, wenn es eng wird.

die OldSchool-gutsherren aus dem rathaus wollen sehen, um zu glauben. protest = demo = presse = lobbytrittbrettfahrer... summa sumarum eine unerfreuliche situation. das bischen foren-negativ-geschreibe, blog-gekrakel oder schmähbilder kommt bei der zielgruppe & meinungsverstärkertruppe nicht an, eher bei solchen, die jeden tag eine andere geBILDete meinung haben...

der angesprochene Castor und die 1000malX-aktionen sind das ergebnis eines prozesses der anfang 70er, der bereits eine weitere generation auf die strasse treibt.

davon ist Duisburg etwa so weit entfernt, wie die versprechen der politiker vorm stimmenfang von der realität später.

13.11.2010
01:55
Resignation oder Protest
von elli p. | #11

Ich finde es erschreckend wie die Bürger im wahrsten Sinne des Wortes mal wieder verkauft werden.
Resignation geht garnicht. Warum nicht mal die komplette Strecke für ein paar Stunden stilllegen?
Woanders geht`s doch auch.Protest!!!
Zitat:
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nie kämpft, hat immer verloren.

12.11.2010
23:00
Blockierter Kommentar.
von Moribundis | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2010
22:01
Resignation oder Protest
von Pucky | #9

Die neue Rheinbrücke in Wesel hat auch ihre Zeit gebraucht... nehmt sie schon mal als Vergleich

Ihr könnt die Berliner Bürokraten doch nicht so hetzen... den Vertrag mit den Niederlanden hat da vielleicht noch nicht jeder gelesen

außerdem ist Stuttgart21 wichtiger, da geht es schließlich um ein für Deutschland extrem wichtige Strecke Paris - Bratislava...

12.11.2010
20:42
Blockierter Kommentar.
von Moribundis | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2010
20:42
Blockierter Kommentar.
von Moribundis | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2010
20:37
Blockierter Kommentar.
von Moribundis | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3932498/create

Aktuelle Fotos und Videos
Büttenabend
Bildgalerie
Aus dem Ressort
Ein Jurist entdeckt seine Leidenschaft fürs Schreiben
Literatur
Michael Kuck aus Obrighoven veröffentlichte sein erstes Jugendbuch „Zacharias und das Zimmer zur Zeit“
19 Kastanien gefällt
Innenstadt
Fortsetzung der Neugestaltung der Fußgängerzonen steht bevor